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David Hockney: „Portrait d’une artiste (Pisquine avec deux personnages)“, 1972 ©Hockney
Im Centre Pompidou wird David Hockney gezeigt.
Er ist 80 Jahre alt, in England geboren, aber da er hauptsächlich in Californien gearbeitet hat, und mit den Swimminpoolbildern bekannt wurde, ist dies Wenigen bekannt. Seit 2000 lebt er wieder in England.
David Hockney hat alles erreicht, was ein Künstler erträumen kann. Im MOMA ist er, Guiness Prize, Gold Medal des Royal College of Arts, Paris Biennale, Kodak Photo Prize, documenta Kassel und so geht die Liste weiter: große Preise, große Orte, große Auszeichnungen.
Das Centre Pompidou zeigt eine Vielzahl seiner berühmten Gemälde. Die sind gerade heute ultramodern, wo die 70ies und 80ies wieder en vogue sind. Er malt mit kräftigen Farben, plakativ das Leben in Kalifornien, die homosexuelle Dandyszene. Am Pool, unter der Dusche, hier und da abhängend. In der Zeit war das Leben freier, kein AIDS, kein Puritanismus weit und breit. Er kannte eine Vielzahl von ebenso bekannten Künstlern wie Francis Bacon oder Lucian Freud. Die Meisten sind tot, er nicht, er arbeitet weiter. Heute weniger im Life Style, sondern Landschaften, groß und farbenreich. Seine Vorbilder sind Vermeer oder Matisse, da ist ein bisschen Realismus drin, nicht immer, aber viel. Er liebt das Kino, er liebt Polaroids, ist mit Billy Wilder und der Clique befreundet.
Die Bilder: Swimmingpools, Kopfsprünge, Duschen und viel nackte Jugend, seine Galeristen oder Eltern, er selbst. Immer in Blau, Lila, Hellrosa. Er experimentiert mit den damaligen neuen Techniken, mit dreidimensionalen Collagen, Fotokopien, Polaroids. Manchmal kritisiert ein Anderer das Werk als oberflächlich und nicht in die Tiefe gehend. Ob das stört? Vielleicht in der Zeit seiner größten Schaffensperiode. Denn die Kunstwelt beäugt sich kritisch. Es gibt viele Künstler, die malen wie die Könige, aber unentdeckt bleiben. Sie fristen ein Leben in der Einsamkeit, voller Idealismus, kämpfen sich mit Nebenjobs durch die Armut und leiden malend. Maler-Innen, die den Durchbruch schaffen, werden argwöhnisch beäugt. „Hat sich da jemand mit seiner Malerei prostituiert? Ist da wer mit den Galeristen ins Bett gegangen? Kann da wer Marketing und Selbstvermarktung besser als malen? Ist das wirklich Kunst oder nur plakatives Verteilen von bunten Farben auf einer Leinwand? Warum hat der Glück und ich nicht?“
Das sind schwere Vorwürfe und harte Unterstellungen, sogar Gerüchte. Und vollkommen egal. Die Bilder sind ja sichtbar und sprechen.
Matisse ist erkennbar. Die Aufhebung der Perspektive, Farbflächen aneinander Reihung wie bei Impressionisten, Licht festhalten und Eindruck schildern. Seine Personen sind ziemlich steif. Da fehlt es an eleganter Beweglichkeit. Die Gesichter fast erstarrt. Das er sein Handwerk versteht, setzen wir voraus, aber manche Bilder sehen trotzdem skizzenhaft aus. Eher wie Entwürfe, wo es nicht so genau drauf ankommt. Denn es geht um die hauptsächliche Aussage. Der Hypnotist ist so eins. Die Sichtlinie zwischen Handgeste und den Augen steht eisern, der weiße Schatten, der die Bewegung mitzieht und eine klare Dynamik hinein bringt. Die Kugel zu Füssen im Mittelraum lenkt den Blick ab, aber füllt gleichzeitig den zu überbrückenden Hypnoseraum in der Mitte. Das Bild ist humorvoll.
Ganz anders die Bilder ohne Menschen. Da steht die Komposition, die Farben die Architektur, die Beschreibung des Laisse faire Lebens. Eine moderne Architektur mit großem Pool, kein Stress, keine Ablenkung, das Sprungbrett und hinein ins kühle Wasser und „The Splash“. Der Wasseraufprall in der Mitte und kein Mensch, der taucht ab. Ein Architekturselfie. Es müssen ja nicht immer nur Menschen abgebildet werden. Das Bild ist hell und frisch. Und so wunderbar beruhigend, das kann, wer es sich leisten kann im Wohnzimmer, ewig hängen.
Oder „Rubber Ring Floating in a Swimming Pool (1971)“. Das Bild ist abstrakt, auch wenn das Motiv unschwer erkennbar ist. Das Pool von oben auf den roten Schwimmring. Helles Türkis steht auf natursteinfarbigen Boden und im linken Drittel der rote Kreis. Wasserblasen, ein bisschen Spritzwasser und eine kleine Reflektion als Andeutung im Poolblau, Feuchtigkeit durch Nuancierung auf dem Beckenrand. Detailliert beschrieben und in eine formale Farbstudie eingebunden. Zen in der Malerei.
Oder ein Aquarell „Fall Pool with Two Flat Blues (Paper Pool 28), 1978. Blaues Wasser an Türkis Beckeninnenrand, an violetten Beckenaußenstand, eingerahmt mit Grünschattierungen: Rasen und Hecke. Und Mittig ein hellgelbes Sprungbrett. Mittelachsial, zentriert, symmetrisch, klarer Aufbau, klassische Komposition, voll saturierte Farben. Alles zusammen ein Sprungbrett im Pool aus der Subjektiven und phallisch das die Lachmuskulatur vibriert.
Wenn es darum geht Menschen zu malen wie z.B. bei „ Henry Geldzahler und Christopher Scott, 1969“ erstarrt der Pinsel und Bewegungen bleiben außen vor. Der Mensch befindet sich wie eine Skulptur im Bild, sitzend besser als stehend, denn dann erscheinen die Proportionen unstimmig, zu klein und gedrungen. Aber sie scheinen ohne Verbindung und isoliert. Da schaut sich keiner an. Die Farbpalette bleibt die Selbe, pink und grün. Perspektivisch auch mittig in der Achse, jedoch wird die Symmetrie durch Lampen, oder leicht versetzte Möbel und Dekorationen wie Blumen zum Spannungsbogen.
So auch das Bild seiner Eltern. Beide sitzend auf hölzernen Klappstühlen. Die Mutter in der linken Bildseite, frontal mit geschlossenen Beinen, im Schoss gefaltete Hände, weiß haarig im taubenblauen Kleid. Der Teppich ist lavendelfarben, der Vater auf dem gleichen Stuhlmodell auf der rechten Seite diagonal gestellt, halb auf dem Teppich, halb vor einem kräftig grünen halbhohen Rollschrank auf dem eine Vase mit Tulpen und ein Spiegel steht. Der Vater beugt sich tief über einen Katalog. Ob es einer über den Künstler ist, wissen wir nicht. Die Wand als Fläche in lindgrün verbindet alles. Ein stilles, bewegungsloses Bild. Auf ewig eingefangen die Eltern in der Pose. Sind sie glücklich? Sind sie verbunden? Sie sind zu Besuch im Atelier, so erscheint es, denn ihre Haltung drückt eine Art vorüber gehendes Abgestellt-Sein aus. Die gehören einfach nicht in das Interieur. Die Mutter scheint zu warten, sie harrt aus, der Vater beschäftigt sich.
Diese Starre zeigt sich sogar in seinem „Still Life on a Glass Table“ von 1971-1972. Formatfüllend ein Glastisch. Die sanft apricot farbige Wand nimmt 4 Teile des Bildes ein, der Rest ist gebrochenes kühles Weiß, der Fußboden. Auf der Tischplatte, fein säuberlich angeordnet 9 Objekte: eine kleine Vase, eine Tischlampe, davor zum Übersehen ein gläsernes Kännchen, daneben eine Art Miniaturköcher für Irgendetwas, genau in der Mitte eine 8 Eckige Vase, diagonal aufgestellt mit einer lavendel farbigen kleinen Lilie, dann eine Form wie eine hölzerne Thermoskanne, eine weitere grünlich schimmernde Vase, ein Aschenbescher, der vor einer mit gelben Tulpen gefüllten Vase steht. Kaum Berührungen, staubfrei, arrangiert und frei von Dynamik. Bis auf die oktogonale, diagonal auf der Tischplatte ausgerichtete Vase, stehen alle Objekte frontal zum Betrachter. Das kann Ruhe sein, es kann das auf Ewig fest Gehaltene sein, es kann Harmonie des Alltäglichen sein. Ein ruhendes Bild.
Als er in den frühen 80iger Jahren mit Polaroid collagiert erweitert er seine Handschrift und die wiederum ist so neu, sie geht in die Kunstgeschichte ein. Er fotografiert akribisch eine Szene und setzt sie kleinteilig zusammen. 76 Polaroids formen das Geschehen. Zwei Männer im Bildmittelpunkt, einer sitzend, der andere stehend. Der Stehende, in einer lässigen Standbein Position und Hände in den Hosentaschen blickt auf den lächelnden Sitzenden. Im Hintergrund Teile seiner Malerei. „Don + Christopher, Los Angeles am 6. März 1982“. Da stehen sie, jetzt ganz gelöst im Atelier des Malers. Sind das befreundete Galeristen? Sie scheinen bekannt und einander zugewandt zu sein. Ein frohes Bild, viele kleine Teile führen zum ganzen Eindruck.
Genauso auch „Billy + Audrey Wilder, Los Angeles, April 1982“. Es ist nicht im Atelier, es ist im Garten der Wilders, spekulieren wir hier. Ein schwarz weißer Kachel Boden, an der linken und rechten Bildseite Blumenstreben und Töpfe in geometrischen Kübeln oder -haltern, in der Mitte die Wilders sitzend, Billy Wilder mit Kamera vor dem Auge frontal auf den Künstler, im Halb Profil seine Frau mit roten Blazer, über geschlagenen Beinen, lächelnd und Zigarette in der Hand. Erneut eine bewegte Komposition, befreit in der Geometrie der quadratischen Polaroids. Die Hell-Dunkel Kontraste der Falten in den Hosenbeinen sehen wie gemalt aus. Das Bild kann auch von Georg Braque gemalt worden sein. Ist es nicht, es ist ja eine Collage, aber so malerische wie eine Photographie nur sein kann.
Mit seinen Landschaften löst er sich vom figurativen, Horizonte werden zu Flächen und Details zu Formen. Henri Matisse hätte davor gestanden und gestaunt. Die Farben sind kräftig, das Licht wird eingefangen, auch überschattete Landschaften sind deutlich als solche zu erkennen. Und alles abstrakt. „Canyon Painting von 1978. Bonnard, Picasso, Dufy, Marquet, diese Namen drängen sich auf. Jeder kann sich darin wieder finden. Klassische Malerei.
Die Bilder wurden mit Handy im Pompidou von Ursula Drees gemacht. Das erste nicht, das stammt von der Webseite des art magazines.

Christian Dior in Paris im Louvre.
Auf der Ars Electronica wird über Modulmode geforscht. Materialien die eher technisch sind werden zu flexiblen Partikelkleidungsstücken, der Schnitt und Anpassung an den Menschen noch Mühe und Veränderung bedarf.
Im Gegensatz dazu steht die Mode der Vergangenheit. Haut Couture im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Mode für die Schönen und Reichen, deren auserlesener Stil und Extravaganz die Magazine zu Paradieszeitungen der Träume werden lies. Die Diven des letzten Jahrhunderts kleideten sich in prunkvolle Gewänder, manche nur ein Mal auf der Welt und unverwechselbar.
Und diese unvergesslichen Gewänder werden ausgestellt. Grace Kelly, Elizabeth Taylor und Jane Mansfield, Brigitte Bardot, Königinnen und Prinzessinnen trugen sie. Da passt der Hut, die Handschuhe, die Schuhe, der Schal, die Tasche zum Kleid und Mantel. Ein Gesamtkunstwerk wurde der Welt am Körper dieser Frauen präsentiert.
Mit einem Wort: Mode, wie sie heute nicht mehr zu sehen ist.
Die Ausstellungsgestaltung muss sich mit den Exponaten messen lassen. Wo will man diese Art von Luxus artentsprechend denn zeigen können. Im Louvre natürlich, das größte, mit 72,735 qm Kunst-Museum der Welt. Die Ausstellung wird im Musée des Arts Décoratifs, einem Teil des Louvres inszeniert. Nicht nur Dior’s Kreationen werden gezeigt, auch die der Nachfolger von Yves Saint Laurent, Marc Bohan, Gianfranco Ferré, John Galliano, Ralf Simons und aktuell Maria Grazia Chiuri.
Eine weitere Attraktion wird als Nebensache behandelt. Es werden Originalaufnahmen der großen ModefotografInnen wie von Baron Adolphe de Meyer, Arik Nepo, Henri Cartier-Besson, William Klein, Michael Pudelka, Peter Lindbergh, Horst P. Horst, Richard Avedon, Guy Bourdin, Helmut Newton, David LaChapelle, Ellen von Unwerth, Annie Leibovitz, Brigitte Lacombe, Maripol, Brigitte Niedermair und Janette Beckman aufgehängt. Da geht es um Mode und ganz selbstverständlich hängen dort diese Fotos.
Damit, und mit Briefen, Zeichnungen, Skizzen und den Accessoires und Schmuck ist Mode mehr als nur Kleidung, sondern ein Kulturausdruck oder sogar Kunstausdruck. An einem ordinären Wochentag inmitten des Septembers bedeutet das, wenn kein Internetticket gekauft wurde, anstehen. Mindestens 1,5 Stunden und dann werden die Besuchermengen, viele, viele Frauen, jung, mitteljung, mittelalt und älter, mit Celine Handtaschen und Designerkleidung, konservativ, Streatwear oder Hippie, alles einfach, durch die Ausstellung gesteuert – Wegeleitsystem und Besuchersteuerung muss funktionieren. Tut es, fast – aber nicht ganz.
Die Ausstellung ist in 3 Teile strukturiert. Es fängt in schwarz gestrichenen Räumen an, macht in weiss weiter und endet in Schwarz – Weiss. Im Anfang, der schwarzen Passage an den Wänden wird über die Kindheit mit dem Material was zu finden war, gesprochen, einige eher hilflos erscheinende interaktive Applikationen (Lichtsensor und Projektion als Slideshow auf DinA 4), Photographien, Zeichnungen direkt auf die Wand und kleine skulpturale Objekte sind überflüssig. Die Besucher bedienen die Interaktionsangebote selten. Kleine schwarz weiß Fotos an der Wand sind dokumentarisch einfacher und kompakter zu erschließen, auch weil der Echtheitsgrad höhere Authentizität atmend. Und weil nur wenige ausgestellt sind, ist es ein Hinkucker. Denn es gibt zu viel zu schauen.
Weiter geht es in die hinter Glass Objekte – Modeentwürfe als Miniaturen. Die Ordnung ist am Farbkreis angelehnt, die Gelben, Orangen, Roten, Pinken, Violetten usw. Stücke mit allen Accessoires und manchmal ein Kleid in Originalgröße. Die Miniaturen sind mit Federn, Fäden, Pailletten, Edelsteinen oder Halbedelsteinen, gestickt, benäht plissiert, gefaltet, gelegt, geformt. Puppenformat, mit entsprechenden Schuhversionen, diese auch mit Federn, Perlen, Spangen, Schleifen in allen Formen und Farben hergestellt. Da lässt es sich verweilen und die Nase platt drücken. Aber der Strom der Besucher treibt die Menge weiter. Ein Raum, zwei Räume, drei Räume, die Fülle der Exponate in Mini ist groß und die Aufmerksamkeit sinkt. Es ist dunkel, die leicht gewölbten Scheiben reflektieren, die Luft steht und letztendlich wächst die Sehnsucht nach Helligkeit und Licht. Da hilft weder das Thema noch die Mühe mit Ambiente – zuviel ist zuviel.

Aber glücklicherweise dann Licht. Fantasievolle Ausgestaltungen und die große Mode. Endlich. Jetzt erst lohnt sich ein Foto der Räumlichkeiten. Von oben herab in Weiß hängt ein Blattwald, filigran wie die Mode. In weiß eingebettet, indirekt beleuchtet, die Kreationen. Sie vereinen sich mit der Umgebung, sechs, manchmal sieben Stücke auf einer leichten Plattform, oftmals weniger und das tut gut. Die Inszenierung gewinnt und endlich gibt es auch ein bisschen Raum für die Besucher.


Der Weg führt durch dein Eingangsbereich auf die andere Seite des Gebäudes. Die Fassadenprojektion lässt uns an den Eingang zum Modeatelier denken, unten schon als Vorgeschmack hell erleuchtet in Schwarz Weiß eine ausstaffierte Modepuppe. Darüber als im Fenster die Arbeit es Designers am Model.

Die Räume strahlen Klarheit, sie zeigen in chronologischer Folge die Stile, in den 50iger Jahren beginnend Straßen taugliche Mode, dann geht es weiter und endet bei der Brautkleidung. Anfangs streng in Schwarz Weiß, dann kommen einzelne Farben hinzu, in den Siebzigern wird es kurz und sachlich, aber nicht weniger spannend. Weniger Stoff erfordert mehr Kunst mit Schnitt, Material und Farbe. Immer wieder exzellente Modephotographien, und dann kommen die Entwurfshallen. Die Decke ist verspiegelt und erhöht den Eindruck. In hellem Nesselstoff werden mit Hand genähte Entwürfe aufgereiht. Manche erkennt man wieder, andere sind neu. Die Luft und das Licht sind rein, der Raum entspricht der Modekunst. Der Blick verweilt, hier wird mit wenigen Mitteln das Potential einer Objektpräsentation ausgeschöpft. Die Geometrie ordnet die organische Mode, das neutrale Licht schafft eine Spannung zu den offwhite Entwürfen.

Dieses Schema wird im Folgebereich auf die Dunkelheit angewendet. Die Inszenierung sicherlich hat Charme, in rechteckigen Streben, seitlich mit hellem LEDs als Lauflicht ausgestattet werden Modelle gezeigt. Es sind Mäntel, Kostüme, der 50iger. Eng Tailliert, mit Hut, oder Pelerinen, der Geist einer Grace Kelly wird geatmet. Es könnte gut sein, aber schwarze Mode an schwarzen Puppen im schwarzen Raum und reduziertem Lauflicht, alles interessant, aber das Objekt ist nur zu erahnen. Soll das Mystisch sein?


Diese Frage bleibt ungelöst. Aber da soviel Mode bereits gezeigt und gesehen wurde, ist ein Vergessen leicht, denn im finalen Bereich wird die Abendgarderobe und Brautmode in Szene gesetzt. Punktlichter als Sternenhimmel in kühlen Blaunuancen fokussieren den Blick. Das Finale ist gelungen und der Eindruck der Ausstellungsgestaltung gerettet. Ein schweres Thema mit viel Liebe und Aufmerksamkeit dargeboten.

„Christian Dior, Couturier du Rêve“, Musée des Arts Decoratifs, Paris. Bis 7.1. 2018
Louvre und Les Arts Décoratifs.
Alle Photographien ©Ursula Drees

Feuer, Wind Wasser Erde, die vier Elemente. Sie bilden die Grundlage der Vielfalt aller Stoffe. So zumindest war die Vermutung noch vor einigen Hunderten von Jahren. Die Naturwissenschaften haben diese Vorstellung erweitert. Aber die Idee durch eine Kombination einen unendliche Vielfalt zu schaffen, brachte Yuima Nakazato zu einer Modekollektion. Sie wird mit modernen Technologien hergestellt. Kleidung wird nicht mehr genäht, sie wird assembelt. Sie ist wie in der Autoindustrie. Es werden Bauteile hergestellt, diese wiederum mit einer unendlichen Vielzahl vom Möglichkeiten vermischt und viele verschiedene Mobile aus immer den gleichen Bauteilen werden hergestellt. Farbe, Grösse, Form, Schnittigkeit, Ausstattung, alles ist der Idee eines Menschen angepasst. Dafür sogen die vielfältigen Ausstattungslinien und Konfigurationen. Und dahin wird die Mode gehen. Jeder Mensch sein eigenes Design. Das praktiziert Adidas und andere Sportschuhehersteller. Das ist der Weg der Zukunft. Ob die Mode dadurch egalisiert wird oder nicht, kann noch nicht gesagt werden. Vielmehr geht es um die Zuneigung der Träger zu ihrem ureigensten Entwurf. Wo dieser dann hergestellt wird, ist nicht relevant.Wenn nicht mehr genährt wird, dann wird nicht mehr entworfen, nicht mehr gestaltet. Dann gibt es nur noch Modelkollektionsvorlagen aber keine Kollektionen mehr. Ob es dann auch einen Gebrauchtkleiderhandel gibt. Oder Vorführkleidungsstücke, die nach einem Monat tragen zwar als neu gelten aber etwas kostengünstiger zu haben sind. Es wird dann mit allem was gut und teuer gearbeitet. Die Modemodule können aus Silber, aus Gold sein. Sie können wahre Juwelen werden oder auch nicht. Vielleicht gibt es eine Wiederverwertung von abgelegten Modulkleidern. Die werden neu aufgearbeitet und wieder in die Modulpalette eingearbeitet. Vielleicht gibt es einen Kleiderschrottmarkt an dem sie die Armen bedienen? Und eigentlich gibt es alles das schon.
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Wenn ein Blick auf die Art der Mode geworfen wird, dann sehen wir Gustav Klimt vor uns. Fin de Siecle. Üppig, glamourös, farbenfroh. Die Mode sieht aus wie die Schuppen einer Schlange oder eines Chamäleons.
STARTS Prize 2017 Honorary Mention.

Artificial Intimacy ist ein Teilbereich auf der Ars Electronica und widmet sich mit der Frage nach Artifizieller Intimität.
Es geht um das Intime und das wird hier rein auf den Körper bezogen und nicht nur das, es wird auf Sex reduziert. Eine kleine Abteilung auf der großen Ars Electronica. Ein Raum mit mehreren Exponaten. Sechs vielleicht sieben vom ca. 10 sind eher der Pornografie gewidmet. Eines davon handelt von der ersten Sexpuppe für Frauen.
Erstaunlich, denn Frauen haben zwar Lustgefühle, aber die wurden doch bis dato stets befriedigt. Weiß nicht jeder Erwachsener, dass Frauen sich eher vor zu viel Sex schützen, als dass sie zu kurz kommen? Ist nicht der Mann der Darbende? Der vor sich hin Schmachtende, der Träumende nach schönem, ehrlichen, harten oder zarten Sex? Es gibt diese Bedürfnisse wohl auch bei Frauen, denn sonst wäre es nicht zu der ersten Sexpuppe für Frauen gekommen.
Das VICE MAG zeigt in einer Reportage das Paar, das verantwortlich ist. Sie haben eine Firma, die den männlichen Körper idealisiert nachbaut. Das männliche Sexobjekt ist ein wenig behaart an der Brust, ist ein wenig unfertig, die Haut weist Unebenheiten und Pigmentflecken auf. Die Scham ein wenig behaart, der Bauch glatt mit Sixpack. Das Gesicht jungenhaft, nicht sonderlich ausdrucksstark. Das scheint allen Puppen anzuhaften. Eine große Variation zeigt sich bei den Geschlechtsorganen. Größe, Breite, Länge, Farbe etc. da kann ausgewählt werden.
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Die Interviewerin steht im Arbeitsraum, schaut auf die Arbeitsschritte, fragt sich ob eine solche Atmosphäre denn zu ständigen Gedanken über das Eine verführt. Scheinbar nicht. Der Bäcker denkt nicht immer an das Essen von Plunderteilchen, Automechaniker denken nicht immer an Auspuffrohre, Zahnärzte nicht immer an Mundhöhlen, Lehrer nicht immer an Didaktik, Sekretären nicht immer an Statistiken, Stewards nicht immer an Chicken oder Beef, Verkäufer an Waren und Artikel. Und so ist das in der Branche auch. Ein Beruf. Puppenmacher, große Puppen Sexpuppen. Das ist es. Für Frauen.
Intimität? Die Reporterin befragt eine Kundin, sie arbeitet in der Sexindustrie, hat eine Fernbeziehung und Needs. Die befriedigt diese an der Puppe, sie kommt ihr gerade recht. Es gab keine andere Frau, die sich befragen ließ? Wollte keine die Intimität der Fragen erdulden? Oder über Intimität mit einer Puppe sprechen? War da Scham im Spiel? Diskretion? Privatsphäre?
Die Reporterin probiert eine männliche Sexdoll aus. Sie wird halbwegs anständig dabei gefilmt. Und zeigt sich vom Produkt überzeugt. Vom haptischen Empfinden ist die Nachahmung nah am Original. Sie performt wie gewünscht und die Frau hat die Kontrolle zu jeder Zeit.
Ein Erfolg. Und so fühlen sich Männer mit weiblichen Sexdolls. Der Ersatz ist vielleicht besser als das Original. Immer zur Hand, widerspricht nicht, ist vollständig zu kontrollieren, erfüllt was es zu erfüllen gibt und nur das Verstauen einer so großen Puppe ist ein bisschen schwierig. Wohl auf. Das ist doch alles sehr praktisch und komplikationsfrei. Auch ohne Risiko. Der Charakter braucht keine Schärfung. Ich kann so bleiben wie ich bin und komme auf meine Kosten. Lasst uns innerlich ein bisschen verwahrlosen. Das passt in die heutige Kultur. Wir fragen immer wieder, was soll das auf einer Kunst, Technologie, Wissenschaftskonferenz? Ist die Erschaffung des Menschen, das Frankensteinsyndrom die Motivation? Ist es die Gottgleichheit des Menschen, die die Sucht nach Lebenspuppen leitet. Kann es einfach der Wunsch nach körperlicher Befriedigung sein. Kann es nur das Animalische im Menschen sein?

Künstliche Intelligenz bezieht sich in erster Linie auf die künstliche Nachahmung oder Hervorrufen von Intelligenz. Wobei das nicht einfach ist, angesichts der Tatsache, dass Intelligenz etwas nicht konkret Festlegbares ist. Intelligenzen gibt es viele: emotionale, soziale, faktische, logische, kombinatorische. Messmethoden dafür sind nicht verlässlich, denn da wo der Mensch, oder besser das Individuum im Spiel ist, haben wir es mit vielen Ausprägungen zu tun und bei der Messung mit ebenso vielfältigen Formen der Äusserung von Etwas bestimmten. Das lässt sich über Sprache, Wahrnehmung, Körpermessungen, einer Kombination aller messen. Die Umgebungseinflüsse für jeden einzelnen unterscheiden sich und bringt Unschärfe in eine Messung. Was ist Intelligenz. Und wie wollen wir sie nachempfinden. Am Einfachsten kann es mit faktischer Leistung geschehen. Da gibt es messbare Quantitäten. Wieviel von einer Sache kann man sich wie schnell merken, erinnern und wiedergeben?
Kann künstliche Intelligenz ohne Körperlichkeit entstehen?
In Science Fiction Movies gibt es hin und wieder Erscheinungen, deren körperliche Dichte diffus ist und die eine Künstliche Intelligenz repräsentieren sollen. ES sind nebelhafte Formen, Dämpfe, Dunst, Schatten, Moleküle, Schwärme, manchmal Datenströme, weil sie nur vom Rechner gesehen werden können. Eine Künstliche Intelligenz benötigt einen Körper, zumindest für die Menschen. Denn nur dann lässt sie sich identifizieren. Diese Körper sind die Container der Intelligenz. Darin lebt sie, ohne würde die Intelligenz sterben.
Künstliche Intelligenz ist etwas geistiges, auch wenn der Körper ihr eine Form gibt. Da wo ein Körper, da gibt es auch Intimität. Denn der Körper ist beim Menschen gleichbedeutend mit Sexualtrieb und Vervielfältigung, mit Reproduktion oder dem Akt der Reproduktion. Die Ausstellung Artificial Intimacy, Künstliche Intimität, geht auf diesen Gedanken ein. Scheinbar aber nur, denn eigentlich geht es um Sexpuppen, für Männer in erster Linie und Frauen in zweiter Linie. Nicht jedes Artefakt ist dem Körper und dem Sex gewidmet aber die Mehrzahl.
Wobei das Wort Intimität sogar Werte außerhalb der reinen körperlichen Befriedigung suggeriert. Intimität soll entstehen wenn zwei Wesen einander näher kommen. Sich fühlen und spüren, darauf gleichwertig reagieren und einander bereichern.
Dieser Gedanke kann nicht gefunden werden. Wohl aber die körperliche Nähe. Sie wird im Kunstprojekt, wobei das Wort Kunst hier eher auf ein künstlerisches Handwerk zielt, namens SAMANTHA von Sergi Santos mit seiner Sexdoll Synthia Amatus, KURZ SAMANTHA.
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Samantha ist entweder eine dunkelhaarige oder blonde real life size Babypuppe. Ihre Schultern sind schmal, die Taille wie die von Sissi, die Beine ohne Mängel, wirklich große Brüste und eine durch die Bekleidung gut sichtbare Vagina. Alles was für Intimität mit einem Mann benötigt wird ist da. In kurz die phänotypischen Merkmale des Weiblichen sind übergroß der Rest schmal und schlank. Der Mund leicht geöffnet. Die Augen groß, die Lippen schmackhaft. Die Oberfläche ist aus weichem gummihaften Material, hautfarbig getont.
Da sitzt sie inmitten des Ausstellungsraums auf einem Sofa mit einem Spot versehen. Sie ist spärlich bekleidet, jeder kann sie anfassen. Vor allem aber der Künstler, der sie wortreich und auch etwas schamlos präsentiert. Seine Wortwahl könnte ein wenig gehobener sein, aber das scheint wohl nicht zu diesem Genre zu passen. Denn Intimität ist hier Sex und das ist gleichbedeutend mit Fucking. Der Entwickler Sergi Santos steht hinter seiner Sexdoll und plaudert vollmundig aus seinem Leben. Wie er sie anmacht, wann er sie benutzt, was seine Frau dazu meint, wie gut sie ihm tut, welche Funktionen und Level sie beherrscht.
Um ihn herum stehen vor allem Frauen, alle Altersgruppen sind vertreten. Sie hören aufmerksam zu, sie sind mit dem weiblich emphatischen aufmunternden Pokerfaxe ausgestattet. Ob ihre Aufmerksamkeit der Absurdität der Erklärungen gewidmet ist, oder der Sache selbst, bleibt unbeantwortet. Nichtsdestotrotz schaut sich das Publikum das Sexobjekt genau an. Diese Puppe also ersetzt das weibliche Geschlecht solange es um das dumpfe Fucken geht. Das also reicht um die Triebe im Zaum zuhalten. Sowohl im Zaum für die Frauen als auch im männlichen Zaum. Denn der scheint wie des Öfteren vermutet immer zu wollen. Das Testosteron blubbert morgens, mittags und abends und der Denkapparat ist von diesem Blubberns so beeinträchtigt, dass eine besser aussehende und deutlich höher entwickelte Beate Use Sexpuppe herhalten muss.
Es wird nicht gesagt, ob mit oder ohne Kondom gearbeitet wird. Ob die Ergüsse einen Eigengeruch erzeugen, ob es Abnutzungsspuren gibt, ob etwas nachlässt oder nicht.
Was jedoch hervorgehoben wird, dass sie unterschiedliche Modis hat und diese Modis können je nach Ansprache oder Beanspruchung auf- oder abgebaut werden. Wird sie oft verwendet, wird sie auch entsprechend auf sich aufmerksam machen, wenn es Zeit ist, ist dies nicht der Fall hält sie sich zurück. Sie kann alle Arten von Response, ob körperlich wird nicht gesagt, eher computersprachlich. Sie sagt Dinge wie: Ich will jetzt, oder willst du es hart oder soft…..
Sie wiegt 35 Kilo, ist 165 cm groß, ihre Augen sind grün, das Haar lang, rötlich brünett und glatt, der Brustumfang ist 78 cm, die Taille 53 cm und die Hüften sind 85 cm. Mit einer ausbaufähigen Software kostet sie 3750 €. Die einfache Sexpuppe ohne Extras kostet 2295 €. Sie hat die körperlichen Vorzüge aber alles Eigenständige geht ihr ab. Es stellt sich die Frage, welche der Puppen am Markt öfter bestellt werden.
Es ist eine Sexpuppe in einer Ausstellung. Sie wird fast obszön vorgestellt. Das Objekthafte des Weiblichen steht im Vordergrund. Und das auf der Ars Electronica.













