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„Schlemmer Beats“ von der Studioproduktion Event Media, Hochschule der Medien, Stuttgart.

Schlemmer Beats. Kraftvolle Beats empfangen mich in der Staatsgalerie Stuttgart. Das von James Frazer Stirling erbaute Haus, 1984 eingeweiht und heute einer der wichtigsten Bauten der Postmoderne in Deutschland, bebte am vergangenen Freitagabend (14.2.2020). Am Valentinstag hieß es „Schlemmer Beats“. Zu diesem Event hatten Staatsgalerie und Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) eingeladen. Eine Veranstaltung, die im Nachgang zu den 100-Jahr-Feiern des Bauhauses 2019 zu verstehen ist, die – und das ist das Besondere – das Bauhaus tatsächlich in unsere heutige Zeit transportierte und erfahrbar machte. Denn wenn im vergangenen Jahr das Jubiläum einer Institution begangen wurde, die gerade einmal 14 Jahre, nämlich von 1919 bis 1933, existiert hat, muss es, dieser Logik folgend, Dinge geben, die bis heute nachwirken. „Schlemmer Beats“ machte diesen Umstand dank der Interventionen der 12 Studierenden der Studioproduktion EventMedia an der Hochschule der Medien immersiv erlebbar und ließ die Bauhaus-Zeit, wo an der Reformhochschule das Experiment großgeschrieben, die Gemeinschaft gepflegt und Partys gefeiert wurden, für einen Moment aufleben.

Die erhaltenen Original-Figurinen des „Triadischen Balletts“ in der Staatsgalerie Stuttgart Fotografie©IlkayKarakurt

Das Besondere an „Schlemmer beats“ ist vielleicht weniger, dass man in der Staatsgalerie zu heißen Rhythmen abrocken (wobei… der Musentempel wurde ja für einen Abend zur Party-Location!), sondern dass man Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“ quasi in Aktion erleben konnte. Das allerdings nicht über rekonstruierte Aufnahmen der Aufführungen des Balletts oder über Filme aus der Bauhaus-Zeit (wenngleich Schlemmers erster Film – und der einzige, bei dem er selbst unter dem Pseudonym Walter Schoppe in Aktion trat – als historische Referenz gezeigt wurde), sondern über drehbare Säulen, Animationen und Neuinterpretationen der Kostüm-Nachbauten. 

Eingangsbereich der Stirling Halle. Drei farbige Auswahlsäulen, Stelen. Fotografie©Ursula Drees
Die drehbaren Säulenteile ermöglichen die Konfiguration eines eigenen Triadischen Tänzers Fotografie©IlkayKarakurt
Eine schwarze, magenta farbige und gelbe Säule/Stele lassen die Besucherinnen einen eigenen Triadischen Tänzer konfigurieren Fotografie©IlkayKarakurt

Gleich im Eingangsbereich der Stirling-Halle empfangen mich drei bunte Stelen, deren oberer Teil jeweils in drei drehbare Würfelaufsätze unterteilt ist. Die erhabenen Ikons, die sich darauf befinden, deuten darauf hin, welche Formen ich an der Wand zu sehen bekomme: Ich kreiere meine eigene Figurine, indem ich die verschiedenen Möglichkeiten für Kopf, Arme/Rumpf und Beine, die Schlemmer für das insgesamt 18 Figurinen umfassende Original vorgesehen hatte, miteinander kombiniere. Die auf diese Weise mit modernster Technik entstandene Kunstfigur erhält einen Namen, der in irgendeiner Form mit dem Bauhaus in Verbindung steht, und per Knopfdruck wird sie auf die Wand im nächsten Raum übertragen. Dort steht sie zunächst groß im Rampenlicht, dann beginnt sie, mit den weiteren, von Besuchern gestalteten Figurinen zu interagieren – ich davor, imitiere unwillkürlich die merkwürdig abgehackten Bewegungen, die sich durch die unförmigen Kostüme unvermittelt einstellen, die aber auch durch die Musik inspiriert sein können. 

Abrockende Figurinen Fotografie©IlkayKarakurt
Die virtuellen Tänzer inspirieren zum Nachahmen Fotografie©IlkayKarakurt

Apropos Musik: Schon Oskar Schlemmer wollte zeitgenössische Klänge für die Uraufführung seines „Triadischen Balletts“. Arnold Schönberg sagte ab, deshalb fand die Uraufführung in Stuttgart 1922 zu Klängen von Enrico Bossi statt; später wurden die Tänze auch zu Musik von Debussy oder Hindemith aufgeführt. Das Bauhaus war Avantgarde, auch im Musikbereich – warum also diese Avantgarde nicht mit „Schlemmer Beats“ in die Musik unserer Tage übertragen? Das passt, und wie das passt! Die Electronic Beats, aufgelegt vom Waltraud Lichter Kollektiv, heizen ein, übertragen die abgehackten Bewegungen, die zwangsläufig durch die Volumina der Kostüme, durch die Sperrigkeit des Materials zustande kommen, in unsere heutige Zeit. 

Es ist sicher kein Versehen, dass die Bewegungen, die die Figurinen vollführen können, an Roboter erinnern, wie ja überhaupt das Wort „Roboter“ 1920 im Drama „W.U.R.“ des tschechischen Schriftstellers Karel Čapek eingeführt wurde. Filme von Maschinenmenschen füllten die Kinos der 1920er Jahre – allen voran Fritz Lang, der über das DJ-Pult, wie mir scheint, ebenfalls eine kleine Hommage erhält: Die kühlen Glaskuben erinnern in ihrer Staffelung an Langs Film „Metropolis“. Es scheinen visuelle Anleihen an nächtlich illuminierte Hochhäuser zu sein, die zugleich einen Kontrast zu der knallbunten Farbigkeit der auf den Wänden tanzenden Figurinen bilden. 

Kühle Staffelung von Lichtkuben à la Fritz Lang – der Ursprung des Schlemmer Beats Fotografie©Ursula Drees
DJ’s in Aktion. Fotografie©IlkayKarakurt

Und um das Event wieder in die analoge Welt zurückzuholen sind im letzten Raum die Nachbauten der Figurinen zu bestaunen. Es sind Kostüme, und als solche werden sie dann auch von den Teilnehmern des Workshops „Schlemmer Tanzen“ in Aktion vorgeführt. Sie machen Lust darauf, die Klänge aufzunehmen, das Alter Ego – selbst kreiert in Bauhaus-Manier – zu imitieren. „Wir sind die Roboter“ intonierte die Düsseldorfer Elektropop-Band Kraftwerk bereits 1978. Wie sich das anfühlen kann, war in der Staatsgalerie Stuttgart jetzt live zu erleben!               

Figurinen – live in Aktion! Fotografie©IlkayKarakurt
Figurinen – Einführung in die Möglichkeiten der Bewegungen. Fotografie©IlkayKarakurt

Beitrag von Prof. Dr. Chris Gerbing

Prof. Dr. Chris Gerbing, Honorarprofessorin für Kulturwissenschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist freiberuflich tätig als Kuratorin, Autorin, Redakteurin, Lektorin und Dozentin – kurzum: sie ist mit allem, was mit Kunstgeschichte im engeren und weiteren Sinn zu tun hat, beschäftigt, wobei ihre Schwerpunkte u.a. auf Kunst und Architektur des 20./21. Jahrhunderts liegen und sie vor allem die Randbereiche ihrer Disziplin interessieren.

Die Teilnehmer der Studioproduktion EventMedia: Studierende: Niels Keller, Andrea Guerrero, David Waldow, Daniel Zinser, Ria Goller, Shari Mölges, Svetoslav Mitsev, Julia Koken, Franca Bittner, Sophia Schimpgen, Torben Rumpf und Corbinian Pfeiffer. Betreuung: Professorin Ursula Drees, Nadja Weber und Steffen Mühlhöfer.

weitere Links: Schlemmer Beats am 14.2. in der Staatsgalerie Stuttgart

„SCHLEMMER X BEATS“ – INTERACTIVE ART CLUB BY STUDIOPRODUCTION EVENT MEDIA, AT STAATSGALERY STUTTGART

SCHLEMMER X BEATS“: VIRTUELLE WELT DES TANZES

Schlemmer Beats: Neues Weekend Warm-up in der Staatsgalerie

Schlemmer Beats: Weekend Warm up

WEEKEND WARM UP: SCHLEMMER BEATS

Schlemmer x Beats am 14.2. in der Staatsgalerie Stuttgart

Elektro ist angesagt, wenn wir Schlemmers Figurinen tanzen lassen. Zum ersten Weekend Warm-up des Jahres 2020 ist die Hochschule der Medien (HdM) mit ihrem Projekt »Schlemmer Beats« zu Gast. Tauchen Sie ein in die virtuelle Welt des Tanzes, der Kostüme, der Farben und Formen. Es erwartet Sie ein multimediales Kunsterlebnis ganz im experimentellen Charakter von Oskar Schlemmers Triadischem Ballett. Die passenden Electronic Beats dazu gibt es von Waltraud Lichter, Drinks von GINSTR und Snacks liefert das Fresko. Neben Führungen zu Oskar Schlemmers Triadischem Ballett (die Sammlung ist bis 24 Uhr geöffnet, im Anschluss geht es in der Stirling-Halle weiter) erwarten Sie außerdem Specials wie das Fotostudio »Formengymnastik« und der Workshop »Schlemmer tanzen« mit Torsten Blume und dem Play Bauhaus-Team aus Dessau. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Hochschule der Medien, LIFT Das Stuttgartmagazin und der Stiftung Bauhaus Dessau statt. Für Mitglieder der Jungen Freunde Staatsgalerie ist der Eintritt frei. Tickets im Vorverkauf gibt es hier: https://shop.staatsgalerie.de/index.p…

Auf der Generalprobe in der Hochschule der Medien entstanden schon einige Bilder. Wir danken James Palik für die professionellen Fotografien.

Oben links: Eindrücke des Clubs. Nur ist das ein Prototyp. In der Staatsgalerie werden die Räumlichkeiten grösser, dunkler und aufregender.

Oben rechts: Die Auswahlsäulen: erst werden die Module der jeweiligen Schlemmerischen Kostüme des Triadischen Balletts ausgesucht. Dafür dreht der/die BesucherIn die Säulenteile und sieht real time auf der Projektion, wie das Kostüm aussieht. Wenn der/die BesucherIn zufrieden ist, wird die Auswahl mit Klick auf den Button bestätigt und der Triadische Balletttänzer betritt den Club Schlemmer x Beats.

Unten: Triadische Ballett Tänzer im Virtuellen Club. Dort treffen sich der/die BesucherIn und es wird getanzt.

Beitrag von Prof. Ursula Drees

Erinnerungslücken von Katharina Kohl

Kunstbezirk, Stuttgart, Ausstellung „Expanded Media“, Teil des 33. Stuttgarter Filmwinters, Festival for Expanded Media. Motiv: Ausschnitt der Installation „Erinnerungslücken“ von Katarina Kohl. Fotografie von Ursula Drees

Der diesjährige Filmwinter, Festival für Expanded Media in Stuttgart behandelt das Thema „Abwesenheit“. „Die Festival-Edition bewegt sich an die Schnittstelle zwischen der hypermedialisierten Gesellschaft in all ihren Facetten und all den Dingen, die durch das Raster einer solchen Gesellschaft fallen oder verwischt werden: Das nicht Ausgesprochene, das nicht Aussprechbare, das nicht Darstellbare, das Verdrängte oder Verweigerte. Wir sehnen uns nach der Abwesenheit und ihren Spuren. Wie ein Teststreifen taucht unser Festival ein in das große Haus der Abwesenheit und stellt sie in den Makrofokus.“ (Zitat: Filmwinter) Es werden Preise für unterschiedliche Kategorien vergeben.

Katharina Kohl hat mit dem Werk „Erinnerungslücken“ (Video-Installation, 2Kanal-Installation und Monitor, 2018) den 1. Preis in dem Bereich „Spaces“ gewonnen.

Foto: H. Heye / Wo Kunst entsteht. Künstlerateliers in Hamburg, Revolver Publishing, Berlin, 2013

Wir gratulieren. Die Begründung der Jury lautet wie folgt:

  • „Das Thema der Abwesenheit findet sich in dieser Arbeit. Abwesenheit von klaren Umständen. Abwesenheit von Gerechtigkeit, von Wahrheit, von Informationen, von Gewissheit und von Beweisen. Diese Abwesenheit ist schwarz und geschwärzt. Diese Darstellung offenbart die kraftvolle Macht und den Wunsch, sich nicht erinnern zu wollen. Die Verantwortlichen wollen für die Auswirkungen ihrer Handlungen nicht einstehen. Sie ziehen die Unwissenheit und das Vergessen dem Gewicht der eigenen Positionen vor. „
  • „Der Gestaltungswille und Ausdruck der Arbeit ist auf das Notwendige reduziert. Alles wird auf den Punkt gebracht. Jedes ikonografische Element spiegelt scharfsichtig die Botschaft. Es gibt nicht das „Zuviel“ oder das „Zuwenig“.  Dieses Werk, Teil eines viel grösseren, ist konzeptionell und gestalterisch durchdacht. Die Jury ist begeistert und absolut überzeugt, dass nicht nur das Thema des Festivals punktgenau reflektiert, sondern auch dass die inneliegende Botschaft mit grosser Eindringlichkeit und Genauigkeit getroffen wurde. “ (Jurymitglieder: Robert Seidel, Helen Varley Jamieson und Ursula Drees)

Die Autorin hatte die Gelegenheit, mit der Künstlerin vor Ort zu sprechen.

Frage 1. Was gab den Ausschlag für das Werk Erinnerungslücken?

Die Arbeit zu den „Erinnerungslücken“, in der analogen Handruck-Version „Gedächtnislücken“ genannt, begann 2017, nach 6 Jahren intensiver Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex im Rahmen meines Projektes „Personal-Befragung/Innere Sicherheit“. Ich habe sehr viele Akten gelesen und Untersuchungsausschüsse besucht. Die Formulierung „Das ist mir nicht erinnerlich“, die mir in diesem Zusammenhang so oft begegnete, war für mich befremdlich, vor allem weil sie in ihrer Passivform das Erinnern wie eine Kraft von außen erscheinen ließ. Ich begann daraufhin, systematisch die Zeugenbefragungen nach verschiedenen Formulierungen des Nicht-Erinnerns zu durchforsten. Dadurch kam ich dann auf die Form der Arbeit: Protokollseiten des Untersuchungsausschusses des Bundestages zu schwärzen und nur die Stellen sichtbar zu lassen an denen die Zeugen sich nicht erinnern. (Link: http://personal-befragung.de/erinnerungsluecken-druck)
2018, nachdem die „Personal-Befragung“ zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde, griff ich ein altes Motiv auf, das Motiv der Aktenordner, das ich zu Beginn meiner Arbeit zum NSU schon einmal in einem Video verarbeitet hatte. „Fallakte“, 2012

Da inzwischen so viel Zeit vergangen war, kam ich auf die Idee des sich „ewig“ drehenden Akten-Karussells und verband dies mit den Erinnerungslücken.

Frage 2: Wenn sie Menschen portraitieren, was sehen sie durch die genaue Betrachtung?

Ich beschäftige mich seit 1994 intensiv mit dem Thema Porträt, bzw. der Frage, was ich sehe, wenn ich einen Menschen sehe. Ausgelöst wurde diese Frage durch das Porträt von Innozenz X, 1650, Diego Velázquez. Über die Jahre hat sich für mich die Suche nach einer Art Haltung als zentrales Element herauskristallisiert. Unter Haltung verstehe ich dabei die Verortung und Orientierung eines Menschen in einem mentalen Raum, den ich als „Blickraum“ begreife. Die Präsenz eines Menschen greift in diesen Raum ein, verändert ihn. So kann es sein, dass ich mich in Gegenwart eines Menschen z.B. groß, klein, unbedeutend, oder, oder, oder… fühle.

Kunstbezirk, Stuttgart, Ausstellung „Expanded Media“, Teil des 33. Stuttgarter Filmwinters, Festival for Expanded Media. Motiv: Ausschnitt der Installation „Erinnerungslücken“ von Katarina Kohl. Fotografie von Ursula Drees

Dieser Zustand entsteht durch die Art, wie sich jemand in den Raum einbringt und damit diesen „Blickraum“ erzeugt. Bei den „Personal-Befragungen“ habe ich diese Räume als berufliche Haltungen versucht zu erfassen. Deswegen habe ich in den meisten Fällen nach Videos gearbeitet, da dieses Phänomen nur durch die Bewegung des Porträtierten im physischen Raum und im Verhältnis zu anderen Anwesenden sichtbar wird.  So gibt es z.B. einige der Porträtierten, die durch ihre Präsenz einen Raum erschaffen, der sofort ein Gefälle erzeugt. (August Henning, Wolfgang Geier, Klaus-Dieter Fritsche). Andere ordnen das Blickfeld so, dass immer nur sie selbst gespiegelt werden (Lutz Irrgang, Wilhelm Kanther) und so weiter.
Ich versuche also, kurz gesagt,  die „Ordnung im Raum“ zu erfassen, die die Präsenz eines Menschen erzeugt
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Kunstbezirk, Stuttgart, Ausstellung „Expanded Media“, Teil des 33. Stuttgarter Filmwinters, Festival for Expanded Media. Motiv: Ausschnitt der Installation „Erinnerungslücken“ von Katarina Kohl. Fotografie von Ursula Drees

Frage 3: Wie lange bewegt sie das Thema der NSU Fälle?
Das Thema NSU bearbeite ich seit Januar 2012, seit ich den ehemaligen Präsidenten des Landesamtes für Verfassungsschutz Thüringen, Helmut Roewer, in einer Fernsehaufzeichnung sah, sein Gesicht nicht „lesen“ konnte und mich dann entschloss ihn zu malen, um mehr über ihn zu erfahren.

Wir bedanken uns herzlich für die Zeit und die Geduld, die uns Katharina Kohl entgegen brachte. Vielen Dank.

„Seit über 30 Jahren widmet sich der Festival den Grenzübergängen von Kino und Medienkunst mit einem experimentierfreudigen internationalen Programm aus Filmen, Workshops, der Expanded Media Ausstellung und Performances. Kern des Festivals sind die internationalen Wettbewerbe für Kurzfilm, Medien im Raum und Network Culture flankiert von einem generationsübergreifenden umfangreichen Programm.
Jedes Jahr steht der Stuttgarter Filmwinter unter einem bestimmten Motto. Dieses findet sich in der Gestaltung, Rahmenprogramm und der gesamten Aura des Festivals wieder. Bei der Festivaledition im Januar 2020 erforscht der Stuttgarter Filmwinter das Thema Abwesenheit.“

Zum Filmwinter: Das Festival wird empfohlen. Es verfügt über eine sehr anziehende und erfrischende Kraft. Es wirkt belebend, die Werke, Ausstellungen und Performances an den jeweiligen Kunstorten zu sehen. Die Positionen, die Werke und Festivalleitung, Kuratoren und Mitarbeiter zeigen Format, sie entziehen sich dem kommerziellen Mainstream. Diese Position ist attraktiv und überraschend.

Beitrag von Prof. Ursula Drees

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„Schlemmer x Beats“ – interactive Art Club by Studioproduction Event Media, at Staatsgalery Stuttgart

Announcement for the interactive Art Experience of the Staatsgalery Stuttgart©Staatsgalery Stuttgart

Schlemmer and beats is an interactive Techno-Art Club at the Stuttgarter Staatsgalerie. After almost 100 years the Triadic Ballet is being performed in a new look and feel. In 1922 the world premiere of Oskar Schlemmer’s „Triadic Ballet“ took place in Stuttgart. Today, 7 of the original 18 costumes are still on display in the Staatsgalerie Stuttgart. The remaining 11 were destroyed in the Second World War.

Schlemmer divided his Triadic Ballet into 3 acts, three moods, music styles, worlds of colour.  He often experimented with music. He wanted a specially composed, highly modern music, but nobody could provide him with this during his lifetime. Painted sequences of images were to „accompany the music optically as running projections via a device to be specially made for this purpose.” Schlemmer x Beats lets the Triadic Ballet dance to techno music in a virtual club. All costumes, including the destroyed, missing 11, were constructed in 3 D according to the original designs. All 18 Triadic dancers and their costumes are revived to dance with us.

Screenshot©Hochschule der Medien, Studioproduction EventMedia: Schlemmer x Beats

In collaboration with professional dancers, Schlemmer’s original choreographies were expanded and transferred to electronic beats. With the help of a motion capturing suit, the movements are transformed into fluid sequences and these are played out as animations for the bodies of the triadic dancers. From the very beginning of the club experience, visitors get to create their Triadic Dancer at the Triadic Selection Columns. This is done on 3 hexagonal columns, each consisting of 3 segments. In the 3 columns the 3 acts of the original artwork are taken up.

MoCap Suit and Dance ©Hochschule der Medien, Studioproduction EventMedia: Schlemmer x Beats
Scribble©Hochschule der Medien, Studioproduction EventMedia: Schlemmer x Beats

The triadic selection columns show parts of the costumes. The upper selection module shows headgear, the middle part shows costume parts of the body and the lower module lets you select legs, trousers and shoes. We produce 3d models of the abstracted costume parts. We make them in plaster with the help of a 3D printer. Plaster is a fragile and difficult to print material. At the same time it gives a pleasant feel. Therefore we went the Extra Mile and printed with this state of the art material. After the configuration of the costume the visitors and the dancers enter their club: Schlemmer and Beats.

In the course of the evening each dancer receives his personal „10 seconds of fame“.  The dancer grows, his name appears and then he shows special moves. 

Screenshot©Hochschule der Medien, Studioproduction EventMedia: Schlemmer x Beats

The movements of the DJ’s are recorded live during the event and transmitted to a virtual „DJ Schlemmer. On the opposite wall of the DJ Stage, the current distribution of the Triadic Dancers is visualized in the three colors magenta, yellow and black. Each colour stands for a fixed musical mood. The music is visualized. 

With the help of this visualizer, the DJ (Electronic Beats by Waltraud Lichter) plays music that matches the mood. Not only the triadic dancers experience their virtual DJ and their music but also the visitors on site. Everyone dances and celebrates together. An immersive, interactive art experience is created in a club with electronic music. Perhaps Oskar Schlemmer would have liked this club.

Schlemmer x Beats will open only on February the 14, 2020 at 20:30 at the Staatsgalery Stuttgart. It is one night with Oskar Schlemmer.

Students of the University of Media, Stuttgart created the interactive art club experience „Schlemmer x Beats“. For more information visit the website eventmedia-produktion.de

graphic design by Daniel Zinser

Author: Prof. Ursula Drees

  

„They came together to perform heroic gestures“ (in a manner that was meaningful to them) von Gordon Winiemko, USA, 2019

1 Kanal stereoskopisches 3 D Video

Screenshot des Videos, der aber nicht Stereoskope ©Gordon Winiemko

Ohne den Titel gelesen zu haben, oder gar den Künstler nach Alter, Land und Herkunft beurteilt zu haben, ist das Video eine Reise in zwei Welten. Es wechselt zwischen Aufnahmen von Cos Playern und Menschen, die gegen Trump und für Bernie Sanders demonstrieren. Beide Szenerien werden im Wechsel geschnitten. Lange Sequenzen sind es jeweils, der Betrachter hat Zeit, die Filmausschnitte zu betrachten.

Screenshot des Videos, der aber nicht Stereoskope ©Gordon Winiemko

In der Cos Play Welt sind die kostümierten jungen Menschen, eigentlich noch Kinder, als Helden gekleidet. Die Perfektion der Verkleidung, durch Accessories, akuraten Tools und Waffen vervollständigt, verblüfft. Da ist das Einhorn, die Jungfrau, da ein Avatar, ein Elfe, da sind Comic- oder Animefiguren. 

Screenshot des Videos, der aber nicht Stereoskope ©Gordon Winiemko

Der Konferenzort erscheint modern, klimatisiert, sauber und characterlos. Einer lehnt entkräftet an einer Säule. Dann kommt wer anderes, fragt nach einem Bild. Der private Mensch wird zum Performer, zum Model, zum Helden. Die Cos Player nehmen Heldenposen ein, Bilder werden gemacht. Die Show ist vorbei, es beginnt die Privatheit an der Säule. Der Posierende sackt zusammen.

Die Demonstration: AmerikanerInnen jeglicher Colour tragen Schilder und singen im Chor zu Rythmen ihre Schlachtrufe wie: „Let them in“ oder „This is what democracy looks like“.

Screenshot des Videos, der aber nicht Stereoskope ©Gordon Winiemko

Menschen wie jederman und jedefrau: verschiedene Haare, Kleidung, Haut, Alter und Grösse, vereint durch eine Überzeugung. Für Freiheit, für Demokratie,  Diversität, Vielfalt und Gleichberechtigung. Manche tragen eine aufblasbare Weltkugel herum, andere die Fackel der Freiheitsstatue oder verkleiden sich gleich als Freiheitsstatue.  Die Demonstration führt am Konferenzort vorbei, die Welten treffen aufeinander. Cos Player betrachten die Demonstraten und umgekehrt.

Geht es um Freiheit und Gleichberechtigung von Gesellschaften, egal wie sie sich definieren? Geht es um greifbare Politik, um akute Problemstellungen, oder umspannt die Botschaft alle nur erdenklichen Formen menschlicher Existenz und Selbstdefinition? 

Screenshot des Videos, der aber nicht Stereoskope ©Gordon Winiemko

Verwunderlich ist es, wenn die Elfen mit kleinen Öhrchen und gelber Polyester Perücke, Synthetikkleidchen, roten Mündern und Schuhen in die Realität einzutauchen drohen. Es wird sich verkleidet, um eine andere Identität zu verkörpern, vielleicht sogar um nicht mehr von dieser Welt zu sein. 

Screenshot des Videos, der aber nicht Stereoskope ©Gordon Winiemko

Verkleidungen tragen das Motiv der Fremdaneignung, der Vereinnahmung in sich. Das Motiv lautet: „Trinke das Blut des Gegners. Mache dir dessen Kräfte und Mächte zu eigen. Trage die Haut und das Fell jener, die dir gefährlich sind  und vereinnahme sie für immer und ewig“. 

„They came together to perform heroic gestures“. (In a manner that was meaningful to them).

Der Künstler schaut auf die Oberfläche. Durch den Vergleich bezweifelt er die Kraft der Übernahme. Cos Player bleiben Pupertierende, Spielende und Selbstdarstellende in Fantasiewelten. Demonstrierende, ganz der Wirklichkeit verpfllichtet, kämpfen, schaffen sich Gehör, konstituieren signifikate ideale.  Sie sind Helden, posieren nicht minder für die Kamera, aber mit Grund. Die Gegenüberstellung geht nur auf formaler Eben auf, der inhaltliche Vergleich hinkt.

Beitrag von Prof. Ursula Drees

gesehen im Kunstbezirk, anlässlicher des 33. Stuttgarter Filmwinters.