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Monthly Archives: Dezember 2012

Video Installation „Spiegelbilder“ von urbanscreen

©urban-screen_spiegelbilder_011

Urban Screen hat in der Krypta des Bremer Doms am 21-23.05 2009 eine Videokunstinstallation platziert.


Hier in dieser Installation wird auf stille und kontemplative Art über mediale Überflutung und Vielfalt gesprochen. Der Ort, die Krypta des St. Petri Doms in Bremen und der Anlass, der Evangelische Kirchentag bieten sich für eine medienkritische Installation an.

Es geht um die Schaffung und auch Erhaltung einer Position des Menschlichen, des Subjekts innerhalb der modernen digitalen Zeiten. Dieses Thema werfen wir in den Studioproduktionen auch vereinzelt auf, Medienethische Kongresse behandeln die Thematik genauso vertiefend wie die Philosophie, die Bildwissenschaft und -Theorie. Ein aktuelles Themenfeld.

Spiegelbilder | videoinstallation from urbanscreen on Vimeo.

Die Installation Spiegelbilder dauert ca. 25 min. Ein langsam im Kreis rotierender, an der Decke installierter Beamer, strahlt auf eine, mit einer rund geschwungenen Achse verbundene, Mattglasscheibe. Der Mensch steht im Mittelpunkt, weiss gekleidet und gefasst. Für diese Aufnahmen wurden die Performer Tina Havers, Mimi Jeong, Constantin Georgescu und Marco Jodes engagiert. Sie treten in den Bildträger hinein, bewegen heraus, manchmal gehen sie mit der Kreisbewegung, manchmal beschleunigt einer oder verlangsamt das Tempo. Sie stehen nah an der Kamera, weiter weg, überkreuzen die Wege, stehen im Hintergrund oder erscheinen übergross.




Die endgültige Installation umfasst noch weitere hochkant gestellte, rechteckige Leinwände. Schwarz weisse Filmaufnahmen zeigen Bewegung. Die Kamera steht auf Strassenpflasterniveau. Es sind unscharfe, verschwommene und teils überbelichtete Aufnahmen. Sie sind nicht zufällig an den Wänden, im Aussenbereich der Krypta installiert. Sie erscheinen wie flüchtige Erinnerungen, Traumbilder, Szenen, die nicht wahrgenommen werden, aber als Stückwerk vor dem innen Auge ablaufen. Randbilder und Impressionen.

Eine lange, schmale, rechteckige, auf Kopfhöhe angebrachte Projektion verbindet die Elemente. Menschen in kleinen Grüppchen, Spaziergänger, aufgenommen aus grosser Ferne, wandern am Betrachter vorbei. Sie gehen, spazieren durch die Natur. Sind sie nur Sonntagsspaziergänger, Pilger oder eine Schulklasse auf Wandertag? Das weiss der Betrachter nicht. Es sind die Menschen im Allgemeinen, in Bewegung begriffene, deren Innenleben verborgen ist.


Mit wenigen gestalterischen Mitteln wird gearbeitet. Urban Screen reduzieren die Aussage auf das Wichtige, beschränken sich sehr gekonnt auf das Wesentliche und schaffen ein stilles und einleuchtendes Werk.
Auf die Frage wie so etwas verkabelt wird antwortet Urban Screen: „garnisch. Player is onboard, und kann via Infra rot oder wlan gesteuert werden. strom über 240v schleifring.“
Die Tests wurden auf VIMEO veröffentlicht.

Video installation „Spiegelbilder“ TEST from urbanscreen on Vimeo.

https://vimeo.com/4478623


Alle Screenshots stammen aus den Videos und sind Eigentum von urban Screen. ©Urban Screen
Länge: 25min.
Art Direction: Thorsten Bauer
Produktion Assistant: Jonas Wiese
Performer: Tina Havers / Mimi Jeong / Constantin Georgescu / Marco Jodes
Produziert von urbanscreen.com
Unterstützt durch naumedia.de

Lawine Torrèn und Hubert Lepka auf dem Szenographie Festival Stuttgart 2012

lawine-torren_hannibal_07


Hubert Lepka, künstlerische Leiter der Theatergruppe Lawine Torrèn stellt auf dem diesjährigen Szenographie Festival in Stuttgart einige Arbeiten vor. Es tritt eine Mischung aus in die Jahre gekommener Pennäler, verbunden mit dem flachs- und dünnhaarigen Nordlichtideal, der in den Kinderjahren seine Zahnspange verabscheute, auf die Bühne. Es ist Hubert Lepka und der erklärt in einer unnachahmlich verhuschten und fahrigen Liebenswürdigkeit seine massiven Theaterinszenierungen auf und in den Bergen.
Seine Vortragsweise lässt einen Blick in die fantasievolle Gedankenwelt zu, der es an Gedankensprüngen, -verweisen und Assoziationen nicht mangelt. Er wird als Junge lange und ausdauernd von Betonmischmaschinen oder anderem schweren und lautem Gerät gestanden und die schiere Urgewalt der Funktion bewundert haben. Vielleicht wird bei jeder Explosion und jedem Feuerwerk ein Leuchten in den Augen getreten sein, vielleicht nicht. In seinen Inszenierungen jedoch mangelt es nicht an maschineller Kraft und pyrotechnischer Schönheit, die mit einer unverstellten, mitreissenden Wucht offeriert wird.


Der Raum ist der Berg, der Pass, der Gletscher, wenn es weit oben ist, oder wenn es sich im Urbanen abspielt, dann auf ähnlich nur artifiziell gestalteten, archaischen Umgebungen. Die Bühne ist vorhanden, bestehende Natur oder Eine, die bald dort hin zu finden hat. Es werden schwere Maschinen eingesetzt, Grössenverhältnisse gebrochen und die Perspektive des Zuschauenden herausgefordert. So wie zum Beispiel bei dem Theaterstück Hannibal, irgendwann mal um 2004 entstanden und zwischen 2009 und 2013 mehrmals aufgeführt.

Die Geschichte ist die Hannibals, der mit einer Armee von mehr als 60.000 Soldaten, Elefanten und anderem schweren Geschütz über die Alpen Richtung Rom zog. Auf dem Weg dorthin ist er dann verschwunden und keiner weiss so recht, wo er über die Alpen gekommen ist und was sonst noch geschah.

Eine Sage, eine Geschichte, ein Mythos, vielleicht Geschichte: nicht mehr nicht weniger.
Zitat von der Website: eine donnernde und gleichzeitig feinfühlige choreographie von pistenbullys, flugzeugen, helikoptern, motorcrossmaschinen, skidoos, fallschirmspringern, skiläufern und tänzern, alles zusammen mehr als 300 mitwirkende, die gemeinsam mit bislang ungesehenem lichtdesign, eindringlicher musikkomposition, breaking news von karthago-TV und szenischer pyrotechnik die antike geschichte neu entstehen lässt.

Es ist ein Gletscherschauspiel in Sölden. Die Besucher müssen sich warm anziehen und wenn sich der Berg zuzieht, dann gibt es auch mal kurzfristig oder längerfristig nicht viel zu sehen. Die Distanzen von einem Spielort zum nächsten sind nicht überschaubar und werden durch Videoübertragungen auf beweglichen Videowalls abgebildet. Es werden live Bilder und vorproduzierte Videos gezeigt. Ausserdem gibt es immer eine Bewegtbild Schiene, die die gesamte Spielzeit umfasst und auf Grossbildschirme gespielt wird. Darüber erhalten die Schauspieler in ihren entlegenen, teils schwer einsehbaren Bühnen, Regieanweisungen. Wenn der Film dies oder jenes zeigt, dann ist das ihr Einsatz. Eine hervorragende Regielösung, man spart sich die meterlangen Papierskripte mit Zeit-, Raum- und Handlungsanweisungen. Die Zeit ist etwas unscharf, aber das korrespondiert mit den Distanzen.


Die eingesetzte Technik ist atemberaubend und zum Glück passt der Ausdruck zum Panorama, wenn denn der Himmel blau ist. Alles muss in die lichten Höhen transportiert und installiert werden. Stromgeneratoren, Intercomanlagen, TÜV, Sicherheit, Kabelschienen, Kameras, Kabelträger vor Ort, Livemonitoring, Sound, Lichtequipment. Die Schauspieler agieren mit Skidoos, Pistenwalzen, Helikoptern, Booten (ist ja Hannibal nicht vergessen!), stehen auf Eistürmen und bewegen sich durch Eisskulpturen, die nicht nur erdacht sondern auch irgendwann einmal gemacht werden müssen. Mit anderen Worten: es geht zur Sache. Was Werner Herzog für den Dokumentarfilm tat, das ist Lawine Torrèn für die Szenographie.

Alle Photographien stammen von der Website Lawine Torrèn und werden dort in der Pressesektion angeboten. Ich habe sie gescreenshooted, weil dann gleich der Verweis zum jeweiligen Fotograf beinhaltet ist.