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„Faust“ von Anne Imhof, auf der Biennale Venedig 2017, der Deutsche Pavillon.

Dieser Beitrag behandelt die Installation, Performance, Kunst von Anne Imhof im Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig 2017.

Die Künstlerin

[1]Anne Imhof wurde 1978 in Gießen geboren, studierte in der Hochschule für Gestaltung in Offenbach Fotografie[2]und graduierte 2012 an der Städelschule in Frankfurt am Main. Sie malt, zeichnet, nimmt die Videokamera zur Hand und macht Musik. Installationen, Performances charakterisieren ihr Werk. 2013 erhielt sie ein Atelierstipendium der hessischen Kulturstiftung in Paris, 2015 den Preis der Nationalgalerie, 2016 lehrte sie als Gastprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste München. Ihre Arbeiten wie die Oper „Angst“ wurden in Basel, Berlin, Montreal gezeigt. Performances wie „The School of the Seven Bells“, „Aqua Leo“, „Rage“, „Deal“ wurden u.a. in Einzelausstellungen im MOMA PS1, dem Carré d’Art – Musée d’art contemporain de Nîmes (2014) und in New Jersey, Basel und dem Portikus, Frankfurt am Main (2013) aufgeführt.

Abb.: 01 Eliza Douglas and Franziska Aigner in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Faust
aufgeführt anlässlich der Biennale 2017 in Venedig im Deutschen Pavillon

In den Pavillon geht es über den Seiteneingang und dort korrigieren Türsteher des [3]Offenbacher Technoclubs Robert Johnson akribisch die Menge. Wohlbemerkt Seiteneingang, das mutet kurios an, ein wenig verwirrend. Und dann wird der Besucher auch noch von dem Nightclubpersonal energisch herum geordnet. So schnell kann Macht ausgeübt werden. Eine Panzerglasplatte versperrt einen Teil des Portikus des Deutschen Pavillons, den Eingang zur Halle. Und dort wo der Besucher nicht hineinkommt, sind links und rechts mit Glas und Gittern von den Menschen getrennt, Hundezwinger hochgezogen. Einige Dobermänner laufen hin und her, manchmal spielen sie mit einem Bällchen oder sie nähern sich den Stäben, davor stehen Besucher. Es sind bewundernswerte Hunde, schön und elegant in der Form, schlank und schmal, schwarz und braun in der Fellfärbung, natürlich zeigen die Passanten Respekt und schrecken für einen winzigen Moment vor ihnen zurück. Der Dobermann wird als scharfer Wachhund mit Killerinstinkt in Filmen wie „Der Hund von Blackwood Castle“, „Eyes of an Angle“, „Dobermann“ als Gangster, „True Lies“[4]als kaltes Biest gezeigt. In Brandenburg steht die Rasse auf der Liste der gefährlichen Hunderassen (aber nur in diesem einen Bundesland). Es weckt Assoziationen. Wer kontrolliert die Hunde? Wo sind die Halter? Gibt es die sichere Machtverteilung Herr und Hund, Hund und Gefährte, Freund? Besteht die alte Ordnung der Unterwerfung der Natur und ihrer Kreaturen oder sind die Hunde gleichberechtigter Teil des gezeigten Kunstkosmos? Haben sie noch ihre Aufgabe des Schützens und Verteidigens? Sollte dies bejaht werden, wer oder was wird geschützt oder verteidigt? Sind es die Menschen im Innenraum? Ist es das Gebäude des deutschen Pavillons? Ist es die Idee des Gebäudes[5]? Ist es die Kunst? Ist es die Gesellschaft?

Der Deutsche Pavillon

Der Deutsche Pavillon auf der Biennale in Venedig gehört zu den ersten. Schon 1905 wurde er ursprünglich als Bayrischer Pavillon vom venezianischen Architekten Daniele Donghi  im neoklassizistischen Stil erbaut. Erst 1938 erlangte das Gebäude durch den von Hitler begünstigten Architekten Ernst Haider[6]seine nationalsozialistische Form. Der Giebel wurde abgerissen und durch einen Architrav, einen waagrecht auf Säulen aufliegenden Balken ersetzt, aus den runden schmalen Eingangssäulen wurden imposante rechteckige Pfeiler. Der großen Halle fügte man eine halbrunde Apsis im hinteren Bereich an und schaffte den notwendigen Eindruck von Monumentalität. Der zierliche Bau verwandelte sich zu einem streng geometrischen „Führerbau“ mit der Aufschrift „Germania“. Eine Herausforderung für Künstler, er ist nicht neutral, und nicht nur einmal wurden Stimmen laut, diesen Bau abzureißen, steht er nicht mehr für die Deutschen Ideale und durch eine zeitgemäße Architektur zu ersetzen.

Abb. : 02 Der Deutsche Pavillon in Venedig © Frank Kaltenbach

[7]„Ich denke, dass das Gebäude in seiner Brutalität spürbar ist. Und das Gebäude in seiner Härte wollte ich weiterhin offen gelegt und transparent lassen. Das ist zum einen sichtbar in der Materialität des Glases und zum Anderen passiert dadurch natürlich ein Einschluß.“ So Anne Imhof.

Abb.: 03 Der Grundriss des Deutsche Pavillons in Venedig © Frank Kaltenbach

Der Pavillon ist leer. Nur eine gläserne Decke hüfthoch angebracht, ein doppelter Boden teilt die Halle. Einige Wandvorsprünge, Podeste, ebenfalls gläsern, sind auf Kopfhöhe angebracht. Vereinzelt Objektlandschaften auf dem Boden, getrennt durch die Glasdecke. Ein leeres Gebäude, die Wucht dieser Halle wird nicht verkleidet, versteckt, entfremdet, zerstört. Es gibt keine Verstecke oder Kuschelnischen. Ein großer Raum, nackt, kühl, überlegen und transparent. Aber nicht leer. Neben den Besuchern bewegen sich auch die vierzig köpfige Gruppe aus jungen, sogar jugendlichen, vielleicht androgyn zu bezeichnenden Männern und Frauen, Tänzer und vor allem Vertraute und Freunde der Künstlerin scheinen dort zu existieren im Raum. Eine 4- 5 stündige Performance findet statt. Manchmal sind die Künstler eher wie ausgestellte Statuen, dann wieder kommt Bewegung auf, die Gruppe löst sich auf, verteilt sich und der Überblick geht verloren.

Im Gespräch mit [8]Silke Hohmann, Redakteurin des Kunstmagazins Monopol in Berlin spricht Anne Imhof von den langjährigen Beziehungen zu dem Tänzern schon lange vor einer Zusammenarbeit. Sie vergleicht die Arbeit mit den Tänzern mit dem Verhältnis von Musikern in einer Band. Jeder hat eigene Vorstellungen, und durch Vertrauen finden sich Wege, diese Vorstellungen zu verbinden. Die Arbeiten und Performances, Aufführungen entwickeln sich als stetes Aushandeln zwischen Regisseur und Künstler. Die innere Struktur wird von Anne Imhof geschaffen. Sie spricht von einem freien Konstrukt. Es geht ihr bei den Proben um Bilder. Einige Bewegungen sind geplant, aber vorrangig sollen Bilder geschaffen werden. Sie kommt von der bildenden Kunst, nicht vom Tanz.

„Viele der Performer kenne ich schon lange und wir haben erst später angefangen zusammenzuarbeiten. Das Vertrauen war also schon da. Es gibt auf jeden Fall eine geteilte Vorstellung für die Dinge, die passieren. Insofern verbindet uns mehr als ein professioneller Zusammenhang, es geht schon eher in die Richtung einer Band“, so Anne Imhof.[9]

Abb.: 04 Eliza Douglas, Franzsiak Aigner, Stine Omar, Lea Welsch, Theresa Patzschke in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

[10]„Mir ist ganz wichtig, dass jeder in jedem Moment Herrschaft über sein eigenes Tun hat. Dass sie oder er die Entscheidungsgewalt hat über den nächsten Schritt oder die Möglichkeiten, die sich aus der Situation ergeben. Aus dieser Freiheit heraus entstehen Momente, die für meine Arbeit relevant sind. Das heißt nicht, dass ich die Kontrolle abgebe. Es gibt aber eine feste Struktur, in der das alles abläuft – eine Art inneres Gesetz, das ständig gebrochen wird.“ so Anne Imhof.

Die Tänzer tragen Alltagskleidung, Streetwear: T-Shirts von Trigema, weiße Tennissocken, Jogginghose von Adidas, weite Sweater, Hoodies, Bergfällerhemden, zerrissene Jeans, Sportschuhe, Sportshorts. Die Kleidung strahlt Demonstrationsschick aus, Antifa-Mode. Es gibt keine farbenprächtige Palette: schwarz, ausgewaschenes Blau, Weiß, Blau, Grautöne beherrschen das Bild. Keiner ist geschminkt oder auffällig dekoriert. Die Haare werden offen getragen oder als Pferdeschwanz zurück gebunden, die Männer haben manchmal einen drei Tage Bart. Niemand hat nur ein Gramm Fett zu viel, es sind junge, schöne, natürliche, muskulöse und möglicherweise selbstoptimierte Menschen. Diese Körper sind Modelkörper, bereit für die Werbewelt, für Ökonomie, der Körper als Konsumgegenstand des freien Marktes.

Abb.: 05 Emma Daniel, Franziska Aigner, Mickey Mahar, Ian Edmonds, Frances Chiaverini, Stine Omar, Lea Welsch in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Es entstehen lebende Bilder, manchmal mit und manchmal ohne Geräusche, Töne oder Musik. Die Gruppe bewegt sich langsam, manchmal erstarren sie und nach einer Weile kommt erneut Bewegung auf. Das Tableaux vivants, das lebende Bild oder „die Darstellung von Werken der Malerei und Plastik durch lebende Personen“[11]erfreute sich um 1900 in Theater und Varieté einer großen Beliebtheit. Im frühen 19. Jahrhundert entsteht eine sehr populäre visuelle Kultur wo Darsteller für wenige Minuten in Stillstand erstarren, und ein Gemälde oder eine Skulpturengruppe erschaffen.[12]Manche Figurationen in „Faust“ erscheinen historisch, andere wieder modern. Da greifen zwei nach dem Handy und drucken es an den Hals, dabei zischen sie. [13]Hanno Rauterberg von der DIE ZEIT empfindet diese Szenarien „als sögen [sie] Luft aus dem Apparat und würden ohne ihn ersticken“.

Manchmal ergeben sich Spiegelungen auf dem Boden oder an den Glaswänden.  Es finden plötzliche Bewegungen statt. Kurze Versammlungen. Ein Kreis wird gebildet, eine Gasse woanders aufgestellt. Oder jemand erstarrt und schaut entrückt irgendwo hin, als sei er tot oder verrückt. Ein anderer liegt auf dem Boden eng an die Glasmauer gedrückt.

Abb.: 06 Lea Welsch, Emma Daniel, Mickey Mahar, Thilo Garus in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Die Performance findet auf vielen Ebenen im Deutschen Pavillon statt. Die gläserne Decke aus Panzerglas als zweiter Boden, der nicht höher als 120 vom tatsächlichen Raumboden entfernt ist, teilt die Halle in der Horizontalen. Im unteren Bereich ist es ziemlich beengt. Die Performanceartisten liegen, kriechen oder hocken zusammengefaltet. Sie versuchen die Glasdecke zu durchbrechen. Sie schlagen sich und stoßen stumme Schreie aus. Sie masturbieren, aber es scheint als wäre die Hand von der Person getrennt. Es passiert einfach, es ist eine stumme Provokation. Es ist ein stummer Lust Akt oder ist es überhaupt Lust? Ist es Zwang, ist es ein Widerstand, eine Provokation?

Andere sitzen neben Aschenbechern, Gläsern und anderen Gegenständen wie z.B. Steinschleudern, Handtücher, Behälter mit Metallkugeln, Seifenstücke, Vaseline, Wattebausche, Feuerzeuge, schwarze Matratzen, Telllöffel, Emergency drinking Water Flaschen von Seven OceanS oder Hundefutter. Und Feuer.[14]Es geht um Macht, eine unbekannte Quelle mit unbändiger Kraft scheint die Menschen zu erschöpfen, sie in die Knie zu zwingen.

Diese Utensilien des Überlebens einer modernen Gesellschaft liegen nicht zufällig herum, sie werden geplant, ausgelegt, sind Objektkunstwerke. Diese Dinge sind nicht Requisiten, sie geben Anhaltspunkte für das Verhalten der Performancekünstler, sie sind Teil der bewegten Bilder. Sie gehören zwingend zum Kunstwerk. Sie verweisen auf wichtige Momente, stellen Höhepunkte und Verständnismarker dar.

Abb.: 07 Eliza Douglas masturbiert. Eliza Douglasin Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 08 Emma Daniel  an der Wand im unteren Bereich. Sie sitzt auf dem Boden, nur ihre Hand greift auf die gläserne Decke. Emma Daniel in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

 

Auf der gläsernen Decke

Auf der gläsernen Zwischendecke steht das Publikum. Nur dort darf es sich aufhalten. Nicht im Bodenbereich, nicht bei den Hunden oder auf den Wandpodesten. Hier findet eine Vermischung mit den BesucherInnen statt. Manchmal singen die Künstler, oder sie beginnen Ringkämpfe, dann umarmen sich andere und während der Umarmung entwickelt sich ein Kampf. Der löst sich auf und es kommt zu einer Art Annäherung von Mann und Frau. Nicht lange und schon ringen sie erneut auf Bodennähe. Die Bewegungen werden langsam ausgeführt, nie gefährlich, aber unaufhaltsam. Es geht um Unterdrückung, um Ausbruch, Demütigung, Unterjochung, Abwesenheit, Leere, Ödnis, Aufbegehren, Opponieren, Rebellion, Anpassung, Gehorsam und Meuterei.

Andere Künstler schreiten in schnellen raumgreifenden Schritten die Halle ab, dann bleiben sie stehen und starren einander an. Es kommt jemand hinzu, starrt mit. Ausdruckslose Gesichter, eine innere oder äußere Motivation ist nicht zu erkennen. Wieder jemand anderes atmet gegen eine Scheibe. Ganz nah ist das Gesicht an der Oberfläche, so nah dass das Spiegelbild vielleicht nicht gesehen wird, es ist für den Zuschauer da.

Abb.: 09 Emma Daniel in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Eine weitere Ebene besteht aus Glasvorsprüngen, gerade breit und tief genug, um darauf zu stehen. Sie sind an den Wänden auf einer ansehnlichen Höhe angebracht und verteilt. Darauf stehen die Künstler und Künstlerinnen, verrenken sich, gähnen, drehen den Kopf zur Wand und zurück, singen. Sie befinden sich erhoben wie auf unsichtbaren Regalen oder Säulen. Skulptur und Ware in einem.

Manchmal sitzt eine oder mehrere Artisten mit den Hunden im Zwinger. Sie kommen heran, lecken die Hand, zeigen sich in verspielter Laune. Die Performer tun nichts, mit ausdruckslosen Gesichtern befinden sie sich dort, wo die Hunde sind, keine mimische Veränderung, keine Regung. Und dann schwingen sich zwei auf den hohen Zaun, sie sitzen dort, schauen herunter. Der Balanceakt ist ihnen nicht anzumerken. Sie betrachten. Erstarrt sind sie nicht, aber regungslos. Wieder andere nehmen Platz auf den Treppenstufen vor dem Gebäude. Der Ortwechsel ändert nichts an ihrer Haltung. Undurchdringlich, gefasst, verschlossen. Und dann wieder steht einer oben auf dem Dachfirst. Schaut runter. Setzt sich und verweilt, harrt aus, ruht, hält inne. Das Gebäude ist da und es zieht die Artisten hinein und hält sie in einem unsichtbaren Bann.

In einem Vorzimmer befindet sich eine Installation mit Starkstromstecker und Buchse, anderen Dingen und Gitarre. Weiße Bilder an der Wand. Ein  pulsierendes Rauschen wie in einem Maschinenraum oder nah an einer Turbine einer Talsperre erfüllt laut und dröhnend den Raum. Dann gibt es einen Bruch und eine Bassgitarre schlägt einen Ton oder Akkord an und der Hall pulsiert. Manchmal sind es Orgelklänge, Geigen und andere Streichinstrumente, vielleicht eine Laute, so genau kann das nicht gesagt werden, die Musik kommt aus den Lautsprechern, sie kann auch durch Synthesizer erzeugt worden sein oder gleich digital. Klavierklänge läuten Gesang ein. Eine Performanceartistin erhebt ihre glasklare wunderschön seelenwunde Stimme. Diese Klänge sind sehnsüchtig, sie rühren das Herz, Trauer Verlangen klingt mit. Es sind Choralähnliche in Moll vorgetragene Melodien. Melancholisch, tragend, harmonisch erinnern sie an Kirchenmusik. Es beginnt mit einzelnen Stimmen, aber sie werden durch SMS Anweisungen von der Künstlerin Anne Imhof dirigiert und zu einer dichten Harmonie. Sie singen vom Ich. Ein magischer, geradezu betörend schöner Moment.

Abb.: 10 Eliza Douglas in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Anne Imhof taucht auf, schaut das Treiben an, gibt Anweisungen über das Handy und verschwindet. Ganz in schwarz gekleidet mit Basecap vom Edeldesigner Balenciaga bleibt sie unnahbar. Sie agiert als Dirigentin, Choreographin, sieht alles, initiiert alles und leitet an. Sitzt hier die Macht?

Schlüpft die Künstlerin in die Rolle des Mephisto? Der dem Wissensdurstigen, dem Forschenden und Zweifler Faust verspricht, ihm so lange zu dienen und seine Wünsche zu erfüllen, bis er Lebensglück erfährt? Um ihm dann seine Seele zu stehlen? Sind die gelenkten Performancekünstler Repräsentanten für Faust? Ist das Publikum die schweigende Menge, die Gesellschaft? [15]Wird der Faustische Pakt mit dem Warenfetisch offen gelegt?

Abb.: 11 Frances Chiaverini in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Oder bezieht sich der Titel auf die Faust des Protestes? Die Kuratorin Susanne Pfeffer[16]äußert sich in einem Interview mit dem SWR am 11.5. 2017: „Die Faust, ein Element, das sich eigentlich nur aus dem Zusammenschluss der Finger ergibt und dann im Grunde eine Kraft bündeln kann und zum Schlagen bereit ist, zum Wehren, aber auch zum Angriff. Das ist Sinnbild für diese Performance: Wie setzen sich Individuen auseinander oder gegeneinander? Wie formieren sich Gruppen?“ Der Titel bezieht sich daher nebensächlich auf Goethes „Faust“, hauptsächlich auf das Symbol der Faust als Zeichen für Rebellion und Gewalt.

„Es stellt die Frage wie selbstbestimmt wir handeln. Und uns bewegen und unsere Körper eigentlich noch unser Eigentum sind oder vielleicht sind es schon Objekte oder vielleicht sind sie schon selbst zur Ware geworden.“ Susanne Pfeffer im Gespräch mit dem SWR.[17]

Bedeutung

Es wird geschaut, sich gedreht, fotografiert, gefilmt, dokumentiert. Die Situation ist beängstigend nahezu komisch, der Besucher befindet sich in der Mitte des Geschehens, er  schaut zu und hält fest. Der Mensch als Zuschauer, als zufälliger Passant betritt die Welt der Anne Imhof und die vielen metaphorischen Situationen die Politik, Leben, Gesellschaft und Dasein konstituieren- schweigend und gaffend, fast ein wenig gelähmt.

Nur eins kann der Besucher: er versichert sich der Geschenknisse durch unentwegtes Fotografieren und Aufnehmen. Ausdrucksstarke Bilder der Performer, ihrer Handlungen werden das Ergebnis sein, auch wenn die Zielrichtung und der Zweck im Verborgenen bleiben. Die Bilder sind bedeutend, aber eine Realität wird nicht dargestellt, eher die Ware der Zuschauenden. Photographie von etwas, das wie Leben aussieht.

Abb.: 12 Frances Chiaverini, Mickey Mahar, Eliza Douglas, Lea Welsch, Ian Edmonds in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Das Kunstwerk ist unberechenbar. Die Bühne nicht definiert. Zu jeder Zeit kann an jedem Ort etwas passieren: auf den Außenstufen, dem Zaun, im Zwinger, am Seiteneingang, auf dem Dach, im Vorraum, auf dem Boden, auf der Zwischendecke, den Wandpodesten: überall. Der Besucher versucht die Geschehnisse durch alle Schichten der Gesellschaft und des Gebäudes zu sezieren. Überall ist der Blick erlaubt, aber löst er etwas aus? Die Performancekünstler sehen den Besucher, ignorieren sie, schauen durch sie hindurch, sie sind im besten Fall ein Hindernis, dass zur Seite gedrängt wird, sie gehören nicht dazu. Es geht um Macht und Ohnmacht, Willkür und Gewalt, Widerstand und Freiheit.

Das Glas schafft Distanz zu sich selbst und zu den Subjekten, die zu Objekten werden.  Selbst wer die Performance verfolgt, erkennt, dass die Gesamtheit nicht erfassbar ist. Der Ort ist hell und transparent, aber das trügt, es ist eine durch Ohnmacht und Willkür, durch Unterdrückung und Kontrolle geprägte Szenerie. Die weitläufige Verteilung, unvorhersehbaren Aktionen, die Gleichzeitigkeit, Konsequenzlosigkeit verhindert eine Festlegung. Stetig verschiebt sich das Bild und damit das Gesamtkunstwerk. Die Signifikanten: Objekte, Gebärden, Verortungen, Beziehungen, Musik, Geräusche formen ein sich stetig änderndes Bild. Der Pavillon ist eingenommen von den Künstlern, den Bildern, den Objektarrangements, der Musik, der Hunde und den gläsernen Installationen. Das alles ist „FAUST“, ein lebendes Bild. Der Betrachter wandert hindurch und sucht nach der allumfassenden Perspektive.

Abb.: 03 Josh Johnson in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 14 Emma Daniel in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Es ist ein Akt des Kontrollierens, etwas das sich aber gleichzeitig einer Kontrolle entzieht. Die Gleichzeitigkeit der Ereignisse erinnert an Marshall McLuhans „Allatonceness“[18]. Dort beschreibt er die Auswirkungen der Vernetzung durch moderne Medien. Wie sie eine Erweiterung und eine Veräußerung des menschlichen Körpers darstellen. Hand Held Devices werden zur Erweiterung der Sinnesorgane. Der Computer imitiert Funktionalitäten des Gehirns und damit wird er zu einer Veräußerung des Gehirns. Die Konsequenzen schienen theoretisch zur Zeit der Veröffentlichung Ende der 60iger Jahre noch undeutlich, heute trägt jeder Mann und jede Frau einen Handgroßen Computer mit sich. Die Informationen sind einen Klick entfernt, Gedächtnisleistung ist nicht von Nöten, das Gedächtnis ist externalisiert. Die Netzgesellschaften leben ungebunden und unabhängig von Orten und Zeiten.

“Time” has ceased, “space” has vanished. We now live in a global village…a simultaneous happening.” [19]

Technischer Fortschritt macht den Menschen zu einer Marke, es geht um das Aussehen, um den Anschein um ein Image. Kommunikationskanäle schaffen Gemeinschaften aber grenzen anders Denkende aus, machen sie nicht mal sichtbar (FB Algorithmus). Eine Einseitigkeit der Welterfahrung schränkt den Geist des Menschen ein, die Kultur des Aufbegehrens des Demonstrierens, des Diskutierens, des Denkens und Abwägens, des Verstands und der Kompromisse durch Intelligenz wird zu Gunsten einer Kultur von Überzeugungen und Glaubensbekenntnissen verdrängt. Gleichzeitig verliert der Mensch seine Privatsphäre. Persönliche Daten werden digital abgelegt. Wir sprechen vom „gläsernen Kunden“ als Marketingobjekt, der „Gläserne Bürger“ als Teil des Kampfes gegen Terrorismus, oder der „Gläserne Mensch“ als Soziologisches Phänomen.[20]In den Zeiten der schwindenden Privatheit und steigender Transparenz aller Lebensbelange verhalten und kommunizieren sich Menschen eher als Marke denn als Privatpersonen. 

Die Performance ist verstörend. Kontrolle und Willkür, Einflussnahme von außen und sprachbefreite Kommunikation, Machtausübung ohne Ursachen zu begreifen. Die Menschen sind nahezu nur Körper und der wiederum scheint ihr einziges Kapital zu sein. Eine seelenlose dem Konsum hingegebene Gesellschaft. Er sucht nach Überlebensstrategien, aber bricht er aus? Das tut er nicht, er kann es nicht, diese Freiheit wird ihm nicht geschenkt.

Anne Imhof – Faust
Dauer der Performance 4-5 Stunden
Kuratiert von Susanne Pfeffer
40 Personen in der Performance

 

 Artikel von Ursula Drees

Quellen

Bendrath, Ralf (2007): Der „gläserne Bürger“ und der vorsorgliche Staat. Zum Verhältnis von Überwachung und Sicherheit in der Informationsgesellschaft. In: kommunikation@gesellschaft, Jg. 8, Beitrag 7. Online-Publikation: http://www.soz.uni- frankfurt.de/K.G/B7_2007_Bendrath

Brockhaus‘ Konversations‘ Lexikon (1902), 14. Aufl., Bd. 10. Leipzig, Berlin, Wien: F.A. Brockhaus.

Silke Hohmann (2017): Wie man sich dem anderen zeigt. In: Was wir tun. Heft über das Institut für Auslandsbeziehungen / ifa. – Regensburg: ConBrio,.

Kaltenbach, Frank (2017): Mehrdeutiger Hybrid: Bungalow Germania auf der Biennale in Venedig. In: DETAIL • Zeitschrift für Architektur + Baudetail, Heft 6/2014, „Bauen mit Beton“, München.

McLuhan, Marshall; Fiore, Quentin (1967):  “The Medium is the Massage: An Inventory of Effects”, Penguin Books, London, UK.

Rauterberg, Hanno (2017): Der Stille Aufruhr .In: DIE ZEIT online vom 28. Juni 2017. http://www.zeit.de/2017/27/anne-imhof-biennale-venedig-faust-performance/komplettansicht(23.01.2018)

Wiegand, Daniel (2016): Gebannte Bewegung. Tableaux vivants und früher Film in der Kultur der Modere, Züricher Filmstudien 36, Schüren Verlag GmbH, Zürich.

Pressetext der Kunsthalle Basel anlässlich der Eröffnung der Ausstellung als Oper „Angst“ von Anne Imhof vom 10.6. – 21.8.2016. http://www.kunsthallebasel.ch/wp-content/uploads/Anne_Imhof_Presse_Dossier_DE.pdf

Anmerkungen

Institut für Auslandsbeziehungen.Es fördert im Kulturaustausch ein friedliches Zusammenleben von Völkern, Staaten und Religionen. Das ifa initiiert den interkulturellen Dialog. Es befördert den Kultur- und Kunstaustausch in Ausstellungs-, Begegnungs-, Dialog-  und Konferenzprogrammen. Es trägt zum Friedenserhalt durch zivile Konfliktbearbeitung und zur kulturellen Vielfalt durch die Förderung kultureller Minderheiten bei.  http://www.ifa.de/de/kunst/biennalen/biennale-venedig/anne-imhof-faust.html

Titel Thesen Temperamente widmet dem Deutschen Pavillon eine Sendung. Sie wird am 14.05.2017 ausgestrahlt und auf der Mediathek der ARD zu sehen. http://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Anne-Imhof-Deutscher-Pavillon/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=42826300

Susanne Pfeffer im Interview mit dem SWR  am 11. Mai 2017 zum Deutschen Pavillon und FAUST. Susanne Pfeffer ist Kunsthistorikern und Kuratorin. Sie ist Direktorin des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main.https://www.swr.de/swr2/kultur-info/der-deutsche-pavillon-bei-der-biennale-in-venedig/-/id=9597116/did=19526214/nid=9597116/17ukihf/index.html

Informationen zum Deutschen Pavillon der Architekten RKW Architektur. Anlässlich der 14. Architektur Biennale stellte der Deutsche Werkbund die Frage „This is modern“ nach einer Neuinterpretation und Umgestaltung des Gebäudes an 22 Architekturbüros. shttp://rkw.plus/de/projekte/deutscher-pavillon-venedig

Anlässlich des 100 Geburtstag des Deutschen Pavillons veröffentlichte Hildegard Lorenz im der Münchner Merkur eine knappe Zusammenfassung der Baugeschichtlichen Historie des Gebäudes. https://www.merkur.de/kultur/mm-dabei-sein-alles-330696.html

 


Abbildungsverzeichnis

Abb.: 01 Eliza Douglas and Franziska Aigner in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb. : 02 Der Deutsche Pavillon in Venedig © Frank Kaltenbach

Abb.: 03 Der Grundriss des Deutsche Pavillons in Venedig © Frank Kaltenbach

Abb.: 04 Eliza Douglas, Franzsiak Aigner, Stine Omar, Lea Welsch, Theresa Patzschke in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 05 Emma Daniel, Franziska Aigner, Mickey Mahar, Ian Edmonds, Frances Chiaverini, Stine Omar, Lea Welsch in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 06 Lea Welsch, Emma Daniel, Mickey Mahar, Thilo Garus in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 07 Eliza Douglasin Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 08 Emma Daniel in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 09 Emma Daniel in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 10 Eliza Douglas in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 11 Frances Chiaverini in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 12 Frances Chiaverini, Mickey Mahar, Eliza Douglas, Lea Welsch, Ian Edmonds in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 13 Josh Johnson in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

Abb.: 14 Emma Daniel in Anne Imhof, Faust, 2017, German Pavilion, 57th International Art Exhibition – La Biennale di Venezia © Photography: Nadine Fraczkowski; Courtesy: the artist, German Pavilion 2017

[1]https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Imhof(19.01.2018)

[2]Hans Ulrich Obrist: Choreographed Layers: Anne Imhof in ESSAYS Mousse 54 im Sommer 2016. http://moussemagazine.it/anne-imhof-hans-ulrich-obrist-2016/(20180123) Hans Ulrich Obrist ist Co-Direktor der Serpentine Galerien in London. Davor hat er Das Museum für moderne Kunst  der Stadt Paris kuratiert. Seit seiner ersten Show 1991 hat er bereits über 300 Ausstellungen kuratiert.

[3]Titel Thesen Temperamente widmet dem Deutschen Pavillon eine Sendung. Sie wird am 14.05.2017 ausgestrahlt und auf der Mediathek der ARD zu sehen. http://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Anne-Imhof-Deutscher-Pavillon/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=42826300

[4]Arnold Schwarzenegger wird von zwei Dobermännern durch die eisige gartenlandschaft des Bösewichts gehetzt.

[5]1938 als nationaler Repräsentationsbau zur Machtdemonstration von Nazideutschland vom Architekten [5]Ernst Haiger, der bereits einige Führerbauten entworfen hatte, verändert.

[6]Ernst Haiger 81874 – 1952) baute das Kasino im Münchner Führerbau und die Bar im Münchner NS Ausstellungsgelände „haus der deutschen Kunst“.

[7]Titel Thesen Temperamente widmet dem Deutschen Pavillon eine Sendung. Sie wurde am 14.05.2017 ausgestrahlt und auf der Mediathek der ARD zu sehen. http://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Anne-Imhof-Deutscher-Pavillon/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=42826300

[8]Interview: Wie man sich dem Anderen zeigt. Gespräch mit Silke Hohmann. Sie ist Redakteurin beim Kunstmagazin Monopol in Berlin.  in Was wir tun. Ein Heft über das Institut für Auslandsbeziehungen / ifa. – Regensburg: ConBrio, 2017. – 31 S.

http://www.ifa.de/en/visual-arts/biennials/anne-imhof-faust/wie-man-sich-dem-anderen-zeigt.html

[9]ebd., S. 01-31

[10]vgl. Interview mit Silke Hohmann.

[11]Brockhaus‘ Konversations‘ Lexikon (1902), 14. Aufl., Bd. 10. Leipzig, Berlin, Wien: F.A. Brockhaus, S. 1029

[12]Daniel Wiegand (2016): Gebannte Bewegung. Tableaux vivants und früher Film in der Kultur der Modere, Züricher Filmstudien 36, Schüren Verlag GmbH, Zürich, S. 14.

[13]Hanno Rauterberg (2017): Der Stille Aufruhr in der Zeit online vom 28. Juni 2017 http://www.zeit.de/2017/27/anne-imhof-biennale-venedig-faust-performance/komplettansicht(23.01.2018)

[14]Pressetext der Kunsthalle Basel anlässlich der Eröffnung der Ausstellung als Oper „Angst“ von Anne Imholf vom 10.6. – 21.8.2016. http://www.kunsthallebasel.ch/wp-content/uploads/Anne_Imhof_Presse_Dossier_DE.pdf

[15]Titel Thesen Temperamente widmet dem Deutschen Pavillon eine Sendung. Sie wird am 14.05.2017 ausgestrahlt und auf der Mediathek der ARD zu sehen. http://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Anne-Imhof-Deutscher-Pavillon/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=42826300

[16]Susanne Pfeffer im Interview mit dem SWR  am 11.Mia 2017 zum deutschen Pavillon und FAUST https://www.swr.de/swr2/kultur-info/der-deutsche-pavillon-bei-der-biennale-in-venedig/-/id=9597116/did=19526214/nid=9597116/17ukihf/index.html

Susanne Pfeffer ist Kunsthistorikern und Kuratorin. Sie ist Direktorin des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main.

[17]Susanne Pfeffer im Interview mit dem SWR  am 11.Mia 2017 zum deutschen Pavillon und FAUST https://www.swr.de/swr2/kultur-info/der-deutsche-pavillon-bei-der-biennale-in-venedig/-/id=9597116/did=19526214/nid=9597116/17ukihf/index.html

Susanne Pfeffer ist Kunsthistorikern und Kuratorin. Sie ist Direktorin des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main.

[18]“Ours is a brand-new world of allatonceness. ‘Time’ has ceased, ‘space’ has vanished. We now live in a global village…a simultaneous happening.

Electric circuitry profoundly involves men with one another. Information pours upon us, instantaneously and continuously. As soon as information is acquired, it is very rapidly replaced by still newer information.

Our electrically configured world has forced us to move from the habit of data classification to the mode of pattern recognition. We can no longer build serially, block-by-block, step-by-step, because instant communication insures that all factors of the environment and of experience co-exist in a state of active interplay.” Marshall McLuhan & Quentin Fiore (1967): “The Medium is the Massage: An Inventory of Effects”, Penguin Books, London, UK, S. 39

[19]Vgl. Marshall McLuhan & Quentin Fiore (1967):  “The Medium is the Massage: An Inventory of Effects”, Penguin Books, London, UK

[20]Bendrath, Ralf (2007): Der „gläserne Bürger“ und der vorsorgliche Staat. Zum Verhältnis von Überwachung und Sicherheit in der Informationsgesellschaft. In: kommunikation@gesellschaft, Jg. 8, Beitrag 7. Online-Publikation: http://www.soz.uni- frankfurt.de/K.G/B7_2007_Bendrath

 

„Hugo Guerra zu Kommunikation im globalisierten Workspace“ von Mirjam Michutta

Gaming ist ein fester Bestandteil der Kultur und Freizeitbeschäftigung. Games und andere Unterhaltungssegmente wie Filme, Serien oder Comics wachsen zusammen. Das macht die Session von Hugo Guerra deutlich, VFX Spezialist, früherer VFX Supervisor and Head of the Nuke Department bei The Mill (http://www.themill.com); jetzt Inhaber von Hugo´s Desk (http://hugo-guerra.com).

Hugo Guerra zeigt an verschiedenen Beispielen die wichtige Rolle der Kommunikation im Team mit den Klienten.
Sein zentrales Motto: „Business is all about communication.“ Zu Beginn der Selbständigkeit war die Suche nach geeigneten Kommunikationswegen eher Eigennutz: „Muss ich wirklich an einem bestimmten Punkt in der Welt wie etwa London sein um effektiv zu arbeiten?“

Bildquelle: fmx.de/program2018/speaker/2720                     

Stehen für ein Projekt tatsächlich die besten an diesem Ort zur Verfügung? Die Klienten befinden sich nicht zwingend an einem zentralen Punkt. Wie also stellt sich in der heutigen Zeit eine Zusammenarbeit dar, welche Softwaretools unterstützen im Zeitalter der Globalisierung und Deszentralisierung das Arbeiten.

Mit Schmunzeln erzählt er von den Anfängen; es wurde der Datenaustausch über FTP vorgeschlagen. Das sind heutzutage veralterte Methoden. Welche Software unterstützt effektive und strukturierte Teamarbeit der einzelnen Departments und visualisiert gleichzeitig dem Klienten wichtige Entwicklungsschritte?

Er preferiert zum heutigen Zeitpunkt einen Mix aus verschiedenen Kommunikaitonstools:
ftrack (https://www.ftrack.com/en/)
Nuke (https://www.foundry.com/products/nuke)
Skype
Dropbox

Je nach Projektanforderung werden diese Basics durch weitere Tools ergänzt. Mit Best Case Studies untermauert er seine Erkenntnis. Er beginnt mit „The Walking Dead – March to War“.  Die Herausforderung für das Team bestand im Wunsch des Klienten das Spiel im Stil der Comics umzusetzen. Der Look und Feel sollten direkt dem des Comic entsprechen und die Umsetzung ohne live action erfolgen. Ein zeitraubendes Unterfangen.

Startpunkt bildete zunächst ein mit Photoshop erstelltes Concept Art Piece. Unzählige Styles und Szenarien wurden an der Grundszene durchgespielt, mittels ftrack mit dem Klienten abgestimmt, durch Erkenntnisse angereichert, verworfen und erneut versucht. Ftrack half bei der Entscheidungsfindung mit Team und Kunden. Kunden sind oft mit einer inneren Vision unterwegs, die sie durch Anschauung von Entwürfen mit der inneren abgleichen, solange bis eine Einheit hervorgerufen wird. Ftrack ist genau richtig dafür. Auch innerhalb des Teams bietet es eine gute Arbeits- und Austauschplattform. Am besten zusammen mit dem Concept Art Artist, das macht alles leichter. 

Ergänzt wird das Tool Grundpaket je nach Projekt neben Photoshop durch Applikationen wie Maya (https://www.autodesk.de/products/maya/overview), Houdini (https://www.sidefx.com), redshift (https://www.redshift3d.com/product), Modo (https://www.foundry.com/products/modo) und im Fall von „The Walking Dead – March to War“ auch mit unerwarteten Anwendungen wie xbox connect zur Erstellung der Animation der Walkers, wobei die einfache Animation im Falle gerade dieser Figuren einen positiven Effekt erzeugt.

http://hugo-guerra.com/work/?portfolio=the-walking-dead-march-to-war-behind-the-scenes

Das Zusammenspiel der Kommunikations- und Erstellungssoftware schafft ein tragfähiges Workenvironment für das internationale Team wie dem für „The Walking Dead“ mit Mattepainting aus Neuseeland, einem Compositor in Island, dem Head in London, 3d Artist in Deutschland und Storyboard and Mattepainting Artist in Belgien und letzendlich dem Kunden.


Bildquelle: screenshot  aus dem Video: the-walking-dead-march-to war-behind-the-scenes

 Business is all about communication.

Am Ende empfiehlt Hugo Guerra die FMX als networking und recruiting Platform. Die Firmen sind anwensend weil sie rekrutieren. Geht an die Stände, sprecht mit den Leuten, geht mit ihnen essen. Hier sind alle Wichtigen der Welt vertreten. Macht networking. „FMX Stuttgart is THE place.“

Beitrag von Mirjam Michutta, Studentin der Hochschule der Medien, Audiovisuelle Medien.

„Fabula Deus – oder der Film der Zukunft“ von der fmx 2018, Prof. Katja Schmid

Foto: FMX 2018©Katja Schmid

Menschen träumen schon immer davon, die Welt nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Nun scheint es so, dass heutige Filmemacher dieser göttlichen Vision näher denn je kommen. Virtual Production, VR, Realtime Technologien, Dronen, LED Displays, fotorealistische Simualtions- und Render Algorithmen, Motion Capture, Facial Capture, Photogrammetrie und Machine Learning gestatten den Kreativen, sich eine glaubhaft, zum Verwechseln echte Welt zu schaffen, in der Charaktere (Menschen oder synthetische Figuren) agieren.

Foto: FMX 2018,Dominique Brewing and Luzie Marquardt

Habib Zargarpour (CCO und Co-Founder von Digital Monarch Media) bringt es nach einem langen Tag zu Virtual Production auf den Punkt: „Es geht um einen Paradigmenshift. Die Filme werden anders werden“.

Er hatte zuvor das Virtual Film Tool Expozure life vorgestellt, mit dem in einer virtuellen Umgebung die Previsualisierung in realtime aufgenommen, also der Film visuell konzipiert werden kann. Mittels eines handheld devices kann der Kameramann oder Regisseur in der virtuellen Welt Einstellungen wie am Set gestalten. Am Ende des „Drehtages“ werden die Shots zu einer Szene zusammengeschnitten. Expozure kam für den Science-Fiction Film Blade Runner 2049 (executive producer Ridley Scott, Regie: Denis Villeneuve) zum Einsatz. „Was wäre, wenn wir in Zukunft unsere Geschichten direkt aus den Welten, die wir gebaut haben, entwickeln würden – also zu einem life perform of storybuilding übergingen?“ Wie würden sich die Filme verändern, wenn statt auf der Basis von Text, die zukünftigen Geschichten in der menschengemachten, visuellen Welt entstünden?

An Blade Runner 2049 hat auch Axel Akesson (MPC) mitgewirkt. Als Asset Supervisor war er für die digitale Replikation von Rachael verantwortlich.

Die größte Herausforderung beim Erstellen von Digital Humans ist die Überbrückung des uncanny valley (es bezeichnet die beim Zuschauer entstehende innere Akzeptanzlücke von künstlich hergestellten Personen. Der Realitätsgehalt eines virtuellen Characters kann entgegen der Erwartung von größtmöglicher Realitätsnähe zu einer minderen Akzeptanz beim Rezipienten führen, wenn dieser Differenzen zum antizipierten Original als störend wahrnimmt.)  „Tote Augen“ sind die größten Illusionsbrecher und eine Herausforderung. Axel Akesson spricht in dem folgenden Interview über die neuen Methoden der Lichtberechnung im Augapfel, aus welchen Komponenten die digitale Rachael besteht, über die Vorteile, die Virtual Production mit sich bringt, was zukünftig noch an Verbesserungen zu erwarten ist und warum echte Filmfotografie für ihn immer noch das non plus ultra ist.

Ian Comley, CG Tech Supervisor, ILM vertritt folgende Perspektive zu Virtual Production: “It is not a substitute for good storytelling. It’s a tool, it’s not a replacement.” Die Tools haben sich konstant in vielen Gebieten weiterentwickelt und sich gegenseitig beeinflusst. Besonders was look development angeht, werden solide Referenzen, mit denen dann Prototypen entwickelt werden, bevorzugt. Sie helfen um schlussendlich zu einer hohen Glaubwürdigkeit zu gelangen. Ian kann sich zwei Zukunfts-Szenarien vorstellen. Einerseits können die Entwicklungen ohne jeden Anteil an realer Filmfotografie zu digitalen Welten und digitalen Charakteren im Film führen. Andererseits sollten perfekte Drehorte weiterhin verwendet werden,, wenn es sie gibt, denn sie verfügen nicht minder über Realitätsanspruch. Was digitale Schauspieler angeht, beantwortet er die Frage: „Can you fully synthesize a human performance through artificial intelligence?“ eindeutig mit „Ja“. Nach Ian Comley sind künstliche Charaktere genauso überzeugend und in der Lage Zuschauer in ihre Geschichte zu involvieren, wie menschliche Schauspieler.

“Creating worlds – that is what we all love to do. It is the escapism that a lot of us love. It’s the endless possibility of making a whole new universe and its own rules.” meint Shannon Justison (Visualization Supervisor, The Third Floor). Im Prozess der Previsualisierung nehmen die ersten Ideen reale Formen an, lang bevor der eigentliche Dreh stattfindet. Über die Zukunft des storytellings denkt sie oft nach: „The truth is: I don’t know. And that is the interesting part. I can imagine all these opportunities for virtual reality storytelling, augmented reality storytelling are bouncing in my head. And honestly, I don’t have a coherent thesis on that. But I am just really excited to see where it goes.”

“Tools for the next generation of storytelling” ist der Titel für Daniel Gregoire’s Vortrag auf der FMX.  Er ist der Gründer der Firma Halon Entertainment, und wirkte an einer Vielzahl von Blockbustern als Previs Supervisor mit (War of the Worlds, Kung Fu Panda, Spider-Man 3, Life of Pi, Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance), Jurassic World, The Hunger Games, Dawn of the Planet of the Apes, Alice Through the Looking Glass, Star Wars: The Force Awakens, Deepwater Horizon, Logan, and Kong: Skull Island). Sein Fokus liegt auf der Durchdringung von neuen Technologien und Storytelling und dafür nennt er ein eindrückliches Beispiel: „Photogrammetry hat es uns ermöglicht, den Ort, den wir beim location scouting besichtigt haben, buchstäblich mit nach Hause zu nehmen.“ Davon profitiert das gesamte Team, wenn es dann mit Hilfe der digitalen Kopie kreative Entscheidungen treffen kann.

Daniel macht in seinem Gespräch mit uns deutlich, wie schnell die Entwicklungen heutzutage vollzogen werden und wie komplex sie sind. „Realtime to me is a small stepping stone on the way to something bigger, faster, more effective. In terms of technology next generation will simply be today. Will be now.”

„Bei allen Überlegungen, wie sich die Welt des Kinos entwickeln wird, gingen mir immer wieder zwei Bildwelten durch den Kopf“, so Prof. Katja Schmid. „Die eine ist der Blick des kleinen Salvatore im Projektorraum in „Cinema Paradiso“ (Regie: Guiseppe Tronatore, 1988). und die andere Vision entstand beim Lesen von „Homo Deus“ (Yuval Harari) und sie dreht sich um die Frage, wie das Leben sein wird, wenn eines Tages hochintelligente Algorithmen die Menschheit  besser kennen, als der Mensch sich selbst. Wird dann die Welt zum Film ? Ist das der Paradigmenshift, der maßgeblich überdenkenswert ist?“

Und neben all diesen Überlegungen geht ein herzlicher Dank an Frau Nicola Steller für die großartige Pressearbeit. Mit überlegter Schnelligkeit und Akkuratesse wurden die Interviewpartner angeschrieben und zu uns in den Presseraum geleitet. Dort trafen wir auf einen für die fmx recht stillen Ort für Dreharbeiten. Und da Nicola Steller nicht alles allein schaffen kann, danken wir herzlich allem Helfern der fmx. 

Interviews wurden von Prof. Katja Schmid auf der fmx 2018 geführt.

Zur Autorin:

Katja Schmid begann als Filmemacherin in den DEFA-Studios für Trickfilme. 1993 erhielt sie ihr Diplom als Kamerafrau von der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Als Kamerafrau, Digital Artist und Editorin hat sie über 50 Film- und Medienproduktionen mitgestaltet. Seit 2004 ist sie als Professorin für Visual Effects and Postproduction an der HdM tätig. Von 2006-2011 kuratierte sie die Digital Cinema Conference, den Tech Track Stereoskopie sowie die Junior Paper Session der FMX. Von 2014 bis heute ist sie verantwortlich für das VEGA CAMP an der Hochschule der Medien. Ihre Forschungsgebiete sind Lichtfeldtechnologie und Wide Gamut.

Zum Ton:

Peter Ruhrmann trägt den Titel des Ingenieurs für Audio visuelle Medien. Er arbeitet mit Studierenden an VFX Medien Produktionen und zeigt sich verantwortlich für kreative technische Lösungen bei Herausforderung innerhalb der Produktionen. Außerdem entwickelt und wartet er seit 2006 die technische Infrastruktur des VFX Departments an der Hochschule der Medien. Peter Ruhrmann ist zertifizierter Nuke Trainer durch Foundry und fxphd. Seit 2008 unterrichtet er das Fach Compositing.

Fotos, Text, Interview: Katja Schmid

Ton: Peter Ruhrmann

Kamera: Patricia Birnfeld, Studentin der Audiovisuellen Medien an der Hochschule der Medien, Stuttgart.

„Gebündelte VFX Power in Deutschland“ Prof. Katja Schmid direkt von der fmx 2018

 

Präsentation über die Visual Effects von „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ auf der FMX, von links nach rechts: Prof. Juri Stanossek (Mackevision), Andreas Giesen (RISE), Dennis Gansel (Regisseur), José Manuel Weil (Scanline), Jan Adamczyk (Trixter), Frank Schlegel (Production VFX Supervisor).  Foto©Dominique Brewing and Luzie Marquardt

„Ein vergleichbares Projekt hat es in Deutschland noch nicht gegeben“, erklärt Prof. Juri Stanossek (lehrt an der Filmakademie Ludwigsburg und ist VFX Supervisor bei Mackevision Stuttgart) nach dem gemeinsamen Vortrag mit seinen Kollegen Frank Schlegel, José Manuel Weil (Scanline), Prof. Juri Stanossek (Mackevision), Andreas Giesen (RISE), Jan Adamczyk (Trixter).

Prof. Juri Stanossek während seiner Präsentation auf der FMX, Foto©FMX 2018, Dominique Brewing und Luzie Marquardt

Selbst der Regisseur des Filmes „Jim Knopf & Lukas der Lokomotivführer“ Dennis Gansel ließ es sich nicht nehmen, bei der Präsentation der Visual Effects auf der FMX anwesend zu sein.

Die sagenhaften Welten, made in Germany, prägen die wunderbare Atmosphäre und Qualität des Filmes. Der VFX Breakdown der Firma Mackevision gestattet einen Einblick in die Entstehung Mandalas, die laut Prof. Juri Stanossek mit Virtual Production Technologie in Partnerschaft mit der Firma ncam hergestellt wurde. http://www.ncam-tech.com

Dieser Kinderfilm ist ein wichtiges Projekt für Deutschlands VFX-Firmen, in dem sie ihre Leistungsfähigkeit und ihr hervorragendes Zusammenspiel demonstrieren.

„Ich war angenehm überrascht, wie geschmeidig auf der VFX Seite alles gelaufen ist. Deutschland hat gebündelte VFX Power“, freut sich  Frank Schlegel (VFX Supersivor, hat die fünf Firmen Chimney, Scanline, Mackevision, Riseund Trixter koordiniert).

Frank Schlegel (Production VFX Supervisor), Foto©FMX 2018, Dominique Brewing und Luzie Marquardt

Über neun Jahre lagen die Entwürfe zu den Visuals in der Schublade, bis ihre Zeit gekommen war. Nun läuft der Film auf den Leinwänden und ist ein Kino-Leckerbissen für die Familie. „Dafür war viel Mut von Seiten der Produktion notwendig, um ein Projekt in dieser Größenordnung stemmen zu können. Die Qualität ist absolutes internationales Spitzenniveau“, meint Jan Adamczyk (VFX Supervisor Trixter).

Jan Adamczyk (VFX Supervisor Trixter), Foto©FMX 2018, Dominique Brewing und Luzie Marquardt

Gemeinsam mit ihm und Frank Schlegel führen wir ein Gespräch über die Kooperation innerhalb der Branche, die digitalen Charaktere und warum die deutsche Filmbranche mehr „positiv verrückte Leute braucht“.

 

Zum Film: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Ein Klassiker, das Kinderbuch von Michael Ende aus dem Jahr 1960 ist eines der beliebtesten Kinderbücher im deutschsprachigen Raum. Das Buch selber wurde einige Male prämiert und die Augsburger Puppenkiste hat sich der Geschichte gleich zwei Mal zugewandt. Direkt nach dem Erscheinen noch in Schwarz Weiß und keine 14 Jahre später 1976 in Farbe. 1999 wurde eine 52 Folgen dauernde Zeichentrickserie entwickelt und am 29. März 2018 kam die Realverfilmung in die Kinos.

Zur Autorin:

Katja Schmid begann als Filmemacherin in den DEFA-Studios für Trickfilme. 1993 erhielt sie ihr Diplom als Kamerafrau von der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Als Kamerafrau, Digital Artist und Editorin hat sie über 50 Film- und Medienproduktionen mitgestaltet. Seit 2004 ist sie als Professorin für Visual Effects and Postproduction an der HdM tätig. Von 2006-2011 kuratierte sie die Digital Cinema Conference, den Tech Track Stereoskopie sowie die Junior Paper Session der FMX. Von 2014 bis heute ist sie verantwortlich für das VEGA CAMP an der Hochschule der Medien. Ihre Forschungsgebiete sind Lichtfeldtechnologie und Wide Gamut.

Zum Ton:

Peter Ruhrmann trägt den Titel des Ingenieurs für Audio visuelle Medien. Er arbeitet mit Studierenden an VFX Medien Produktionen und zeigt sich verantwortlich für kreative technische Lösungen bei Herausforderung innerhalb der Produktionen. Außerdem entwickelt und wartet er seit 2006 die technische Infrastruktur des VFX Departments an der Hochschule der Medien. Peter Ruhrmann ist zertifizierter Nuke Trainer durch Foundry und fxphd. Seit 2008 unterrichtet er das Fach Compositing.

Zur Kamera:

Patricia Birnfeld studiert an der Hochschule der Medien Stuttgart im Studiengang Audiovisuelle Medien (Bachelor).

Text, Interview: Katja Schmid

Ton: Peter Ruhrmann

Kamera: Patricia Birnfeld

left to right: Patricia Brinfeld, Prof. Katja Schmid, Jan Adamczyk, Peter Ruhrmann auf der fmx 2018

Beitrag von Prof. Katja Schmid

 

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