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Warum der Oskar für Visual Effects an einen Deutschen ging… Prof. Katja Schmid

Prof. Katja Schmid, Visual Effects and Post Production, Studiengang Audiovisuelle Medien, Hochschule der Medien Stuttgart [Quelle: HdM Stuttgart]

Wie kann es sein, dass im Bereich vfx Visual Effects der Oscar an eine Deutsche Company geht? Die Hollywood Industrie ist doch führend, denken wir die Otto Normal Verbraucher? Wir, die wir gerne ins Kino gehen und uns von Bildwelten der neuen Art verzaubern lassen. Wenn plötzlich Welten vor unseren Augen entstehen, von den wir nicht möglich halten, dass sie  realistisch visualisiert werden können. Wenn Distanzen, Bewegungen, Objekte und Kreaturen eine Form bekommen, die weder biologischen, chemischen oder physikalischen Grundsätzen und Vorkommnissen entsprechen?

Industrial Light and Magic, Pixar, die Amerikanischen Pixomondos… allein diese Firmennamen kennt doch jeder, selbst jene, die nur sehr entfernt im Orbit dieser Industrie sind.

Für Prof. Katja Schmid, Visual Effects and Post Production, Studiengang Audiovisuelle Medien, Hochschule der Medien Stuttgart ist dieser Oscar nicht ganz so erstaunlich, wie für fachfremde Konsumenten. Sie kennt die Szene, nicht nur von der kreativen Seite, sondern auch von der wirtschaftlichen und gibt ihre Einsichten hier an uns weiter.

Und in diesem Sinne freuen wir uns, dass wir demnächst Unterstützung von einer Spezialistin im Bereich Visual Effects erwarten dürfen. Denn sie hat zugesagt,  ausgewählte Vorträge, Präsentationen oder Techniken auf der fmx 2018 in Stuttgart vom 24. – 27. April  zu besprechen. Herzlichen Willkommen!

Mimus: Coming face-to-face with our companion species von Madeline Gannon

Mimus ist ein Industrieroboter. Groß und schwer, präzise in den Bewegungen und unaufhaltsam bei der Arbeit. Diesen Maschinen steht nichts im Wege und deshalb sollte man das auch tunlichst unterlassen. Wir haben Respekt vor so großen Maschinen. Dieser Industrieroboter führt nicht nur vorprogrammierte Handlungen und Bewegungen aus. Er bewegt sich autonom. Die Decke ist mit Sensoren versehen, sie erfassen alle Bewegungen im Umfeld des Roboters. Werden Veränderungen wahr genommen, nähert sich der Roboterarm jeweils der Ursache. Werden keine weiteren Bewegungen erkannt, wendet sich der Arm ab und beschäftigt sich selbst.

Bildergalerie:

Präsentiert wird der Roboter nicht live, nur über einen Video. Da steht er in einem Glaskäfig, vor der Scheibe wie im Affenhaus befinden sich die Menschen, Kinder. Sie bewegen sich und sofort ohne Verzögerung reagiert der Roboter und nähert sich an. Das ist ein verrückt anzusehendes Schauspiel. Die Bewegungen wirken so natürlich, so lebendig, so individuell, so gewollt. Und sofort bringen wir dieser Maschine Empathie entgegen. Wir wollen mehr Interaktion, wir wollen spielen, wollen uns mit diesem technischen Tierchen anfreunden und es lieb haben.

Die Gestenerkennungssoftware heißt Quipt. Sie unterstützt neue und intuitivere Wege mit Industrierobotern zu kommunizieren. Mit wearable markers und einem motion capture system vermag Quipt Industrierobotern eine Raumwahrnehmung und -vorstellung zu vermitteln und das lässt sie in großer Nähe mit Anderen interagieren.

Madeline Gannon ist Doktorandin in Computational Design der Carnegie Mellon University. Ausserdem leitet sie das MADLAB.cc.

gesehen auf der Ars Electronica 2017: POST CITY. 

Ars Electronica 2017:POST CITY. READY TO CRAWL von Hiroshi Sugihara (Japan)

Auf einer Tischplatte bewegen sie sich unaufhörlich. Beständig klackern die Beine auf die Oberfläche. Klicker, Klacker, ein Schuffeln, ein Swooschen, ein unendliches Gemenge an feinen Tönen, hervorgerufen durch fragil erscheinende Strukturen. Es sind Eidechsen, Tausendfüßler, Manteltierchen oder andere Kleintiere, die sich dort fortbewegen. Ein fantastisches Schauspiel. Die Kreaturen lassen sich in die Hand nehmen und drehen, ihre Bewegung lenken. Es sind als ein Objekt gedruckte Formen. In der Regel wird beim 3 D Druck vor den kantigen, harten Oberflächen gewarnt. Es verhindert fließende Bewegungen und Übergänge an den Teilen selbst und in der Kombination der Teile zueinander. Oft ist ein Nachfeilen und Schleifen mit der Hand notwendig. Das ist zeitraubend und manchmal kommt die Hand und die Feile nicht in schmale Zwischenräume herein. Und dann stockt eine Bewegung .

Hier wird ein Material verwendet, dass außergewöhnlich glatt und weich ist. Es ist eine Art Nylonpulver. Ein CAD gesteuerter Vorgang ermöglicht den Druck als Ganzes. Alles was überflüssig von dem Material ist, kann als Pulver abgefegt und –pinselt werden. Da kommt ein Ganzes als Druck heraus. Und das bewegt sich mühelos. Ein Motor wird eingelegt und der gibt die notwendige Energie. Und dann geht es los. Das Ergebnis ist faszinierend und weckt den Entdecker- und Spieltrieb.

Die Modelle sind mit 3DCAD (Rhinoceros) und mit der Selective Laser Sintering 3D printing Maschine RafaelⅡ550, Aspect durchgeführt.


Ars Electronica 2017: POST CITY. CODED SKELETON von Miyu Iwafune, Taisuke Ohshima

Der Wirbelsäule nachempfunden sind einzelne Gelenkplatten in einer Richtung beweglich oder dehnbar. In der anderen Richtung sind sie steif. Die Künstler nennen das Material Coded Skeleton. Es ist eine Kombination aus Formgedächtnislegierungen (Abkürzung FGLenglisch shape memory alloy, Abkürzung SMA) und 3 D gedruckten Modulen. Formgedächtnislegierungen  finden sich bei pneumatischen Ventilen in der Automobilindustrie, bei optischen Bildstabilisierungen, beim Autofokus, bei Stents in der medizinischen Implantatentechnik, bei Zahnspangen, bei Brillengestellen usw..

Das Material für den 3D Drucker  kann sich an eine frühere Formgebung trotz nachfolgender starker Verformung scheinbar „erinnern“. Daraus entstehen modulare mechanisch verbundene einseitig bewegliche Wirbelstrukturen. Sie können groß oder klein sein. Diese Module werden durch Code und Microcontroller bewegt. Es sieht mühelos aus und in die entsprechende Form verpackt, wie im Beispiel gezeigt, das Spielzeughasenöhrchen, ist die Bewegung mühelos und natürlich. Das 3 D Material ist in der Haptik ähnlich dem Knorpel in Gelenken. Etwas durchscheinend, warm und in seiner Härte elastisch.

Diese Arbeit inspiriert. Sie verbindet analoges mit Technik in einem vorstellbaren Masse. Es
ist die nachgebildete Anatomie, die so vertrauenserweckend ist. 

Coded Skeleton