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Category Archives: Kunst

Ars Electronica 2017: At INFINITUM: a parasite that lives of human energys von Patrick Baudiasch, Alexandra Ion, Robert Kovacs, David Lindlbauer, Pedro Lopes

Interaktivität? Es gleicht der menschlichen Kommunikation. Es wird eine Frage gestellt und eine Antwort erwiedert, es wird erneut eine gestellt und wieder kommt es zu einer Antwort. Ein stetes Spiel von wechselseitigem Gedankenaustausch. Wenn es unter Menschen geschieht, kommt es zu Verknüpfungen der Gedanken, sie können Neues hervor bringen, aber das muss nicht sein. Jedoch wird es erwünscht. Der Impuls, die Auseinandersetzung, die zu einem andersartigen Gedanken führt und dies zu einer neuartigen Handlung.

Wenn es unter Rechnern geschieht, dann kann das für Menschen zu einer nicht entschlüsselbaren Kommunikation führen. Es mag wie DADA aussehen, mag wie ein „aneinander vorbei“ Reden erscheinen, es kann alles mögliche sein, aber nicht unbedingt sinnstiftend.

Wenn es zwischen einem Mensch und einem Rechner geschieht, erwarten wir, dass der Mensch der kontrollierende Impulsgeber ist. Er kann einen Prozess in Gang setzten, kann ihn stoppen, kann in jedem Moment abschalten oder aufhalten.

Bei At INFINITUM: a parasite that lives of human energys wird eine andere Situation geschaffen. Die Maschine kontrolliert und steuert die Handlungen des Menschen. Durch seine Produktivität wird Strom und damit Licht erzeugt. Der User legt seinen Arm in eine entsprechend vorbereitete Schiene. Dann senken sich Plexiglasmanschetten an denen Elektroimpulse angebracht sind und halten den Arm fest. Wenn der User nun die Hand senkt und hebt, wird Strom erzeugt und damit Licht. Tut er dies nicht, sondern lässt er seinen Arm in der Schiene entspannt ruhen, stimulieren die Elektroden die Arme und führen sie zu einer Bewegung. Der Mensch verliert die Kontrolle über sein Handeln. Unfreiwillig arbeitet sein Arm. Diese Form der Interaktion liegt nicht in unserem Interesse, aber es ist gut sie durchdacht zu haben. Es weist auf Endzeitphantasien, wo Maschinen die Menschheit übernehmen.

Ars Electronica 2017: A Robot doing nothing von Emanuel Gollob

A Robot doing nothing ist einer Arbeit des Studenten Emanel Gollob, der an der Universität für angewandte Künste in Wien studiert. Er beschäftigt sich mit Arbeit. Was bedeutet arbeiten? Heute in den Zeiten, wo es keine Grenzen zwischen Privatsphäre und Arbeitswelten gibt. Die Arbeit Nehmenden gehen nach Hause, nach dem Tag im Büro, schalten ihr Werkzeug, den Rechner an und sind für jedermann erreichbar. Sie empfangen emails und andere Mitteilungen sowohl von beruflicher als auch privater Seite. Es kann, wenn gewünscht, immer gearbeitet werden, es kann, wenn gewünscht, nicht abgeschaltet werden. Wir wollen und können immer kommunizieren und genauso auch produzieren oder Kontakte und Informationen aller Art aufnehmen. So auch arbeiten Roboter. Sie werden programmiert und arbeiten ohne Unterlass. Wenn sie nicht ausgeschaltet werden. Sie sind die Produktionsmaschinen.

Das frühere Handwerk ist verdrängt durch industrielle Produktionsschritte und Maschinen. Was ist, wenn ein Roboter einfach nichts tut? Eine absurde Frage, wo doch Maschinen nicht für Kurzweiliges Handeln gebaut und programmiert werden? Warum sollten Roboter eine Art Freizeithandung aufnehmen? Eine Art Hobby? Das Nichtstun? Damit wird der Roboter vermenschlicht. Ihm werden Freiheiten und Fragen zugesprochen, die per se nicht in seine Lebenswelt gehören. Es sind seelenvolle Fragen, der wer nichts tut, der schaltet ab. Der entspannt sich, der tut Dinge, ohne Grund und Ziel. Der kann kreativ werden, der kann Neues schaffen, der kann ein und ausatmen und sein selbst baumeln lassen. Mit „A Robot doing nothing“ wird ein Kunstwerk präsentiert, dass vom Roboter für die Menschen ist. Ohne Sinn und Zweck dreht sich der Kopf des Roboters in unterschiedliche Richtungen und mit der Drehung verdrehen sich die dort angebrachten elastischen farblichen unterschiedlichen Bänder und überrachen den Betrachter mit unterschiedlichen Verflechtungen und Flechtformen.

Dann rollen sie sich auf und bewegen sich langsam drehend in ein eine andere Richtung. Dabei wird erneut ein Körper aus Fäden gedreht und so ght es langsam in einem Fort. Meditativ und wer zuschaut tut nichts. Leerlauf, schauen, nicht denken, nicht produzieren, nicht kommunizieren.

Awuor Onyango, Makeda, 2016, installation view at Space: A Digital Art Festival, Nairobi, KE, courtesy Awuor Onyango

Gedenkpfad zum Wirken von Pfarrer Umfrid in Niederstetten

 

 

Niederstetten ist eine kleine Stadt. Sie besitzt schon seit mehreren 100 Jahren die Stadtrechte. 4800 Einwohner gibt es, sie liegt im Main Tauber Kreis, idyllisch eingebettet in die Natur. Während der NS Zeit wurde die jüdische Gemeine ausradiert, die Synagoge wurde im April 1945 zerstört. In dieser Zeit gab es den Pfarrer Umfrid, der sich in einer Predigt mit sehr moderaten Worten gegen das Regime stellt. Er wurde dann verfolgt und so nahm sich der Mann ein Jahr nach der Predigt das Leben. Jetzt nachdem alle Alten verstoben sind, kommt es zu einer Rückbesinnung. 

Im Zentrum von Niederstetten informiert der Gedenkpfad mit fünf Stationen über prägende Ereignisse und Personen der Stadtgeschichte. Im Mittelpunkt stehen die Jahre unter nationalsozialistischer Herrschaft, die jüdische Gemeinde der Stadt und der ehemalige Pfarrer Herrmann Umfrid. Der Gedenkpfad informiert über Vergangenes, Bezüge zur Gegenwart werden hergestellt und mögliche Handlungsoptionen für die Zukunft aufgezeigt. Die Besucherinnen sollen anhand der Geschichte etwas Neues über den Menschen und die Motive menschlichen Handelns erfahren.

© Stefanie Umlauft: Station 1 an der Kirche

Aber wie macht man so etwas? Die Gedenkkultur in Deutschland stellt sich in verschieden Blickwinkeln dar. Mal ist es eine opferorientierte Kultur, wo die Gedenkenden eine Verbundenheit mit den Opfern zelebrieren und sich als Täter vergessen, mal ist es sachliches Informieren, mal sind es Worte von Zeitzeugen, mal geht es um effiziente Wissensvermittlung oder die Rekonstruktion der Vergangenheit, mal wird gemahnt, mal wird getadelt, mal erinnert, mal vergessen, mal wird auf die Vergangenheit geschaut. 

© Stefanie Umlauft: Station 2 am alten Rathausplatz

Und immer wieder scheitern diese Denkmaler an der Einseitigkeit. Junge Menschen wenden sich ab, sie fühlen sich belehrt und gemassregelt. Kann die Erinnerungskultur nicht kooperativer, spielerischer oder experimenteller werden?

Eine gute Frage: es steht ein Wandel zu Lernstätten für Persönlichkeitsbildung und Sozialpsychologie bevor. Die nationalsozialistische Geschichte wird dabei nicht ausgeschlossen, sondern in das moderne Ausstellungsdesign eingegliedert. Sie bietet viele Beispielen für Ursachen, Aufkommen und Folgen von antisozialen Verhalten in einem kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Umfeld.

Dieser schweren Materie hat sich Stefanie Umlauft, Studentin der Hochschule der Medien in ihrer Bachelorarbeit gewidmet. Und ein Konzept für einen Gedenkpfad erarbeitet. Dafür wurde die Stadt, der öffentliche Raum, Standort, Grösse, Vandalismus, Wetterbedingungen, Langlebigkeit, Pflege, Kosten und Herstellung berücksichtigt. 

© Stefanie Umlauft: Station 3 am Ort der alten Synagoge

Es entstanden 5 Stationen, eine Art Rundweg oder auch einzeln zu betrachten. Die Stationen widmen sich dem Pfarrer Umfrid, der Ausgrenzungsgesellschaft, der jüdischen Gemeinde, der Zerstörung und dem Wiederaufbau und schlussendlich der Zivilcourage und der Toleranz. Die Stationen sind nicht belehrend, nicht mahnend, nicht heroisierend. Sie sind zu begreifen, sie regen an, machen neugierig. Und dabei sind sie bescheiden, drängen sich nicht auf. Sie sind da. 

© Stefanie Umlauft: Station 4 am Schimmelturmplatz

Das Konzept wurde einige Mal dem Bürgermeister und den Gremien der Stadt vorgestellt. Im Juni 2017 sogar in der Stadthalle interessierten Bürgern. Und es bewährt sich, es wird angenommen und so hofft Frau Umlauft, dass es zu einer Finanzierung und Realisation kommt. Das tun wir auch. 

© Stefanie Umlauft: Station 5 am neuen Rathaus.

Die Stadt Niedersetten hat die Studentin unentwegt unterstützt. Wenn es Fragen gab, dann reichte ein Anruf beim Pfarrer Silzle und in Sekundenschnelle kam die Antwort. Wenn etwas organisatorisches oder logistisches aufkam, ein Anruf beim Pfarrer genügte. Das ging die ganze Zeit so. Der Bürgermeister hat sich auch kräftig eingesetzt, eigentlich alle. Das Gremium und die Bürger. Gibt es eine bessere Voraussetzung für gute Arbeit? 

Die Bilder und Zeichnungen stammen von Stefanie Umlauft und unterliegen ihrem Copyright.