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insights-Monster im Kopf

von Dr. Margarete von Trifft

Was macht ein Erlebnis in einer künstlich erstellten Umgebung zu dem was es ist? Wir sprechen viel vom Erleben. Erlebnisreisen, Erlebnispfade, Erlebnisarchitektur, Erlebnisküche, Erlebnisbad, Erlebnisgeschenk, Erlebnispädagogik… Es scheint, als sei das Erleben eine seltene Beschaffenheit geworden. Es wird in artifiziellen Umgebungen reproduziert, in der Hoffnung, Erleben zu thematisieren.

Sicherlich ist es teils der Virtualität der heutigen Lebensweise geschuldet. Auch wenn der Mensch sich im Alltagsleben durch Wirklichkeiten bewegt, so darf gefragt werden, ob die Aufmerksamkeit diesem oder einem anderen Umfeld gewidmet wird. Diese Wirklichkeit wird durch eine parallele Informationsquelle begleitet. Mobile Medien lassen einen zweiten tragbaren Realitätsraum zu. Er wird nah am Körper getragen und nicht aus den Augen gelassen. Bei Ruhe und scheinbarer Impulslosigkeit, bietet diese Wirklichkeit Reize. In vielen Fällen beschäftigt sich der Mensch dann mit Lesen, Bilder schauen, liken, spielen, Film schauen, Schnappschüsse irgendwo hoch laden, etwas kommentieren, kurz mit Ablenkung von dem Hier und Jetzt. Der Fokus ist in eine Parallelrealität gerichtet und verhindert das Zusammenkommen mit Zufälligkeiten. Eine Abschottung für das Unerwartete.

Ist das der Grund für die fortscheitende Erlebniskultur? Und wenn Erlebnis, dann von was? Erlebnisse, die alltäglich sind, wie Einkaufen, Aufstehen, Spazieren gehen, Gewitter erleben oder Geschenke öffnen? Oder sind Erlebnisse gemeint, die selten hautnah gemacht werden wie Autounfall, Aufenthalt im Gefängnis, Leben in einem Kriegsgebiet, Leben als Homosexueller, Verfolgung, Hunger, Isolation….? Oder ein Beleben von Vergangenem? Wie war es mit Dinosauriern, wie als Jane Austen oder Schafhirt im 15. Jahrhundert? Kann ein schwieriger Sachverhalt in künstlichen und inszenierten Umgebungen zu einem Erlebnis werden?

Studioproduktion Event Media©insights-Monster im Kopf. Impressionen

In der Studioproduktion Event Media an der Hochschule der Medien in Stuttgart wurde das Thema Zwangsstörungen und daraus resultierende Folgekrankheiten behandelt. Es sind unsichtbare Behinderungen, ohne Gips, Krücken, Pflaster, Nähte, Operationen und an der Oberfläche sichtbaren Indizien. Da wird nicht gehustet, es gibt keine Ausschläge oder laufende Nasen. Leidende unterscheiden sich äußerlich nicht von den Gesunden. Dennoch: Leidende mit unsichtbaren Krankheiten werden durch Gedanken, Handlungen und Zwängen abgelenkt und irritiert. Stressmomente arten zu chronischen Krankheiten wie z.B. Migräne, Gürtelrose, Schüttelfrost usw. aus.

Die Studioproduktion Event Media beschränkt sich auf zwei Präzedenzen. Zwangshandlung und Migräne. Zwangshandlungen wie das Abzählen von Autos am Morgen, Hände waschen, Kleidung im Schrank in DinA4 auszulegen, Elemente im rechten Winkel ordnen, Reihenfolgen einhalten ohne Grund, Abläufe schematisieren. Das allein mag nicht hinderlich im Alltag sein, aber wenn der Zwang Ängste, Unsicherheiten und Verwirrung auslöst, dann gewinnt er die Oberhand, drängt Normalität zurück. Dinge werden immer wieder auf ihre Richtigkeit kontrolliert, nachrücken, nach justieren, es lässt den Leidenden nicht los, verhindert ein Fortschreiten. Das Selbstverständliche wird zum Ausnahmezustand. Es führt zu Druck, Stress, Empfinden des Gejagtseins und zu Folgeerkrankungen wie z.B. Migräne.

Migräne will niemand erleben. Der Kopf scheint zu platzen. Die Augen werden durch helle weiße Blitze vom Sehen abgehalten, die Balance funktioniert nicht, plötzlich steht ein Türrahmen im Weg und es reicht nicht um auszuweichen, Tassen fallen aus der Hand, manchmal kommt es zu kurzen Erblindungserscheinungen. Das Hörvermögen wird über beansprucht, alles dröhnt in zehnfacher Lautstärke. Die Ohren, die Augen, selbst das Kauen oder gar Atmen bedeutet erhebliche Schmerzen. Keine Bewegung, keine Impulse, nichts funktioniert, Stillstand, ein kleiner Tod. Es helfen Triptane, Tabletten, oder / und eine isolierte dunkle Zelle weit ab vom Leben.

Wie kann eine solche Krankheit in einem Erlebnisraum vermittelt werden? Wie kann der unbedarfte Zuschauer sich einer solchen Situation nähern?

In der Produktion „insights – Monster im Kopf“ wird ein Versuch unternommen, die sakrale Einheit des Menschen beim Auseinanderbrechen, nachvollziehbar zu machen. Ein verwirrendes  Raumgefüge ist die Grundlage dieser Installation. Dabei beginnt alles so einfach und überschaubar, ja harmlos. Ein geordneter Raum wird betreten. Viel gibt es nicht zu begreifen, ein Schlüsselboard, ein Tassen-, ein Schubladenschrank. An der Seite Kleidung- und Schuhsäcke, sehr aufgeräumt, sauber, geordnet. Eine Stimme kommt von irgendwo her, es ist die Stimme des Inneren, eine Stimme als introspektives Selbstgespräch. Oder gilt die Stimme auch dem Besucher? Muss gehört und verstanden werden was gesagt wird? Wer wird gemeint? Wer wird angesprochen? Vielleicht ist sie ein wenig zu schrill, denn so weit sind die Besucher im Eintauchen noch nicht voran gekommen. Wäre eine leisere Stimme mit Nachdruck als Beginn wirkungsvoller?

Studioproduktion Event Media©insights-Monster im Kopf. Raum der Ordnung. Aufgabe: Kontrolliere die Reihenfolge der Schlüssel.

„Ist der Schlüssel in der richtigen Reihenfolge?“ Kennen wir die Reihenfolge? Ist sie wichtig, warum sollte etwas in dieser Art von Belang sein? Der Besucher wird von der inneren Stimme angeleitet, sich einer fremden Perfektion,  einer unbedingten Notwendigkeit, einer nicht erkennbaren Ordnung anzugleichen. Das fällt schwer, denn die verlangte Ordnung ist unverständlich. Hier läuft etwas schief. Je uneinsichtiger die Umgebung wird, desto mehr begreift der Rezipient, dass eine Unterordnung notwendig ist. Wer die Stimme nicht als seine eigene begreift, bleibt stecken, kommt nicht weiter.  Dann gelingt der Schritt zur nächsten Station nicht.

Studioproduktion Event Media©insights-Monster im Kopf. Raum der Ordnung. Aufgabe: Bringe die Tassen in die korrekte Stellung und Ausrichtung.

Ein Regal. Dort gilt es erst eine, dann drei Tassen in die exakte Reihenfolge, Positionierung zu setzen. Nicht hochnehmen, nicht wegstellen, nur drehen. Jetzt ist die Stimme zur eigenen geworden. Sie weist keine Befremdlichkeit auf. Ein Verschmelzen findet statt.

„Öffne die nächste Station“. Ein Schubladenschrank. Alle drei Laden werden hintereinander geöffnet und geschlossen. Die Dinge sind wunderbar geordnet an ihrem vorgesehen Platz. Ausgerichtet zur vertikalen Schubladenseite und im rechten Winkel zu anderen Objekten.

Studioproduktion Event Media©insights-Monster im Kopf. Raum der Ordnung

Es gibt nur diese eine Ordnung. Wenn Etwas durcheinander kommt, dann geht nichts mehr. Der Besucher will der inneren Stimme entfliehen, handelt wie aufgetragen.  Erst dann verlässt er das Zimmer, oder die Wohnung. Es wird hell, er tritt heraus auf Straße. Eine normale Szene. Die Wohnstraße mit parkenden Autos, vereinzelten Bäumen und einem vorbei fahrenden Transporter. Aber nichts ist normal. Blitze ziehen durch das Bild. Bildebenen verzerren sich, werden kurzfristig unsichtbar. So hell das Licht, es schmerzt, es ist gleißend. Sieht so Migräne aus? Dies ist kein Ort zum Verweilen, der Besucher sucht einen Ausgang, durchschreitet eine Tür und befindet sich im Raum der Ordnung (so bezeichnet von der Autorin). Gerade noch befreit und schon wieder gefangen.

Fotografie Ursula Drees©insights-Monster im Kopf. Straßenszene

Die Perspektive hat sich geändert. Alles geht von vorne los. Die Störung, die innere Stimme zwingt die Gäste, die Handlung zu wiederholen, zu kontrollieren, ob beim ersten Durchgang alles richtig war. Alles zu öffnen und zu schließen. Es wird dringlicher, sogar drohend und verzweifelt. Der Schlüssel als Metapher, ist er da, findet er den ihm angestammten Platz, hat er eine Funktion, kann er etwas öffnen? Der Tassenschrank? Die Schubladen, das Schubladendenken. 

Erneut befreit sich der Besucher, und wird auf die Straße gespült. Dort werden die Blitze, die Auslassungen, die Veränderungen im Sichtfeld intensiver und gefährlicher. Eine fremde Innerlichkeit taucht aus den Tiefen hervor, wird an die Oberfläche geschwemmt. Und diese Oberfläche ist fremd. Abweichungen und Unsicherheiten verändern das Bild. Der Besucher betritt ein verwirrendes Spiel von fast gleichen Räumen und Situationen, verliert sich in Details. Auf subtile Art wird der Rezipient in die Welt eines zwangsgestörten Geistes beordert. Unsichtbare Krankheiten finden einen erlebbaren Raum. Die Monster im Kopf schreien an der Oberfläche nach Aufmerksamkeit, überschatten alles andere. Eine gelungene Installation: „insights – Monster im Kopf“.

Fotografie Ursula Drees©insights-Monster im Kopf. Straßenszene

Und wer die Fotografien betrachtet hier im blog, begreift während des Lesens, dass diese Abbildungen das Erlebnis nicht wiedergeben. Bei dieser Installation geht es darum, die Dinge zu fühlen, eigenständig zu handeln, dabei zu sein. Anwesende werden angeleitet, wie betroffene Kranke zu verfahren. 

Ein hoher Grad an Interaktivität bestimmt das Entschlüsseln. Objekte werden berührt, gezogen, gedreht, geschoben, geöffnet und verschlossen. Die innere Stimme ist gleichermaßen Erzählung wie auch Feedback. Die Beleuchtung setzt das Stimmungsbild, Führungslichter helfen beim Verstehen und dienen als Wegeleitsystem. Effektlichter, Farben, Sprache, Geräuschteppiche verdichten. Gäste werden zu Durchreisenden eines unbekannten Phänomens. Sie tauchen in eine andere Wirklichkeit ein und schließen den Besuch unversehrt ab. 

Die Gäste bewegen sich schrittweise aus ihrer Welt in eine andere, ein Gefühl und Erleben wird nicht aufgezwängt, sondern angeboten. Dieser Offerte geben die Anwesenden gerne nach. Und ganz zum Schluss werden die Eingeladenen in den Regieraum geleitet. Hier wird der Grad der Vernetzung und Verschaltung präsentiert. Die technischen Medien stellen sich als differenziertes Spiel von Monitoren, Schaltern, Kabeln, Impulsen und Controllern dar. Ein eigenes Gehirn, so scheint es, ist dieser Bereich und der Gast begreift die artifiziell hergestellte Erlebnisumgebung, hier ist die Kontrollzentrale. 

Fotografie Ursula Drees©insights-Monster im Kopf. Kontrollraum

Leider wird der Semesterabschluss auf der MediaNight an nur einem Tag der Öffentlichkeit präsentiert. Danach werden die Türen geschlossen und der Rückbau beginnt. So auch bei dieser Produktion, die vielleicht eindrücklichste und aufwändigste von allen. Denn die Medien in ihrer interaktiven Vernetzung im begehbaren architektonischen Raum verlassen die Leinwand. Der Betrachter schreitet durch diese Inszenierung und bestimmt sein Erlebnistempo. Manche verweilen länger, andere wiederum nicht. Diese von den Studierenden angebotene Narration will verstanden werden. Das Thema betrifft jeden, es ist allgegenwärtig, aber tabuisiert. Abweichungen des Normalen in der Psyche zu beschreiben und zu beleben, bedeutet mit Wissen und Sensibilität vorzugehen. Die Besucher wollen nicht bedrängt, erschreckt oder verstört werden, sie wollen verstehen und dafür braucht es den Wunsch und die Offenheit anwesend zu sein. Wer als Gestalter brachial vorgeht, wird das Gegenteil erzeugen. Hier jedoch funktioniert alles. Eine wahrhaft gelungene Komposition und Inszenierung.

Fotografie Ursula Drees©insights-Monster im Kopf. Kontrollraum

Eine Rezension hilft das Erlebnis nahe zu bringen, aber die tatsächliche Inszenierung wird in Worten nicht erreicht. Vielleicht unterstützt die Verschriftlichung eines Ereignisses das Niveau der Arbeiten zu beschreiben und ein Kommen zur nächsten Medianight zu unterstützen. Lohnenswert wurde der Aufenthalt an dieser Veranstaltung empfunden und überstrahlt mit ihrer Qualität die ein oder andere künstlerische Aktivität, die in Galerien, Pop Up Stores oder Zwischennutzungen gezeigt werden.

Margarete von Trifft

Zur Autorin:

Dr. Margarete von Trifft studierte Soziologie und Kunstgeschichte, später freie Kunst. Sie promovierte in den Bildwissenschaften. Es ging um die Virtualität der bildlichen Ausdrucksformen, des flüchtigen Bildes. Dr. Margarete von Trifft lebt sowohl in Baltimore, als auch in Berlin. Professor Ursula Drees lud sie ein, auf der MediaNight der Hochschule der Medien den Erlebnisraum „insights-Monster im Kopf“ der Studioproduktion EventMedia für den MediaArtBlog plusinsight zu beschreiben und zu kommentieren.

Museo Atlantico Teil 4: zwei Skulpturen von Jason deCaires -Taylor

Ein 5 minütiger Film, der sich durch Nahaufnahmen den Skulpturen als lebende Mahnmale nähert. Das Werk wurde am 5. Juli 2015 veröffentlicht und zeigt nicht nur Installationen im Museo Atlantico, sondern auch in Grenada, Bahamas und Mexico. Die Bilder wurden mit einer 7D und Sigma Lenses aufgenommen. Es wurde durch Jason deCiares Taylor publiziert.

Jason DeCiares – Taylor’s Skulpturen halten einen Spiegel vor. Er zeigt die Gesellschaft, wie sie ist: in nazistischen Posen und vollständiger Abwesenheit des Bewusstseins. Der Betrachter weiß gar nicht was zuerst gesehen werden soll: die anbahnende Umweltkatastrophe, menschliche Beschränktheit und Selbstverliebtheit, die skulpturale Ausdrucksstärke, die Umgebung. Die Underwater Museen befinden sich an wenig interessanten Stellen im Meer. Der Meeresboden ist dort verkastet, Sand, Wasser, keine Pflanzen, Fische oder andere Meerestiere. Die Skulpturen ziehen die Taucher und Schnorchelgäste weg von den natürlichen Riffen hin zu seinen Figuren. Sie ziehen nicht nur den Menschen an, auf und an den Skulpturen findet sich neues Korallenwachstum.

“But you’ll get coral spawning; it lands on his nose, anchors and starts growing. It’s a bit like our own lives – part of it is what flows in your direction, what nutrients come your way, and part of it is random experience.”[2]

Die Skulpturen in der Fondamente Zittere

Photographie©Jason deCaires Taylor / CACT Lanzarote

In der Fondamente Zittere in Venedig werden zwei Skulpturen gezeigt. Es ist eine Dokumentation: Material, Herstellungsvorgang und Form werden für den Besucher vorstellbar. Die Skulpturen werden aus pH-neutralem Wasserzement- oder Beton gegossen, sind schneeweiß, bieten Unterwasserlebewesen bereits Nischen und Verstecke als Behausung an.

Ein Kind, ob Mädchen oder Junge spielt keine Rolle, hockt mit Armen über den Knien aufgelehnt auf einem mit allerlei kantigen Gegenständen bedeckten Boden. Genau lässt sich nicht sagen, was diese Dinge sein sollen. Es können sowohl Scherben, Holzblocke, Schutt oder alles davon sein. Die andere Skulptur zeigt ein Mädchen mit Schwimmflügeln und Schwimmbrille. Zöpfchen an den Seiten, mit Badehose und Flipflops. Auch sie sitzt auf allen möglichen Gegenständen und jetzt langsam formt sich das Bild. Denn der Sockel wurde anfangs ganz übersehen, er spielt eine Rolle. Es ist vielleicht ein Startblock, aber nein, dazu passen die Gegenstände nicht. Es ist ein Teil eines Landvorsprungs, ein natürlicher Startblock. Es ist ein Modul einer größeren Installation. Die Blöcke werden auf dem Meeresboden aneinander gestellt und zu einem Kreis geformt. Letztendlich bilden die Module einen Kreis mit am Landvorsprung sitzenden Kindern.

Photographie©Jason deCaires Taylor / CACT Lanzarote

Ägypten, Lanzarote, vielleicht sogar Mexico in Cancun, das Australische Great Barrier Reef oder die kleinen oder großen Antillen werden vom Massentourismus im großen Stil erschlossen. Diese Urlaubsreisen sind nicht mehr den oberen 10.000 vorbehalten? Es wird ein Boot gechartert, und in abgelegenen Gegenden wird an Riffen entlang getaucht oder geschnorchelt. Im Roten Meer bei Hughada oder Sharm el Sheikh zum Beispiel entstanden in den letzten Jahrzehnten Hotelstädte, die für den Mittelstand ausgelegt wurden. Dank Easy Jet und anderen Billigfliegern ist es ein Leichtes dort hin zu kommen und ein oder zwei Wochen am Pool oder Meer die Zeit verstreichen zu lassen. Dort kauft man sich Schnorchel und Taucherschlappen, bucht vielleicht eine Bootstour zu schönen Korallen Riffen und genießt die Unterwasserwelt. Die Motorboote ankerten noch vor 10 Jahren direkt am Riff, das ist mittlerweile verboten, oder sie gehen auf Schleppanker. Dort springen die Badenixen ins Waser und paddeln durch die Unterwasserwelt. Heute ist es verboten, die Korallen zu berühren, oder etwas abzubrechen, aber noch vor 20 oder 30 Jahren war das problemlos möglich. Und da wo Touristen sind, da ist auch Müll. Plastiktüten, -Flaschen –Deckel, Dosen usw. mäandern in den bereits abgestorbenen Küstenregionen neben Seegurken auf dem Meeresboden. Da gibt es nichts zu entdecken. In einigen Gegenden treten immer noch die reichen Touristen aus Oligarchenländern oder Staaten, die nichts von Umweltschutz halten, auf Korallenriffe, rauchen ihre Zigaretten und werfen die Stummel ins Wasser.

Photographie©Jason deCaires Taylor / CACT Lanzarote

Was nur geschieht im großen Stil: Wasserverschmutzung durch Industrien, wenn Mineralöle oder Pflanzenschutzmittel, andere Giftstoffe konstant in Wasser abgeführt werden? Der Mensch zerstört systematisch seinen Lebensraum. Der Künstler Jason DeCiares – Taylor adressiert das Vorgehen. Seine Skulpturengruppen zeigen Boatpeople im Schlauchboot auf dem Meeresboden gestrandet, Menschen mit Fotoapparat, die auf alles halten, Menschen mit Handies, die das Drum gar nicht sehen nur noch den Bildschirm, Menschen in Gruppen, die irgendwo hin gehen, nach unten, oben und nach vorne schauen, aber nicht inne halten, Selfie schießende Paare, selbstverliebte Gruppen, die einen Partner umarmen und die davor liegenden Nackten nicht sehen.

[1]Mit der Erwärmung des Meereswassers sondern Korallen spezielle Algen (Zooxanthellae), die in ihrem Gewebe leben ab, die Koralle wird weiß. Dieser Prozess wird Korallenbleiche, Coral Bleaching genannt. Es ist eine Auswirkung des, durch die globale Erderwärmung hervorgerufenen Anstiegs der Temperaturen des Meerwassers. Diese gebleichten Korallen leben noch einige Zeit weiter. Dennoch ist ihr Todesurteil unterschrieben, denn die Algen versorgen die Korallen mit Sauerstoff und Energie. Wird dieses symbiotische Zusammenleben von Alge und Koralle unterbrochen, stirbt die Koralle. Die Korallenbleiche ist ein Anzeigen für den Zusammenbruch der Symbiose. Seit 1980 wird ein weltweites Absterben der Korallenriffe festgestellt.

Meistens betrachtet der Mensch das Meer vom Land aus, schaut auf die Wasseroberfläche und zum Horizont, beobachtet die, in das Wasser eintauchende Sonne. Unter der Wasseroberfläche verändert sich die Lebensperspektive. Wer dort ist, erlebt Schwerlosigkeit, er schaut nach oben in die Helligkeit. Die Welt wird umgedreht. Die Skulpturen Parks erlangen den Status eines Museens, eines Unterwasser Museums eben, sie sind damit Teil eines Kulturellen Ausdrucks. In Granada wurde seine erste große Unterwasserinstallation 2006 versenkt und zu einem geschützten Meerespark ernannt. Sie wird vom National Geographic zu den 25 Weltwundern gezählt. Mal abgesehen davon, dass Fischer auch zu Museumswärtern werden. Sie bringen Touristen zum Museum und achten auf die Erhaltung der neuen Landschaft. Die zusätzliche Geldquelle gibt  ein Gefühl von Verantwortung und von Besitz. Land Art, Arterhaltung, ökologisches Gleichgewicht herstellend, selbstreflektierend. Wie gerne wäre die Autorin Taucherin.

Ursula Drees

Anmerkungen

Susan Smillie schreibt für den theguardian.com und für G2. Ihre Berichte sind in den Kategorien Reise Kunst, und Essen angesiedelt. Ihr Buch „The Last Sea Nomads, Inside the Disappearing World of the Moken“ wurde bei Guardian Shorts verlegt.

Das CACT (los Centros de Arte, Cultura y Turismo del Cabildo de Lanzarote) stellt ein Netzwerk verschiedenster Museen zum Schutz der natürlichen Umwelt und der besonderen Landschaft der Kanaren dar. Das Kunst-, Kultur- und Tourismus Zentrum ist ein lokales öffentliches Unternehmen. Sie verantworten einen unübersehbaren Anteil der wachsenden Wirtschaft der Kanaren dar. Es geht um die Verbreitung und Vermittlung einer nachhaltigen und erhaltenden Entwicklung zum Schutz des durch die durch die UNESCO ernannten einzigartigen Biosphären Reservats.  Das Museo Atlantico fungiert als artifizielles Riff zur Verbesserung und Aufbau der Flora und Fauna des Meeresraumes. Das Museum befindet sich in 12 Meter Tiefe südlich von Lanazarote, den Bahía de Las Colordas. Mit 2.5000 qm avanciert es zur Haupt Attraktion für Taucher und Schnorchler.

ein 3.04 minütlicher Film, durch das Museo Atlantico am 6. Mai 2017 veröffentlicht. Der Film beginnt mit Schwarz WEiss Aufnahmen, illumieniert die Skulputen in der Nacht und endet mit farbigen Eindrücken der Installationen..

https://youtu.be/oip5M3IJ4bI

ein  6.36 minütiger Film  von Jason deCaires Taylor und Mario AC Navarro über das MUSA (Museo Subacuatico de Arte) mit Skulpturen aus CanCus / Isla Mujeres, Mexiko und Grendada, West Indies. Das Werk heißt „Silent Evolution“. Neben der Dokumentation werden Making off Szenen zum Herstellungsprozess eingebunden.

[1] http://bildungsserver.hamburg.de/natuerliche-oekosysteme-nav/3611198/korallenriffe/ am 28.10.2017 „Tropische Korallen leben in Symbiose mit einzelligen Algen, den Zooxanthellen, die auf den Skeletten wachsen und so den Eindruck verleihen, es handle sich insgesamt um Pflanzen. Diese Symbiose kommt beiden Seiten zugute: Die Korallen beziehen durch die Algen Sauerstoff und Energie, die Algen von den Korallen Kohlendioxid, Stickstoff- und Phosphatverbindungen. Korallenriffe sind geologisch gesehen sehr alt und wachsen nur langsam.“ 

[2]Susan Smillie (2016): „Drowned world: welcome to Europe’s first undersea sculpture museum”, The Guardian, UK https://www.theguardian.com/artanddesign/2016/feb/02/drowned-world-europe-first-undersea-sculpture-museum-lanzarote-jason-decaires-taylor am 23.11.2017

Museo Atlantico Teil 3: „Bleached“ von Jason deCaires -Taylor

 

Vier Photographien – Portraits: es sind Nachtaufnahmen mit Blitz, der Hintergrund ist schwarz, die Kontraste scharf. Zwei Abbildungen sind Detailaufnahmen der Skulptur „The Raft of Lampedusa“, eine stellt ein Detail aus „Crossing the Rubincon“ dar und die Vierte ist eine Teilaufnahme aus einer in Mexico befindlichen Gruppe mit dem Titel „The Silent Evolution“.

Abb. 01: Crossing the Rubicon, (Detail), Lanzarote, Spain.  Image © Jason DeCiares – Taylor /CACT Lanzarote

Dieses Bild wurde von einer auf der Biennale in Venedig ausgestellten Fotografie mit dem Handy gemacht. In diesem Blog wird es nur deshalb verwendet, weil kein anderes vergleichbares vom Museo Atlantico gestellt werden konnte und der Künstler auf Reisen war und nicht erreichbar. Dennoch erscheint uns diese Aufnahme trotz der Reflektieren aussagestark. Die Hell und Dunkelkontraste machen das Bild lebendig, der Blick wird auf das Gesicht gelenkt . Die Aufnahme geht nah an das Motiv und die kleinsten Schalentiere und Muscheln lassen sich wunderbar erkennen.

Was hat das Meer mit dem Antlitz gemacht?  Das Gesicht mit geschlossenen Augen, Nasenrücken und Glatze. Der Körper leicht vorgebeugt und unbekleidet. Ist es Mädchen oder ein Junge? Der Blick scheinbar nach Innen gerichtet, ganz für sich, meditierend. Auf der Oberfläche haben sich feine, grüne Algen auf dem Kopf, zwischen Augen und Nasenrücken niedergelassen. So auch auf der Brust und den Schultern. Eine Art Bewuchs von Seepocken (kleine muschelartige Lebewesen) oder Ablagerungen, weiß, als sei Kopf und Körper mit kleinen Würmern befallen ist erkennbar. Sie liegen auf den Augenlidern, den Lippen im Nasenloch. Eine Invasion von Wasserwesen nimmt die Skulptur, den Körper ein.


Abb. 02: Crossing the Rubicon, (Detail), Lanzarote, Spain.  Image © Jason DeCiares – Taylor /CACT Lanzarote
Diese Fotografie wurde vom Museo Atlantico geschickt. aber es handelt sich hier nicht um eine Nachtfotografie, die Farben entwickeln einen lebendigen und saturierten Eindruck. 

Die Aufnahmen versprühen eine eigenartig anziehende und gleichzeitig abschreckende Wirkung. Wie nur sehen diese Skulpturen in den Fotografien aus? Ein Bärtiger wird gezeigt. Ist es Krieger oder Gott der Antike? Die große Nase, wulstige Augenbrauen, der Backen – und Oberlippenbart weisen aus dem Bild, die Aufnahme ist rückgewandt. Die Skulptur scheint zurück zu schauen. Stirn und Kopf sind ohne merklichen Bewuchs oder Befall, im Nacken grüne Algen, sie sehen wir Haare aus. Die Vermutung drängt sich auf, dass diese Skulptur bekleidet zu sein scheint. Verschieden farbige Meeresbewohner bilden eine zweite Oberfläche, werden zu Kleidung. In gleißendem Rot strahlt eine Koralle, dort wo der Bart, die Lippen, das Kinn sind, weiß die Nase, gerade noch die Augenhöhlen und der obere Kopf, Teile der Schultern, der Brust. andere Bereiche, wie der Hinterkopf oder die Schläfen sind bewachsen. Und auf der Brust ein stacheliger Seeigel. Er sitzt hoch auf dem Brustbein. Ist es eine Anlehnung an den [1]„Kopf des blinden Homers“ oder eine Fiktion an einen blinden Seher? Wer wird abgebildet?


Abb. 03: The Silent Evolution, (Detail), Mexiko Image © Jason DeCiares – Taylor /CACT Lanzarote


Abb. 04: The Silent Evolution, (Detail), ;Mexico. Image © Jason DeCiares – Taylor/CACT Lanzarote

Die Photographien strahlen eine eigenartige Faszination für diese Unterwasser Skulpturen aus. Fragen kommen auf. Welche Person soll das sein? Sind es Heroen, mythische Personen, Zitate an die römische oder griechische Antike, an die italienische Renaissance oder sind es Bildnisplastiken vom Menschen unserer Ära? Das lässt sich nicht sagen, aber Assoziationen dieser Art klingen bei der Betrachtung an. Die Übernahme der Natur durch Muschel und Schalentiere, durch Algen und Korallen fesselt die Vorstellung. Ist es eine feindliche Übernahme oder eine freundliche? Stehen sie als Mahnmal dort unten, verborgen für die Augen der Menschen? Bilden sie einen Lebensraum für die durch Menschenhand bedrohten Ozeane?  Werden die Plastiken durch die Ablagerungen zu unkenntlichen Formen? Erobern Meeresbewohner Raum zurück? Wird die menschliche Abbildung und Einmaligkeit verdeckt, werden Ecken und Kanten unscharf und schwammig? Sollen diese Skulpturen im Laufe der Jahre nicht mehr erkennbar sein? Oder werden sie aus toter Starre zu lebenden Abbildern, sollen sie wachsen, sollen sie zu Unterwasserlebewesen werden? Soll erst die Tiefe des Ozeans Leben einhauchen?

Sie kommen als tote Abbilder aus der Überwasserzivilisation und beginnen erneut in der Tiefe zu leben. Im Laufe der Jahre werden sie von Schalentieren und Korallen, von Algen und anderen Ablagerungen eingenommen. Alles Eckige  verschwimmt, geht ineinander über, wird sukzessive übernommen und integriert. Die Gesichter schmilzen, Brustkörbe, mit Krabben übersät, Seeigel bewegen sich langsam an Nacken und Hälsen in das Gesicht, Blasenalgen hängen sich an Schultern oder anderen Gliedmaßen. Die Tiere und Lebewesen formen Taylor’s Skulpturen nach, und hauchen ihnen ein anderes Leben ein. Die Skulpturen werden zu weichen Abstraktionen der Menschen.

Susan Smillie schreibt für den Britischen Guardian, taucht, kennt den Künstler, berichtet in regelmäßigen Abständen über ihn.  Sie besucht die Arbeit The Silent Evolution zwei Jahre nach dem Versenken ein zweites Mal und berichtet von roten Schwämmen, die das Gesicht bedecken und den Anschein von Narbengewebe machen. Es erscheint ihr als wären Gesichtsausdrucke sanfter; Nase, Lippen und Augen stechen hervor. Die Farbe ist strahlend und wirkt belebt. Eine violette Koralle hat sich unter einem Kinn angesiedelt, einige Hummer entdeckt sie am Fuß einer Skulptur. „Dies sind gute Zeichen für die Wiederbelebung eines Korallen Riffs“, schreibt sie.[2]

[1] Homer, Epimenides-Typus. München, Glyptothek

[2] https://www.theguardian.com/artanddesign/2016/feb/02/drowned-world-europe-first-undersea-sculpture-museum-lanzarote-jason-decaires-taylor

AI DJ Project – A dialog between human and AI through music von Nao Tokui und Shoya Dozono (JO)

 

 

Bei diesem Werk arbeitet eine Artifizielle Intelligenz und ein Mensch unter gleichen Bedingungen zusammen. Beide legen Platten auf, sie sind DJs. Zumindest werden die Bedingungen so gut wie möglich aneinander angeglichen. Denn die artifizielle Intelligenz verwendet den gleichen Plattenspieler und hat sogar eine physische Hand, die diesen Plattenspielertyp bedient. Und so macht es auch der Mensch.

Photo by Yasuhiro Tani, Courtesy of Yamaguchi Center for Arts and Media [YCAM]

Das System hört den unterschiedlichen Tracks des Menschen DJ  zu und ermittelt den Beat, Rhythmus und Art der Musik. Nachdem der Mensch aufgelegt hat, beginnt das artifizielle Intelligenzsystem den nächsten Track aufzulegen. Es fixiert das Tempo des nächsten Tracks und gleicht es dem des menschlichen DJ Tracks an. Es geht dem VR DJ darum, dass beide Tracks einen guten Übergang finden und die Rotationsgeschwindigkeit des Plattenspielers ähnlich ist. Hier kommt der Roboter – Finger zum Tragen, denn er manipuliert durch Berühren der Vinylplatte die Geschwindigkeit der Drehung. Es wird Musik ausgesucht, der Beat wird nahtlos dem neuen Track angepasst,  es wird verglichen und abgeglichen. Als weiteres Feature, wird die Tanzmenge, die vor den DJs steht,  analysiert.

Denn ein guter DJ liest sein Publikum, er schaut auf ihre Vorlieben,  ermittelt was funktioniert und nicht. Er kommuniziert, schaut Tanzenden in die Augen, lacht, tanzt; er fordert sie zum mitgehen auf. Ein schlechter DJ macht das nicht, der schaut auf sein Mischpult und zieht das vorher geübte durch und ab. Er geht nicht auf die Menge ein. Und dann kann es für den Partygänger zu einer wenig stimmungsvollen Nacht kommen.

Photo von MvT

Dieses System, der AI DJ betrachtet die Menge. Eine Kamera nimmt die Daten auf, analysiert sie und gibt den Datensatz, nach einer Bewertung weiter. Auf dieser Basis sucht der AI DJ Tracks, die eine ähnliche Stimmung erzeugen. Das verfolgt die AI so lange, bis die Bewegung der Tanzenden schwächer wird. Dann werden verschiedene Musikstücke ausprobiert und getestet, ob das Publikum weiterhin gelangweilt ist oder wieder mitgroovt.

Der Mensch DJ erlebt sicherlich die ein oder andere Überraschung, wenn der AI DJ ungeahnte Tracks selektiert. Das kann Spaß machen, kann zu Verwirrung gleichermaßen führen. Ebenso hofft der Mensch DJ sicherlich auch, dass der AI DJ seine Ansprüche und Anforderungen erfüllt.  So ein System birgt Ungeahntes in sich.

Photo von MvT

Es ist eine herausragende Arbeit, die eine Kommunikation mit den Menschen und einem artifiziellen Intelligenzsystem ermöglicht. Die Autorin fragt sich, ob dieses System nicht eine Berufsgruppe in Bälde in Pension schickt. Denn der AI DJ kann mehr oder minder all das was auch ein Mensch DJ macht. Vielleicht reicht es, einem AI DJ eine Auswahl an Stücken zu geben und dann geht es los?

Vielleicht aber reagiert ein Mensch besser auf Stimmungsschwankungen im Publikum?

 

Photo von MvT

Aber es kann natürlich ohne weiteres passieren, dass die artifizielle Intelligenz coolere Musik auflegt. Momentan greift das System noch auf 350 vorselektierte Tracks zurück. Aber das könnte sich auch ändern. Wir wissen das nicht. Dieses Projekt in jedem Fall, fasziniert durch Technik und Intelligenz, durch Mensch-Maschine Zusammenarbeit und Funkyness.

Prämiert auf der Ars Electronica mit einer Anerkennung. Hintergrundinformationen gibt es hier. Dieser Beitrag wurde im ÖK, anlässlich der Ars Electronica in Linz gesehen.

Beitrag von Margarete von Trifft.

+b (orbit) von Michael Saup, Andrea Winter und Andreas Erhart (DE)

dynamic maximum tension“ bedeutet in Deutsch: „dynamische maximale Spannung“. Der Begriff geht auf Buckminster Fuller zurück, er verwendete ihn seit den 1930iger Jahren für verschiedene Erfindungen wie die Dymaxion Weltkarte, -Auto und -Haus.

Die Dymayion Weltkarte stellt die Projektion einer Weltkarte auf ein Polyeder, dessen Oberfläche durch Auffaltung auf unterschiedliche Weise als eine zweidimensionale Weltkarte dargestellt wird, dar.  Bei dieser Art der Weltkartenrepräsentation zeigt sich das alle Kontinente im aufgeklappten Zustand als zusammengehörige Landabschnitte abgebildet werden. Wenn die Karte jedoch als Kugel aufgefaltet wird, ergeben die Abstände der Kontinente zueinander das von den Mercator Darstellungen bekannte Bild.

Das Kunstprojekt +b (ORBIT) zeigt Buckminster Fuller’s Dymaxion Karte, flach ausgelegt, gebaut aus Zuckerstückchen. Sie werden mit einer Aufprojektion bespielt, die alle Atomaren Explosionen seit 1945 zeigt. Die Zuckerstücke sind als 3 Dimensionale Pixel auf der flachen Karte angelegt.

Michael Saup, Andrea Winter und Andreas Erhart (DE) haben Zuckerwürfel als Symbol für Energie gewählt. Zucker wird als Nahrungsmittel verwendet und in Form von Ethanol für Maschinen als Treibstoff eingesetzt. In Zeiten des Krieges ist Zucker in der Regel eines der Lebensmittel, das rationalisiert wird. Die Zuckerfläche bildet eine 3 Dimensionale Karte der Buckminsterfullerschen Dymayion Weltkarte.

Photografien©MvT

An den Kanten werden die jeweiligen Eckdaten der Explosionen abgebildet. Die Koordinaten und das Datum der Explosion. Anfangs erkennt der Besucher die Weltkarte in Zucker in einem großen, dunklen, leeren Raum. Sie ist ca. 40 cm vom Boden auf einer Fläche ausgelegt. Mit der näheren Betrachtung kommt die Neuanordnung der Kontinente auf der Fläche zu Bewusstsein. Die Zuordnung de Kontinente fällt schwer. Wo liegt Europa, Afrika, Amerika, Russland, Indien, Australien, China. Ganz zu schweigen von Ländern, alles erscheint verschoben und eng aneinander gepresst. Diese Kartendarstellung der Erde erscheint neu.

Photografien©MvT

Mit der Erkenntnis dass alle Kontinente zusammengehörig sind, dass sie durch keinen Ozean auf dieser Abbildungsfläche getrennt sind, werden die Lichtwellen bedeutsam. Auch hier dauert es einige Zeit bis die Wahrnehmung eine Zuordnung zu Explosionen macht, dass es Atomare sind oder sein könnten, wird bei einer noch intensiveren Auseinandersetzung möglich, den die Datumsanzeigen stimmen mit den Erinnerungen zu den ersten Atombombenabwürfen überein. Später werden diese Vermutungen durch Nachlesen bestätigt und das Projektionserlebnis bekommt einen tiefen Sinn. Gesehen auf der Ars Electronica 2018 in der PostCity.

Beitrag von Margarete von Trifft (MvT)

Das Projekt wurde co-produiert von der Trans-Media-Akademie Hellerau e.V.