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Spazio Punch- Out of Controll in Venice” von Egill Saebjörnsen

Auf der Insel Guidecca, ziemlich weit hinten, kurz vor dem Hilton Resort findet sich in den Hinterhöfen eines ehemaligen Fabrikgeländes versteckt der Isländische Pavillon. Der Künstler Egill Saebjörnsen bespielt 2 Hallenwände mit einer 15 minütigen Animation. Zwei Isländische Trolle Ūgh und Bõögâr verspeisen Biennale Besucher und reden klug über die mannigfaltige Menschenkost. 

Zum Künstler.

Egill Saebjörnsson lebt seit einigen Jahren sowohl in Berlin als auch in Reykjavik, Island. Der 45 Jährige wurde 1997 am Isländischen College of Arts und Crafts, heute Akademie der bildenden Künste, Island graduiert. Ein Jahr studierte er an der Universität Paris, St. Denis.

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Abb. 01: Der Innenraum des Isländischen Pavillons wird auf zwei gegenüberliegenden Seiten von den Trollen Ūgh und Bõögâr bespielt. Photography@Ursula Drees mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers

Er schreibt auf [1]seiner Website, es geht in seiner Kunst um die Verbindung mentaler und physikalischer Tatsachen. Mentale Tatsachen lassen sich nicht gut erklären. Was ist das? Was denkt der Mensch? Was geschieht? Wie geht ein Künstler mit diesen Fragen um? 

Egill Saebjörnsen erzählt die Geschichte der Trolle mit vielen Medien wie z.B. mit Animationen, Photografien, Illustrationen, Skulpturen, Zeichnungen, Geschichten, in Ausstellungen, Interviews, Social Media Kampagnen, durch Merchandzingartikel und Musik. Er erschafft eine Wirklichkeit. Das Kennenlernen beschreibt er in einem frohgemut illustrierten Buch. Er entwickelt eine ganze Reihe von Produkten, so wie es in der heutigen Gesellschaft üblich ist, wenn etwas Einzigartiges vermarktet wird.Musik, Kleidung, Eau de Toilette, Kunst. Auf dem Internet wird eine Croud Funding Campagne für den Duft gestartet, Music kann als LP gekauft oder downgeloadet werden, das Buch steht zum Verkauf, eine Social Media Site deckt mit Bildern und ergänzenden Geschichten die Reise der Trolle ab, Werbung im Radio und TV, im Pavillon direkt gibt es Nagellack, Einkaufsbeutel, selbstgetöpferte Kaffeetassen mit Untertassen oder Pappbecker mit den Trollen als Bild. All diese Dinge manifestieren die Exitenz der Trolle. 

Die Trolle werden mit Dingen und Ideen in der Wirklichkeit vertreten und das gipfelt in einem Pavillion auf der Biennale in Venedig. Dort schenkt der Künstler den Trollen ein Haus. Es ist eine Fabrikhalle, die dem Besucher einen Zugang zum Kopf der Trolle gibt. Wir sind uns einig, dass niemand einen Troll je sah, geschweige denn, hörte oder länger beobachtete. Die Trolle finden als Videoprojektionen ein Gesicht. Endlich sieht der Betrachter wie sie aussiehen, Hautfarbe, Gesichtszüge, mimisches Verhalten. Und er hört die Trolle sprechen und schmatzen und kauen. Die mentale Wirklichkeit wird durch Repräsentaten des Kommerzes und der Kunst zu einer physikalischen Tatsache.  

Was bewegt den Künstler Trollen ein Leben zu schenken?

Egill Saebjörnssonwird in einem Bericht mit dem [2]Guardian von Hannah Ellis-Petersen zitiert. „Er betrachte in seinem Leben Trolle als echte Figuren“ und erzählt, dass er und sein Bruder schon vor 30 Jahren in einer Vorstellungswelt Trolle willkommen hießen. Sie würden dies immer noch machen. Es ist eine Form der Realitätsflucht, kann vermutet werden, es ist vielleicht nur ein lange andauernder Tagtraum. Aber vor allem ist es Phantasie. Egill Saebjörnsson empfindet das Leben von Zeit zu Zeit anstrengend und einschränkend genug. Jeder hat seine Rolle zu spielen, muss sich anpassen und das kann mühselig sein. Ein bisschen Realitätsflucht durch Tagträume schadet nicht. Es ist ein Ausbruch, nicht mehr als ein Spiel und manchmal finden sich für Lebensherausforderungen Lösungen. So entwickelt er über Jahre eine Biographie für die Trolle. 

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Die Geschichte der TrolleŪgh und Bõögâr, der Beginn.

Abb. 02: Buchcover von Egill Sæbjörnsson(2017): When Egill met the Trolls and took them to Venice, Argobooks.

Es ist ein konzeptgetriebenes Kunstereignis. So ist es verständlich, dass der Betrachter die zeitliche Entwicklung der Trolle nachliest und erforscht.  Es beginnt mit Egill Saebjörnsson´s Erzählung „When Egill met the Trolls and took them to Venice“. Wie ist es mit Trollen in Kontakt zu sein? Wie sind sie eigentlich, was bewegt sie? Sind sie gefährlich oder liebenswert? Wie sehen sie aus? Mit diesem Erfahrungsbericht beschreibt er seine Begegnung mit Ūgh und Bõögâr.

[3]Über Ūgh und Bõögâr, weiß die Öffentlichkeit wenig. Nicht mal ihr Alter oder Herkunft sind geklärt. Manche behaupten die Beiden wären aus Lava. Selbst der Künstler weiß nichts Genaues. Es gibt Gerüchte, sie seien vor langer Zeit ganz normale Menschen gewesen. Doch durch großes Leid, die zu Traumata wurden, zogen sie sich von allem zurück und wurden Trolle. Sie hausen in einer Höhle und benehmen sich außerordentlich schlecht. Wie ungezogene Kinder. Ihr Leben hat sich in den letzten 1000 Jahren nicht geändert. Sie rülpsen, furzen und fressen sich durch die Tage. Und eines Tages treffen sie auf Egill Saebjörnsen. Anfangs wollten sie ihn sofort fressen, aber da sie von ihrem Lebenswandel gelangweilt sind, entscheiden sie, ihn zu fragen, ob er ihr Freund werden wolle (um ihn später zu fressen). Sie hatten noch nie einen Freund. Bei den ersten Begegnungen redet Egill Saebjörnsen in ihren Ohren jede Menge dummes Zeug, aber als sie ihn in seinem Atelier besuchen, mögen sie, was er macht. Die ganze Sache mit Farbe, Kameras, etwas bauen, formen, zeichnen. Das wollen sie auch! Musik aufnehmen, Performances inszenieren, Interaktionen hervor rufen und probieren, was noch möglich ist. Ziemlich bald hat Egill Saebjörnsen keine Zeit mehr. Er geht den Trollen zur Hand, beaufsichtigt sie und hilft. Das Studio wird voller und voller: Video Installationen, Kunstwerke, Skulpturen, Malereien – was auch immer. Wohin nur mit den ganzen Arbeiten, der Platz wird knapp! 

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Abb. 03 und 04: Illustrationen aus dem Buch “When Egill met the Trolls and took them to Venice” als Teil des Isländischen Biennale-Beitrages „Out of Controll in Venice“. Courtesy and copyright the artist and i8 Gallery

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Mit der Zeit finden die Arbeiten von Ūgh und Bõögâr sein Gefallen. Die Beiden sind recht groß gewachsen, 36 Meter hoch, sie sprechen Trollisch, aber reden mit dem Künstler in einer Sprache, die dem Englischen sehr nahe kommt. Da stimmt weder Grammatik, noch die Rechtschreibung, die Worte und die Betonung. Aber es reicht, um sich verständlich zu machen. Ihr Temperament ist gewaltig. Immer wenn etwas fehlt oder nicht ganz in ihrem Sinne ist, werden sie ungeduldig, launig, manchmal weinen sie sogar. Sie sind außerdem eifersüchtig und folgen Egill auf Schritt und Tritt; beobachten ihn bei allen Handlungen: wenn er in die Stadt geht, schläft, spaziert, trinkt und isst. Und eines Tages finden sie heraus, dass er eine Ausstellung plant. Das wollen sie auch. Eine Ausstellung, ja! Egill erkennt unmittelbar, dass die Trolle nicht zu stoppen sind.

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Abb. 05 und 06: Illustrationen aus dem Buch “When Egill met the Trolls and took them to Venice” als Teil des Isländischen Biennale-Beitrages „Out of Controll in Venice“. Courtesy and copyright the artist and i8 Gallery

Er zermartert sich den Kopf abends im Bett, nachts, morgens und eigentlich zu jeder Tageszeit wie er mit dem Wunsch der Trolle umgehen kann. Und nach einer Woche kommt ihm die Idee, dass Ūgh und Bõögâr an seiner Statt ausstellen mögen. Was nur würden sie zeigen? Egill sieht seine beiden Trollfreunde so aufgeregt wie nie zuvor. Es ist ihre erste Ausstellung. Man stelle sich das vor! Die Beiden arbeiten Tag und Nacht. Sie unterbrechen nur, um in den Lavabergen Touristen zu fressen. In diesem besagten Sommer kommen besonders viele nach Island, so zumindest berichtet das Touristenbüro. Und gleichzeitig steigt die Anzahl der „Lost and Dead People“. 

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Abb. 07 und 08: Illustrationen aus dem Buch “When Egill met the Trolls and took them to Venice” als Teil des Isländischen Biennale-Beitrages „Out of Controll in Venice“. Courtesy and copyright the artist and i8 Gallery

Trolle sind alt und können sich in alles verwandeln: Lava Spalten, Vulkane, wuchtige Meereswellen, gefährliche Stürme, undurchdringliche Nebel…. Die Liste ist lang. Touristen verschwinden und kommen nicht wieder. Trolle können sich sogar in einen Hammer oder eine Milchkanne verwandeln. Sie sind TRANSFORMER, FORMWECHSLER. 

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Abb. 09: Egill, Ūgh and Bõögâr. Photo: Achilleas Gatsopoulos . Courtesy and copyright the artist and i8 Gallery

Sie lernen in Kaffeehäusern zu sitzen, Espressos oder Mineralwasser zu trinken. Genau wie richtige Künstler. Das Mineralwasser läßt sie laut rülpsen und der Espresso löst Lachkrämpfe aus. Sie wollen MEHR und MEHR! Die meiste Zeit verbringen sie in Berlin und Island. Für Trolle ist Reisen eine einfache Angelegenheit, sie überqueren den Ozean mit nur zwei Schritten. 

Mit der Zeit nimmt die Ausstellung Form an und kurz vor der Eröffnung erfährt Egill, dass er Island auf der Biennale in Venedig 2017 vertreten dürfe. In den Trollen keimt Eifersucht auf und das bringt Egill in große Schwierigkeiten. Die Beiden wollten plötzlich zur Biennale. Es wird täglich schlimmer, sie weinen so viel, dass Egill nur noch mit Regenschirm in sein Studio gehen kann. Ihre Tränenbäche überschwemmen das Atelier. Sie sind außer Kontrolle. OUT OF CONTROLL. Ūgh’s riesige Warzennase wird kleiner und kleiner. Ūgh hat Angst, dass sie eines Tages abfällt. Das jedoch kann nur verhindert werden, wenn er in Venedig ausstellt. Zu guter Letzt überlässt Egill den Trollen die Biennale. Und wie aufgeregt sie sind!  Zu diesem Zeitpunkt bekommen die Isländischen Medien und Zeitungen Wind davon. Egill wird zu Sitcoms, Talkshows und in die Nachrichten eingeladen. Alle wollen wissen, was seine Trolle machen würden. Seine Antworten sind ausweichend, auch er hat keine Ahnung. Würden es Skulpturen, soziale Interaktion, Video, Malereien? Was nur lassen sich Ūgh und Bõögâr einfallen?

Trolle in Venedig.

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Abb. 10: Der Isländische Pavillon empfängt Besucher im Cafe Photo@Instagramm-ristorantetheatro

Die Trolle reisen nach Venedig und mit ihnen Egill. Das Isländische Kunstzentrum berichtet, der SWR bringt einen Radiobeitrag, und auch das SWR Fernsehen läd ein. [4]art_das Kunstmagazin veröffentlicht ein Exklusivinterview mit den Trollen. Das kommt einer Sensation gleich! Die Kuratorin [5]Stefanie Böttcher, Direktorin der Kunsthalle Mainz kennt den Künstler seit einigen Jahren und auch die Trolle. Sie berichtet, dass Trolle zur Isländischen Kultur gehören. Sie existieren am Rande der Gesellschaft, finden keinen Platz, keinen Raum in der heutigen Zeit. Es gibt jedoch erstaunlich viele Trolle und es werden mehr. Allein jene, die im Internet ihr Unwesen treiben. Wieviele sind es? 

OUT OF CONTROLL(überall schmuggeln sich TROLLE ein). Die Trolle ganz real.

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Eine Sensation: zwei Trolle auf der Biennale. Der Besucher betritt das ehemalige Fabrikgebäude auf der Insel Guidecca und steht er an einer Kaffeehaustheke in angenehmer Dunkelheit und rotem Licht. Für nur 60 Cent wird Kaffee aus Pappbechern mit dem gezeichneten Konterfei von Ūgh oder Bõögâr oder in Trolltassen, aus Ton getöpferten Pötten, jede anders und alle unperfekt, ausgeschenkt. Außerdem gibt es Trollnagellack, [6]Trollparfüm von dem Berliner Parfümier Geza Schön, Trollbadges, ein Trollbuch, Trollmusik, Troll T-Shirts, Trolljutetaschen und noch einiges mehr zukaufen. 

Abb. 11: Die Trolle kommen nach Venedig. Die Photographie wurde mit Handykamera im Isländischen Pavillon gemacht und ist Teil der Animation. Photo@Ursula Drees mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers.

Auf hölzernen Stiegen geht es hinter dem Café hoch: Stockwerk eins, zwei und drei. Manchmal steht ein Plattenspieler in einer Ecke, Sitzmöglichkeiten aus Spanholz laden zum Sitzen ein und immer sind an den Wänden Aussparungen für den Kopf eingelassen. Einige sind unten für Kinder, andere höher für Erwachsene plaziert. Wer hindurch schaut, blickt in eine große Halle. Licht kommt von Projektionen. Meistens ist es ein Trollkopf mit langer, in den Raum greifender, warziger Nase. Dort wo der Besucherkopf ist, kann, wer auf die andere Seite geht, den anderen Troll in Augenschein nehmen, natürlich mit einer ebenso langen, krummen und wulstigen Nase. Sie unterhalten sich über ihre Interessen: schmatzen, rülpsen und fressen immer mal wieder Touristen. So bewegt sich der Besucher auf 3 Stockwerken durch den Kopf des Trolls.

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Abb. 12: Die Trolle kommen nach Venedig. Die Photographie wurde mit Handykamera im Isländischen Pavillon gemacht und ist Teil der Animation. Photo@Ursula Drees mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers.

[7]Es geht derb zu. Amerikaner haben einen hohen Zuckergehalt und das wiederum verursacht Blähungen. Ob diese gern gegessen werden oder nicht, geht in der Nuschelei unter. Übrigens hat der Künstler einen Soundtrack namens „Scram“ mit den Trollen aufgenommen. Unter https://soundcloud.com/user-52295592/12-scream-digital-masterkann ein Stück gehört werden, die Langspielplatte gibt es im Kaffee zu kaufen. Es ist ein wahrhaft beängstigendes Geschrei und trollwürdig. Auch sprechen sie über Sauerkraut, Tinder ist definitiv besser als Twitter. Sie verwandeln sich mit Face Warp in die Mona Lisa, Margret Thatcher oder Donald Trump. Mitgefühl zeigen Trolle nicht. Die Dunkelheit ist angenehm, nicht nur für die Trolle, auch für Besucher. Mit einem 15 minütigen Video / Projection Mapping werden die Gedanken der Trolle erzählt. 

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Abb.13: Im Isländischen Pavillon verwandelt sich ein Troll Donald Trump. Photographie: David Levene für den Guardian

Die Kucklöcher erscheinen als Brandlöcher oder Warzen, sie sind außen geschwärzt und unregelmäßig auf der Wand verteilt. Große Nasen aus Pappmaschee ragen unförmig in die Halle hinein. Eine dieser Nasenaufbauten wird durch eine Säge geteilt. Ein eigentümliches Accessoire, vergleichbar mit einem Nasenpiercing, nur größer und archaisch, eben trollig. Die Nase des anderen Trolls kommt ohne Requisit aus. Auf den Hallenwänden sind vereinzelt Spiralen oder runde Formen als Halbrelief angebracht. Die flankierenden Seiten, Decke und Boden ohne Projektion weisen keine Bearbeitung auf. Animationen stellen eine Kombination aus photographischen und gezeichneten Stand- und Bewegbildern dar. Es wird die Geschichte der Trolle erzählt: Ankunft, Handeln, Gedanken, tollischer Zeitvertreib.

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Abb. 14 und 15: Die Trolle kommen nach Venedig. Die Photographie wurde mit Handykamera im Isländischen Pavillon gemacht und ist Teil der Animation. Photo@Ursula Drees mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers.

Wenn die Trolle in Venedig ankommen, so der Video, verdunkelt sich der Himmel, es regnet in langen schwarzen Schlieren, dann wird die Szenerie in ein kräftiges Rot getaucht. In diesem Bildern ragen die Anbauten, die sich später als Trollnasen entpuppen, noch unmotiviert aus der Wand heraus. Sie durchkreuzen die Animationen und so recht weiss der Betrachter noch nichts mit ihnen anzufangen. Gehören sie zu den schwarzen Schlieren? Oder sind es von oben abgehängte Riesen-Spagetti oder Trollsabber? Der Markusplatz, der Canale Grande mit venezianischen Prachtbauten am Ufer ziehen als zwei dimensionale Zeichnungen vorbei, wobei ab und an eine unförmige Hand, begleitet von der bekannten Trollnase und Trollkopf in Schwarz als Silhouette einen oder mehrere Touristen aus dem Leben ziehen und frühstücken. Es ist eine Fingermalästethik, eher unförmig, grob, auf das Wesentliche beschränkt. So malen Trolle. Auf dem Markusplatz werden die Touristen aus Kaffeehausstühlen direkt in den Schlund befördert. Dort lodert ein wildes animiertes Feuer. Die Trolle sind OUT OF CONTROLL.

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Abb. 16 und 17: Die Trolle kommen nach Venedig. Die Photographie wurde mit Handykamera im Isländischen Pavillon gemacht und ist Teil der Animation. Photo@Ursula Drees mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers.

Die Trolle zeigen sich höchstpersönlich. Einer ist Blau, der andere Grün. Trollaugen liegen unter dicken buschigen, bösartig nach oben gezogenen Augenbrauen, eine monströse Nase schließt sich an. Sie ist so riesig, sie ragt in den Raum hinein. Der menschliche Mund befindet sich schräg versetzt im Gesicht, nah an der Hallentür. Dort kommen vereinzelt Besucher hinein und heraus. Immer eine gute Gelegenheit sie zu schnappen und zu verspeisen. Videos werden in das Standbild montiert. Die Lippen sind schwarz und der geöffnete Mund legt Vampir ähnliche Eckzähne in einer schwarzen Mundhöhle frei. Und dann geht es direkt in das Innere eines Trollmagens. Rote Hackfleischblasen, Shrips, glänzende Leber vereinen sich zu einer Innereien-Masse und ergeben ein wunderbar abstoßendes, rotes Geblubber. Der Magen ist riesig, denn die Projektion wird auf die Bodenfläche erweitert. Beide Trollmägen vereinen sich zu einer großen, roten, glitschigen Masse.

Erneut ändert sich die Animation. Erst auf einem weißen, dann gelben und schlussendlich auf einem ultramarinblauen Hintergrund tanzen grafische Zeichen wie beispielsweise Miniaturtrolle, Hashtags, Buchstaben, kleine Sägen und abgeschnittenen Warzennasen in Stufenform über die Wandfläche. Ob das ein Verdauungsvorgang ist? Möglich ist es, denn die Bildserie endet in einem schwarzen Tunnel. Was das zu bedeuten hat, kann der Besucher auch ohne schriftliche Erklärung erraten. 

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Abb. 18 und 19: Die Trolle kommen nach Venedig. Die Photographie wurde mit Handykamera im Isländischen Pavillon gemacht und ist Teil der Animation. Photo@Ursula Drees mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers.

Die Handschrift der Animationen ist denen von Trollen würdig. So zumindest stellt sich Egill Saebjörnsson die künstlerischen Fertigkeiten seiner Freunde in den Bereichen Zeichnung, Illustration, Animation, Montage, Schnitt und Audio vor. Es ist ein wenig von allem, die Stile wechseln ohne Rücksicht auf Anmutung, die Farben sind saturiert, Farb an sich Kontraste, Hell und Dunkel Kontraste: alles ist miteinander vermengt. Feingliedrigkeit kann von Trollen nicht erwartet werden, sie sind ursprünglich, arbeiten wie Kinder. Trolle gehen nicht auf Kunstakademien. Trolle haben tiefe Stimmen, nuscheln und sind schwer verständlich. 

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Abb. 20 und 21: Die Trolle kommen nach Venedig. Die Photographie wurde mit Handykamera im Isländischen Pavillon gemacht und ist Teil der Animation. Photo@Ursula Drees mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers.

Die Bild- und Audiowelten sind phantasievoll, kindlich und vielleicht naiv zu nennen, die Farb- und Formvielfalt wirkt erheiternd und leichtfüßig. 

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Abb. 22 und 23: Die Trolle kommen nach Venedig. Die Photographie wurde mit Handykamera im Isländischen Pavillon gemacht und ist Teil der Animation. Photo@Ursula Drees mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers.

Die Botschaft.

Egill Saebjörnsen projiziert Gedankengut auf Objekte der Realität und lässt sie zur Einheit werden. Menschen werfen in einem steten Gedankenfluß Ideen auf die Welt, ebenso wie die Welt durch Sinne erfahren wird. Mit Humor und Phantasie erzählt Egill Saebjörnsson über mentale Tatsachen und entwickelt Geschichten. Er zeichnet, malt, projiziert, installiert, arrangiert, inszeniert, performed und benutzt die bekannten verfügbaren medialen Kanäle als Leinwand. 

[8]“Art is an independent species evolving together with humans”, so Egil. Kunst ist etwas Eigenständiges. Sie besitzt die Kraft den Künstler, den Menschen zu formen und umgekehrt. Es ist ein wechselseitiger Vorgang, Ursache ist gleichzeitig Wirkung und umgekehrt. In seinen Worten ist Kunst vergleichbar mit einem Wolfshund, der sich aus seinem Rudel löst, um über das Leben hinaus zu wachsen, wenn er sich den Menschen anschließt. [9]Der Künstler erkennt Strömungen und Neuheiten der Gesellschaft, des Denkens, Handelns, des Daseins und bildet sie zu einem Grad ab, dass sie einerseits das gesellschaftliche Augenmerk erringen und gleichzeitig in einer Weise verschlüsseln, dass die Botschaft nur in Teilen gelesen wird und sich so eine Faszination des Unerklärlichen erhält. Die Kunst ist jener Hund, der sein Wolfsrudel verlässt. Er bleibt Tier, aber eines, das dem Menschen bei Jagd und Leben beisteht. 

Das Bild des Hundes steht für seine Geschichten. Anfangs sind es Hirngespinste aus der Vorstellungswelt, sie werden jedoch über Jahre mit einer Entschlossenheit verfolgt und ausgearbeitet, dass sie durch die Menge der entstandenen Artefakte an Glaubwürdigkeit gewinnen. Es ist eine mentale Glaubwürdigkeit. 

Sie ist in der isländischen Natur verwurzelt. Island hoch im Norden, eine Insel knapp südlich des nördlichen Polarkreises. Es ist eine Vulkaninsel und ungefähr genauso weit von Grönland wie von Schottland oder Norwegen entfernt. Portugal, Jordanien oder Irland im Verbund mit Nordirland sind ähnlich groß. Es leben gut 340.000 Einwohner in Island und davon fast Zweidrittel im Großraum der Hauptstadt Reykjavik. In dieser Abgeschiedenheit und Isolation bedingt durch die geografische Verortung, können Mythen und Legenden gepflegt und erhalten werden. Elfen, Trolle, Zwerge und andere geheimnisvolle Wesen leben nicht nur in Stadt- und Straßennamen weiter, sie befinden sich in einer friedlichen Koexistenz mit Göttergeschichten und Religion. Zwar glauben die meisten Isländer nicht an die Wesen der verborgenen Welt, aber es ist Teil der Kultur. So verwundert es nicht, dass die zwei Isländischen Trolle Ūgh und Bõögâr einen Weg zur Kunst gefunden haben. 

Wer beobachtet wen, wer frisst wen? Wird der Besucher gefressen, fressen die Besucher die Kunst und damit auch die Trolle? Die Trolle leben nicht nur im Pavillon, ihre Schritte und Handlungen werden mit einer Social Media Kampagne begleitet. [10]Sie sind überall in Venedig. Am Markusplatz hinter dem Campanile ragt die Riesennase auf  Höhe des Turms in ein Foto, sie tauchen aus dem Kanalwasser auf, sie sind an allen möglichen Orten. Diese Trolle sind Anarchisten, sie bewegen etwas, bringen zum Lachen, auch wenn zu guter Letzt die Menschen zu Futter werden. 

Sollten sich Menschen nicht ein Beispiel nehmen? Ein Troll hat nichts zu sagen, verdient kein Geld, zahlt keine Steuern, macht keinen Sozialdienst, meldet sich nicht beim Arbeitsamt oder Einwohnermeldeamt, tut nichts für ein Bruttosozialprodukt und hat keine Lebensberechtigung. So was sollte untergehen oder zumindest aus dem öffentlichen Leben entfernt werden. Konsumgesellschaften messen Leistungen mit dem Maßstab des wirtschaftlichen Wachstums. Dort werden unablässig Wünsche und Sehnsüchte geweckt. 

Trolle scheinen ganz wild auf Bedürfnisbefriedigung zu sein, sie passen in die heutige konsumgetriebene Zeit. Diese anarchischen Wesen sind im Internet als gefährliche Trolle bekannt. Wirbeln auf und machen festgefahrene Strukturen unsicher. Was der Troll kann, können Arbeitslose, Obdachlose, Schwache, Alte, Kranke, Kinder und Desillusionierte. Was Trolle können, können die Ausgeschlossenen, die am Rande der Gesellschaft stehenden. Warum nicht etwas aus dem Gleichgewicht bringen, umwerfen, neu denken: „OUT OF CONTROLL“ zu sein. Die Trolle haben das begriffen und den Ort gefunden, wo sie das machen können. In der Kunst. 

Im Namen von Egill Saebjörnsson sind Trolle aus Island nach Berlin und dann nach Venedig gekommen. Trolle sind überall. Sie verstecken sich nicht, sie wandeln beliebig ihre Form, sie können unsichtbar sein, sie überziehen Venedig und das Internet mit ihren Hinterlassenschaften, bleiben sich bei all dem treu, trollig eben. 

Ps. Die Autorin hat im Zuge der Bildrechteklärung den Künstler Egill Saebjörnsson geschrieben und die Trolle grüssen lassen. Die Antwort ist bezeichnend: „Thank you Ursula, I read the text for Ugh & Boogar but they left after 5 mins. They have absolutly NO attention span. It’s really a problem and I have been fighting it for years. They have not really improved. It’s like trying to teach a dog to speak and say “Hello, my name is Rover”. 

Abbildungsverzeichnis: 

Abb. 01: Der Innenraum des Isländischen Pavillons wird auf zwei gegenüber liegenden Seiten von den Trollen Ūgh und Bõögâr .bespielt. Photography@Ursula Drees

Abb. 02: Buchcover von Egill Sæbjörnsson(2017): When Egill met the Trolls and took them to Venice, Argobooks.

Abb. 03 bis Abb.: 08: von Egill Sæbjörnsson(2017): When Egill met the Trolls and took them to Venice, Argobooks. Illustrationen aus dem Buch “When Egill met the Trolls and took them to Venice” als Teil des isländischen Biennale-Beitrages „Out of Controll in Venice“. 

Abb. 09: Egill, Ūgh and Bõögâr. Photo: Achilleas Gatsopoulos . Courtesy and copyright the artist and i8 Gallery; https://icelandicartcenter.is/projects/venice-biennale/egill-saebjornsson/(13.12.2017)

Abb. 10: Der Isländische Pavillon empfängt Besucher im Cafe Photo@Instagramm-ristorantetheatro

Abb. 11 – Abb.: 13: Die Trolle kommen nach Venedig. Die Photographie wurde mit Handykamera im Isländischen Pavillon gemacht und ist Teil der Animation. Photo@Ursula Drees mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers.

Abb. 14: Donald Trump als Troll im Isländischen Pavillon. Photograph: David Levene für den Guardian

Abb. 15 bis Abb. 23: Die Trolle kommen nach Venedig. Die Photographie wurde mit Handykamera im Isländischen Pavillon gemacht und ist Teil der Animation. Photo@Ursula Drees mit freundlicher Erlaubnis des Künstlers.

Quellen: 

Theodor W. Adorno, Noten zur Literatur, Gesammelte Schriften in 20 Bänden, Band 11, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main: 1984

Universie in Universe, Welten der Kunst von Pat Binder & Dr. Gerhard Haupt GbR, https://universes.art/de/about/

https://www.swrfernsehen.de/die-kunst-ist-los/-/id=100902/did=18826566/nid=100902/19am9t9/index.html(13.10.2017)
https://www.swr.de/swr2/kultur-info/kunst-biennale-venedig-islaendischer-pavillon-stefanie-boettcher/-/id=9597116/did=19527684/nid=9597116/5mpb8h/index.html(13.12.2017)

[1]http://egills.de(21.12.2017)

[2]Dieser Beitrag wurde zur Biennale in Venedig am 12. Mai https://www.theguardian.com/artanddesign/2017/may/12/biennale-trump-trolls-discuss-eating-their-venice-audience-egill-sbjornsson(23.12.2017)

[3]Ein Auszug aus der Geschichte „Wehen Egill met the Trolls and took them to Venice“ online unter http://icelandicartcenter.is/wp-content/uploads/2017/01/UghandBoogar1.pdf

[4]Das Interview mit den Trollen , mit Stefanie Böttcher, der Kuratorin und dem Autor Gunnar Lützow von art_kunstmagazin in voller Länge nachzulesen unter:  http://www.art-magazin.de/kunst/19833-rtkl-exklusiv-interview-mit-island-trollen-primitiv-nicht-immer-gut(20171215)

[5]Stefanie Böttcher kuratiert die Länderpavillons von Deutschland, Aserbeidschan und Island auf der Biennale in Venedig 2017. Sie ist Leiterin der Kunsthalle Mainz. 

[6]Es wurde eine Crowd Funding Aktion gestartet, sie ist erfolgreich beendet und erbrachte 10.727 €. Geza Schön der Berliner Parfümier hat mit den Trollen gemeinsam den Duft entwickelt. Vorsicht es stinkt nicht wie Trolle es sich wünschen, aber es beinhaltet jede Menge Magnetismus. Auf der 57igsten Biennale in Venedig wurde es verkauft. In einem auf vimeo veröffentlichen Video werden die Bestandteile des Parfums namens Noise enthüllt. Hinein kommen: Menschengruppen, Krokodile, die Mona Lisa von Leonardo da Vinci, ein Cello mit Tasche und rotem Kreuz, ein Bild von Jackson Pollock und Schrauben.  https://vimeo.com/209925161(13.12.2017)

[7]SWR2 Reporterin Susanne Kaufmann berichtet in einem Radiobeitrag am 11.05.2017 über den Isländischen Pavillon. https://www.swr.de/swr2/kultur-info/kunst-biennale-venedig-islaendischer-pavillon-stefanie-boettcher/-/id=9597116/did=19527684/nid=9597116/5mpb8h/index.html(13.12.2017)

[8]“Art is like the dog that evolved from wolves when wolves started to walk with humans.” Egill Saebjörnsson in einem Beitrag des Icelandic Art Centers vom April 2017. https://icelandicartcenter.is/projects/venice-biennale/egill-saebjornsson/

[9]„Die Kunst ist der Statthalter der Utopie“ Theodor W. Adorno. Auch Walter Benjamin und Max Frisch. Adorno verwendet das Bild des Künstlers als Statthalters in einem Vortrag über Paul Valéry mit dem Titel: „Der Artist als Statthalter“. Theodor w. Adorno, Noten zur Literatur I, S. 175 (Erdruck 1953), GS 11, S. 114

[10]Stefanie Böttcher in einem 4:53 langen Film, ausgestrahlt um 18:45 Uhr im SWT Fernsehen RP, Stand: 14.1.2017, 19.17 Uhr Quelle: https://www.swrfernsehen.de/die-kunst-ist-los/-/id=100902/did=18826566/nid=100902/19am9t9/index.html(13.10.2017)

MX3D & Joris Laarman Lab

Eine gedruckte Stahlbrücke im Zentrum von Amsterdam, die 3D Printing Technologien auf höchsten Niveau präsentiert. 

Das Forschungsprojekt begann als Laborexperiment im Jahr 2011. Zu der Zeit stand der 3D Druck in Kinderschuhen, wenngleich auch der Erfolg dieser neuen Technologie absehbar war. Dennoch wurden eher kleinere Objekte im 3 D Druck realisiert. Eine Brücke aus Stahl zu drucken darf als Idee, als Vision verstanden werden, aber ob es zu einer erfolgreichen Technologie führen würde, wusste keiner.  

3D gedruckte Fussgängerbrücke Detail©MX3D

Tim Geurtjens, CTO MX3D auf der Website: „Wir versuchen außerhalb der Regel zu denken. Wir wollen experimental sein. Wir wollen nicht mit den bis dahin bekannten Begrenzungen des 3-D Drucks umgehen. Eine funktionstüchtige lebensgroße Stahlbrücke zu drucken, demonstriert die unendlichen Möglichkeiten des 3-D Drucks. Dieses „Nach Vorne“ Denken unterscheidet uns von den anderen.“

Das multidisziplinäre Team namens MX3D entwickelte sich aus dem harten Kern der ursprünglichen Forschergruppe. Zusammen mit Joris Laarman, der sich für das Design einer solchen Brücke verantwortlich zeigt, mit dem gleichnamigen Joris Laarman Lab bildeten sie eine kreative Tech-Community. Joris Laermann selbst dazu: „Ich glaube intensiv an die Zukunft der digitalen Produktion, sie manifestiert eine neue Handwerkskunst.“

3D gedruckte Fussgängerbrücke: work in Process©MX3D

Das Unterfangen sollte als Proof of Concept verstanden werden. Die Kapazität des 3D Drucks sollte neu definiert und demonstriert werden. Die Grenzen des klassischen Bauvolumens sollten überschritten werden. Kann ein großformatiges, architektonisches Objekt hergestellt werden? Geht es ohne Stützstrukturen? Welche Materialien eigenen sich, welche Roboter und Drucker sind passend?  In mehreren Einzelteilen und Durchgängen zeigte sich, dass es möglich ist, Elemente mit Massen wie 2 x 4 x 1,5 Meter zu drucken. 

2018 wurde die 3-D gedruckte Edelstahlfußgängerbrücke realisiert und in Amsterdam fest installiert. Mit der Inbetriebnahme wird weiter geforscht. Mit Hilfe eines digitalen Zwillings werden Strukturverhalten und Bewegungen der Brücke untersucht. Dafür wurden Sensorsysteme in die Brücke verbaut und helfen zukünftig, eine der 3 D Druckverfahren geeigneten Ästhetik zu entwickeln. Das Projekt heißt MX3D und wird durch drei industrielle Multiachsenroboter, entsprechenden 3D Tools und Software hergestellt. 

3D gedruckte Fussgängerbrücke Detail©Ursula Drees

Die Gruppe befindet sich in ständiger Bewegung: recherchiert, entwickelt und verbessert ihre Technologien mit ihren Partnern, um nicht nur im Hard- und Softwarebereich, sondern auch bei Konstruktionen und Materialdruck, Neues zu schaffen. Künstler, Ingenieure, Handwerker  und Softwareexperten arbeiten zusammen und forschen an digitalen Technologien, Robotik und traditionellen industriellen Produktionsbestimmungen und -möglichkeiten.

Techniken:

Standard Robot +
Standard Welding Machine +
MX3D’s proprietary software
Speed: 1-3 KG per hour per nozzle

Ausgezeichnet mit dem STARTS Prize, gesehen auf der Ars Electronica 2018. Die europäische Kommission hat die Starts Initiative ins Leben gerufen, um die Einbindung der Künste in innovative Projekte zu unterstützen. Starts möchte die kreativen Kräfte einer  interdisziplinären Zusammenarbeit der Künste mit den Technologie nutzen, um  neuwertige, experimentelle und kreative Prozesse in und für Europa zu unterstützen. Entwicklung, Erfindung, kritische Blickpunkte und Technologien zu entwickeln, bedeutet, zu hinterfragen.

Wofür nun steht Starts? S + T für Science und Technologie, Arts für die Künste: macht zusammen Starts. Europa fußt auf Innovation, um auf der globalen Ebene und in unserer Gesellschaft bestehen zu können. Es geht um einen Mehrwert für Bürger und Arbeit. Es ist ein holistischer Ansatz, der die Starts Initiative treibt.Starts unterstützt Kollaborationen zwischen Künstlern, Wissenschaftlern, Ingenieuren und Forschern, die kreative, einbindende und nachhaltige Technologien entwickeln möchten. Ein zweites Ziel der Starts Initiative ist die Erkenntnis, daß Künstler durch ihr kritisches Denken neue Möglichkeiten eines Einsatzes für Technologien anstoßen können. Und diese Fähigkeit soll genutzt werden, damit Technologien schneller in unsere Gesellschaft eingeführt werden. 

Starts besteht aus vier Säulen. Einmal gibt es den Staatspreis der mit 20.000€ hoch dotiert wird.

Beitrag von Ursula Drees

Mehr dazu hier (MX3D)und hier (Boris Haarmann Lab).

Light Tank von Uwe Rieger (DE/NZ) und Yinan Liu (NZ)

„Light Tank“ Installation von Uwe Rieger und Yinan Liu ©Ursula Drees

Light Tank  von Uwe Rieger und Yonan Liu.  Der Mariendom in Linz eignet sich hervorragend für großräumige Installationen. Es ist ein imposantes Gebäude. Von außen, als auch von Innen, wie jeder Dom. Die Höhe, die Breite, das Gestein und die Akustik sind beeindruckend, auch ohne Installation. Light Tank ist wie alle, von Uwe Rieger geschaffenen Installationen, auf den Raum ausgerichtet. Sie ist luftig, verfügt über eine faszinierende akustische Stimmung und ist von allen Seiten zu betrachten.

Mariendom in Linz Details ©Ursula Drees

Light Tank ist eine Mixed Reality Installation. Es werden holographische Linien auf eine transparente Gerüststruktur projiziert. Diese Gerüste sind mit durchsichtigem Meshgewebe bezogen. Und wenn die Lichtlinien auf dieses Meshgewebe fallen, begreifen die Besucher, das es eine Projektionsfläche ist. Ohne Lichtprojektion erkennt man den skeletthaften Aufbau und schaut hindurch. Das Gerüst ist vielleicht zwischen 4,20 und 4,60 Meter hoch, in der Breite jeweils 3 Meter. Denn hier handelt es sich um, ein in Kreuzform aufgestelltes, Gerüst. 

„Light Tank“ Installation von Uwe Rieger und Yinan Liu ©Ursula Drees

Die Projektionen aus Linien, die mit 3 D Brille auf der Nase, als Säulen entschlüsselt werden, zitieren die Dominnenarchitektur. Sie bewegen sich ununterbrochen, entstehen, zerfallen, bleiben einen Moment und schon geht eine weitere Bewegung los. Sie werden zu einer stilisierten Gewölbestruktur mit klar erkennbarem Schlussstein als Rosette. Türkis, Rot und Weiß, mehr Farben braucht es nicht. Wenn diese Art der Entstehung vollendet ist, werden Ikonographen auf dem Meshgewebe verteilt: Buttons betitelt mit Activate, drüber Kleine in Wireframe abgebildete Quader, die wie Container aussehen, darin Elemente. Manche sehen aus wie eine Gruppe von x, andere ein einzelnes in x Form dargestelltes Ding, dann wieder nur eine Schiene des x oder aber eine Säulenform. Es sind die Bestandteile des Großen. Die Kästen um diese Miniaturzeichen verschwinden und fliegen frei über das Gewebe, als suchten sie einen geeigneten Ort. Daraus werden eine Anzahl von kreisförmigen Zeichen. Sie sind abstrakt, aber jedes einzelne ist ein Teil eines Großen, es ist eine Gattung, ein Kreis mit Winkel und kleinem Kreis, einer mit Parallele und einem Kreis, einer mit Durchmesseranzeige, andere im Aussehen wie Packmanfresser. Daraus werden große Flächen, bewegte Ausschnitte von etwas anderem. Ein steter Fluss von Klein zu Groß, vom Detail zum Überblick. 

„Light Tank“ Installation von Uwe Rieger und Yinan Liu ©Ursula Drees
„Light Tank“ Installation von Uwe Rieger und Yinan Liu ©Ursula Drees

Die Projektionen werden durch Geräusche begleitet. Vogelstimmen und entferntes Rauschen. Es kann Wind sein, es kann Meeresrauschen sein. Hört der Besucher auf eine Küste auflaufende Wellen? Ist der Wind vielleicht auch das Geräusch von Wandten? Es ist ein sphärische Musikkulisse. Sie lässt die Vorstellung wandern, vermengt sich mit den Projektionen. 

Kleine Bauteile im Schwarm mit Meer und Wind begleitet werden zu Streben, die im Zentrum zum Architektur der Kathedrale werden. Es löst sich auf und beginnt von Neuem. Ein steter Fluss aus Entstehen und Zerfallen.

„Light Tank“ Installation von Uwe Rieger und Yinan Liu ©Ursula Drees

Es ist kontemplativ, über lange Zeiträume betrachten die Besucher die Projektion.

Uwe Rieger (DE/NZ) mit Yinan Liu (NZ). Stereoprojektionstechnik auf transparente Leinwände. Unterstützt durch das arc/sec Lab for Digital Spatial Orperation an der School of Architecture and Planning der Uiversity of Auckland. Das Interface wurde in Zusammenarbeit mit dem Augmented Human Lab am Bio Engineering Institute entwickelt, das durch Assoc. Prof. Suranga Nanayakkara geleitet wird. As AHLab konzentriert sich auf Human-Computer Interfaces als natürliche Erweiterungen unseres Körpers, Geistes und Verhaltens.

Gesehen auf der Ars Electronia 2018 im Mariendom

Beitrag von Prof. Ursula Drees

WIE SOLL DER UMGANG SELBSTFAHRENDER AUTOS IN DILEMMA-SITUATIONEN GESTALTET WERDEN?

ein Beitrag von Xaver Werhahn

©Ursula Drees

Technischer Fortschritt im Bereich Computerleistung und Hardware steht kurz davor, eine Zeitenwende im Alltag der Gesellschaft einzuleiten. Es werden Möglichkeiten erdacht, Menschen von Notwendigkeiten zu befreien, den Komfort zu steigern und die Sicherheit zu verbessern. Dabei handelt es sich teilweise um mondäne Dinge, aber auch um gesellschaftlich brisante wie selbstfahrende Autos oder autonome Kriegsroboter. Die immer weiter fortschreitenden Entwicklungen von neuen und besseren Technologien besitzen das Potenzial das Leben einzelner Individuen aber auch Gesellschaften der Welt maßgeblich zu verändern. Dieses Potenzial kann, soll verwirklicht werden, aber über die Art und Weise besteht keine Einigkeit, da Lebensbereiche betroffen sind, die bisher notwendigerweise ausschließlich von Menschen geregelt wurden. Werden nur in diese Bereiche Roboter eingeführt, erhalten sie Kompetenzen, die die Maschine potenziell über Leben und Tod der Menschen entscheiden lassen, deren Leben sie verbessern sollen. Die Frage, wie diese Kompetenzen ausgestaltet werden könnten, soll in diesem Essay näher erörtert werden. Konkret geht es darum, wie der Umgang selbstfahrender Autos mit Dilemma-Situationen geregelt werden soll. Wenn die Entscheidungshoheit von Mensch auf Maschine übergehen soll, brauchen die Maschinen klare Verhaltensregeln, um das Wohl der Menschen auch in solchen Situationen zu gewährleisten. Mit der Aufstellung von dieser Art von Verhaltensregeln beschäftigen sich derzeit viele verschiedene Ethiker*innen. Drei Positionen haben sich dabei bisher durchgesetzt: 

  1. Konsequentialistisch (Nutzen- bzw. Kostenhierarchie)
    1. Deontologisch (Pflichten / Verbote)
      1. Hybrid (Pflichten / Verbote, die bei Bedarf durch Kostenhierarchie ersetzt werden können)

Die Konsequentialistische Position schreibt Zuständen Kosten zu und versucht, allgemein gesprochen, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Ob in Dilemma Situationen die Priorität auf dem Wohl der Fahrerin oder dem der übrigen Verkehrsteilnehmer*innen liegt, ist abhängig von der konkreten Ausgestaltung (J. Christian Gerdes, Sarah M. Thornton 2015: 91-92). Im Gegensatz dazu schlägt die deontologische Position vor, gewisse Regeln einzuführen, die immer gelten wie z.B.: „the vehicle should avoid collisions regardless of how abrupt the required steering might be“ (J. Christian Gerdes, Sarah M. Thornton 2015: 94). Die dritte Position ist eine Kombination aus den beiden Vorherigen. In Situationen in denen es keine andere Wahl gibt, als gegen eine der immer geltenden Regeln zu verstoßen bietet die Hybrid-Position die Möglichkeit, die Regel durch Kosten zu ersetzen (J. Christian Gerdes, Sarah M. Thornton 2015: 95). Das würde bei der oben genannten Regel zur Folge haben, dass eine Kollision nicht mehr unter allen Umständen vermieden wird, sondern dass der Kollision eine gewisse Menge an Kosten zugeteilt wird, die vermieden werden sollte. Das Problem, dem sich die verschiedenen Positionen stellen, ist, dass in Dilemma Situationen eine Entscheidung für das Wohl der Fahrerin oder für das Allgemeinwohl getroffen werden muss. Diese Entscheidung könnte in Zukunft von den selbstfahrenden Autos getroffen werden. Ich werde in diesem Aufsatz die These vertreten, dass der Entzug der Handlungsmöglichkeit für Menschen in Dilemma Situationen eine Verletzung der Menschenwürde darstellt. Das bedeutet, dass die Implementierung einer der drei genannten Positionen in selbstfahrende Autos weiterhin vorgenommen werden kann, aber dass es dabei für den Menschen immer die Möglichkeit geben muss, selber wieder die Kontrolle über das Fahrzeug an sich zu nehmen. Für die Erörterung meiner These werde ich mich hauptsächlich an dem Buch „Autonomes Fahren : technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte“ und dem Bericht der Ethikkommission „Automatisiertes und vernetztes Fahren“ aus dem Jahr 2017 orientieren. Während das erste Werk sich der Thematik eher von einem theoretischen Standpunkt nähert, wird im Zweiten mehr Wert auf die rechtlichen Aspekte von selbstfahrenden Autos und den damit einhergehenden Konsequenzen (wie z.B. Datensammlung) gelegt. Im weiteren Vorgehen wird erst ein Blick auf die derzeitige Lage geworfen. Darauf folgt eine knappe Erläuterung der oben bereits erwähnten ethischen Positionen. Weiterhin werden mehrere Dilemma Situationen miteinander verglichen und Bezug auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Luftsicherheitsgesetz genommen. So soll die These, dass der Entzug der Handlungsmöglichkeit für Menschen in Dilemma Situationen eine Verletzung der Menschenwürde darstellt, dann zum Ende der Argumentation eine, wie ich hoffe, zufriedenstellende Begründung erhalten. 

©Ursula Drees

Die kurz bevorstehende Zeitenwende ist bereits erwähnt worden. Auf einmal gelangen Möglichkeiten in Reichweite, die bis vor kurzem noch für Science-Fiction galten. Die teilweise vorherrschende Euphorie über diese Entwicklung und den Fortschritt den sie verspricht, wird allerdings durch die Belange unserer Lebensrealität getrübt. Die Tatsache, dass manche Autos mittlerweile ohne menschliche Eingriffe von Punkt A zu Punkt B zu gelangen können, reicht noch lange nicht aus, um solche Autos in Massenproduktion an die Leute zu bringen. Das liegt daran, dass die Fahrzeuge sich nicht in Isolation, sondern in einer von Menschen bevölkerten Umgebung befinden. Damit Autos in so einer Umgebung nicht einen Unfall nach dem anderen auslösen, müssen sie z.B. mit den örtlich vorherrschenden Verkehrsregeln vertraut sein. Sie müssen in der Lage sein, Gefahr einzuschätzen und entsprechend zu reagieren. Für all das wird eine sehr große Menge an Daten benötigt, die live aufgenommen und verarbeitet werden müssen. Das bedeutet, dass die jeweils aktuelle Umgebung des Autos konstant aufgenommen und verarbeitet wird. Selbst das kann aber noch nicht ausreichend sein, um dem Auto genügend Daten zur Verfügung zu stellen, wenn ein Unfall direkt bevorsteht. Da würde ein vernetztes System aushelfen, wo alle verfügbaren Autodaten gesammelt und geteilt werden, um so auch in sekundenbruchteilen die möglichen Unfallfolgen vorherzusehen. Die Sammlung von Daten der Fahrer*innen ist bereits äußerst sensibel. Es ließen sich auf diese Weise präzise Bewegungsprofile erstellen. Wird dies noch kombiniert mit einer konstanten Aufnahme und Verarbeitung der Umgebung, rückt der Albtraum des totalitären Überwachungsstaats, der alles sieht und kontrolliert, gefährlich nah. „Ob in Zukunft eine dem Bahn- und Luftverkehr entsprechende vollständige Vernetzung und zentrale Steuerung sämtlicher Kraftfahrzeuge im Kontext einer digitalen Verkehrsinfrastruktur möglich und sinnvoll sein wird, lässt sich heute nicht abschätzen. Eine vollständige Vernetzung und zentrale Steuerung sämtlicher Fahrzeuge im Kontext einer digitalen Verkehrsinfrastruktur ist ethisch bedenklich, wenn und soweit sie Risiken einer totalen Überwachung der Verkehrsteilnehmer und der Manipulation der Fahrzeugsteuerung nicht sicher auszuschließen vermag“ (Ethikkommission Bericht Juni 2017).

Mensch mit VR Brille©Ursula Drees

Mit diesen und anderen Problemen der Implementierung solch neuer Technologien beschäftigt sich die Ethikkommission. Beim Thema Daten empfiehlt sie: „Erlaubte Geschäftsmodelle, die sich die durch automatisiertes und vernetztes Fahren entstehenden, für die Fahrzeugsteuerung erheblichen oder unerheblichen Daten zunutze machen, finden ihre Grenze in der Autonomie und Datenhoheit der Verkehrsteilnehmer“ (Ethikkommission Bericht Juni 2017). Sollten all die Probleme, die mit der Implementierung zusammenhängen, tatsächlich zufriedenstellend gelöst werden, ist allerdings der Umgang mit Dilemma Situationen weiterhin ein, wenn nicht sogar der, ausschlaggebender Faktor. Hier spricht die Ethikkommission dem Schutz des menschlichen Lebens zwar die höchste Priorität zu, aber gleichzeitig gibt sie zu, dass „Echte dilemmatische Entscheidungen […] nicht eindeutig normierbar und auch nicht ethisch zweifelsfrei programmierbar“ sind (Ethikkommission Bericht Juni 2017).

What we use@Ursula Drees

Als Beispiel für so ein Dilemma soll folgende Situation gelten: man selbst befindet sich in einem selbstfahrenden Auto und es gibt keine andere Möglichkeit als entweder eine Gruppe von Kindern zu überfahren oder den Kindern auszuweichen und dann selber mitsamt Auto von einer Klippe in den Tod zu stürzen. Es lassen sich aber auch Situationen erdenken, in denen nicht direkt das Leben anderer auf dem Spiel steht. Angenommen man selbst befindet sich in einem selbstfahrenden Auto, das sich entscheiden muss von einer Klippe zu fahren oder einen Tanklaster von der Straße zu drängen. Der Tanklaster würde nun das lokale Kraftwerk in Brand setzen und so für einen weitreichenden Stromausfall sorgen, der z.B. in Krankenhäusern etliche Tode zur Folge hätte. Das Problem das all diesen Dilemma Situationen gemein ist, ist der Konflikt zwischen dem individuellen Wohl der einzelnen Person und dem Allgemeinwohl der Gesellschaft. 

Die bereits kurz angerissenen ethischen Positionen würden hier zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die konsequentialistische Position teilt allen Objekten der Umgebung Kosten zu. Je höher die Kosten eines Objekts, desto wichtiger ist dieses Objekt. Je nachdem, wie die Kostenfunktion gestaltet wird, erhält das Auto der fahrenden Person höhere Kosten als die Umgebung oder geringere. An diesen Kosten orientiert sich das Auto und folgt dem Pfad, der laut Berechnung die geringsten Kosten verursacht. Vermutlich würde die Programmierung des Fahrzeugs dem Wohl der Fahrerin höhere Kosten als der Umgebung zurechnen, so dass die Fahrerin im Zweifel überlebt. Die deontologische Position erhebt wiederum Regeln, die absoluten Geltungsanspruch haben, wie z.B. „es soll unter allen Umständen eine Kollision vermieden werden“. Diese Position würde dazu führen, dass das Auto mitsamt der Fahrerin von der Klippe fahren würde, ohne dass die Fahrerin die Möglichkeit hätte Einfluss auf diesen Prozess zu nehmen. Da dies zwar als gesellschaftlich wünschenswert gelten mag, aber möglicherweise nicht durchsetzungsfähig ist, hat sich noch eine dritte Position entwickelt, die die deontologische mit der konsequentialistischen Position zu kombinieren sucht. Diese dritte „Hybrid“-Position ist dafür gedacht, dass in Fällen, in denen die deontologische Verhaltensweise das Fahrzeug handlungsunfähig macht, wieder Handlungsspielraum erschlossen wird indem die Regel durch besonders hohe Kosten ersetzt wird. Die Regel kann das Fahrzeug nicht brechen, aber die Kosten kann es theoretisch in Kauf nehmen, wenn keine bessere Alternative erscheint (J. Christian Gerdes, Sarah M. Thornton 2015: 95). In allen Fällen liegt jedoch die letzte Entscheidung über das Leben der Fahrerin und der Kinder noch beim Auto bzw. in der Programmierung.

Man könnte meinen, dass die Gesetzgeber hier gar keine richtige Entscheidung finden könnten, allerdings wurde vor gut zehn Jahren ein Urteil vom Bundesverfassungsgericht getroffen, das auch in diesem Fall in gewisser Hinsicht richtungsweisend sein kann. Damals ging es um die Frage, ob Abschüsse von Verkehrsflugzeugen mit dem Gesetz vereinbar wären. Auch hier handelt es sich also um eine Abwägung zwischen dem Wohl der Einzelnen (Flugzeuginsassen) und dem Allgemeinwohl (direkte oder indirekte Todesopfer). Das Bundesverfassungsgericht beschloss, dass „die Abschussermächtigung gegen das Grundrecht auf Leben (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG) und die Garantie der Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG) [verstoße]“ (Website Bundesverfassungsgericht). 

Wenn Technologie doch durchsichtig wäre©Ursula Drees

Dies unterstreicht erneut die aufgestellte These, dass der Entzug der Handlungsmöglichkeiten der Fahrer*innen eines Autos eine Verletzung der Menschenwürde darstellt. Zwar kommt es in den Dilemma Situationen, auf die im Zusammenhang mit selbstfahrenden Fahrzeugen Bezug genommen wurde, nicht zu einem Gewaltakt oder einem gezielten Angriff auf die Gesellschaft. Es kommt aber zu einer Objektivierung der Fahrer*innen von Personen zum Objekt gesellschaftlichen Handelns. Wert und Erhalt ihrer Leben wäre dann nicht mehr ein Zweck in sich, sondern würden in die „Hände“ des Autos gelegt, das sie als bloße Objekte einer Rechnung betrachtet. Auch die Ethikkommission kommt zu einer ähnlichen Einschätzung in Bezug auf die Entscheidungshoheit in Dilemma Situationen: „Letztendlich würde also im Extremfall der Programmierer oder die Maschine die „richtigen“ ethischen Entscheidungen über das Ableben des einzelnen Menschen treffen können. Konsequent weitergedacht, wäre der Mensch in existentiellen Lebenssituationen nicht mehr selbst-, sondern vielmehr fremdbestimmt. Diese Konsequenz ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Einerseits besteht hier die Gefahr eines starken Paternalismus des Staates, bei dem eine „richtige“ ethische Handlungsweise vorgegeben wird (sofern dieser die Programmierung vorgibt), andererseits würde dies dem Wertebild des Humanismus, in dem das Individuum im Zentrum der Betrachtungsweise steht, widersprechen. Eine solche Entwicklung ist daher kritisch zu betrachten“ (Bericht 2017). Ich sehe damit die unbedingte Notwendigkeit die Entscheidungshoheit in jedem Fall beim Menschen zu lassen als hinreichend begründet an. Egal wie düster die Konsequenzen für eine Gesellschaft auch sein mögen, niemand ist verpflichtet ihr oder sein eigenes Leben dafür zu opfern. Dieses Opfer in Form von Programmierung zu erzwingen entspricht einer tiefen Verletzung der Menschenwürde und ist unter allen Umständen zu verhindern. Das bedeutet aber nicht, dass deswegen keine selbstfahrenden Autos in die Gesellschaft eingeführt werden dürften. Nur soll, dem Grundgedanken einer Demokratie entsprechend, jede*r ihre oder seine eigenen Belange selber regeln können.

©Ursula Drees

Wäre ich in der Situation den Gesetzgebern eine Handlungsempfehlung bezüglich Selbstfahrender Fahrzeuge in Dilemma Situationen zu geben, so würde ich auf der Möglichkeit bestehen, selber die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen zu können. Es handelt sich um eine technologische Möglichkeit, die auf eine nicht ausreichend vorbereitete Lebenswelt trifft. Eine Implementierung dieser technischen Möglichkeiten wird aber vermutlich trotzdem erfolgen. Das darf aber nicht dazu führen, dass der einzelne Mensch im Konfliktfall dem Allgemeinwohl untergeordnet wird. Auch die Ethikkommission sowie das Bundesverfassungsgericht kommen zu diesem Schluss. Die erwähnten ethischen Positionen bilden eine gute Grundlage für die Implementierung von Richtlinien in selbstfahrende Fahrzeuge, aber nur solange der Mensch in jedem Fall die Entscheidungshoheit behält.

Literaturverzeichnis:

  • Bericht Ethikkommission Juni 2017: „Automatisiertes und vernetztes Fahren“
  • J. Christian Gerdes, Sarah M. Thornton 2015: „Autonomes Fahren : technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte“

Zum Referenten:

Xaver Werhahn, geboren 1989 in Bremen, studiert Philosophie, Politikwissenschaft und Geschichte an der Universität Regensburg.  Individualität, Autonomie und fortschreitende Algorithmisierung der Lebenswelten stehen im Fokus seiner Forschung.

Können Roboter moralisch handeln?

Patrick Tresset©Zeichnender Roboter namens Paul 2

ein Essay von Xaver Werhahn

Roboter üben schon lange eine große Faszination auf die Menschen aus. Seit geraumer Zeit machen sich Menschen Gedanken über die Chancen und Risiken, die einher gehen mit der Thematik der Roboter. Ob in düster gemalten Dystopien der Zukunft, Universitäten, großen Wirtschaftsunternehmen oder direkt im eigenen Heim: überall halten Roboter Einzug in die Lebenswelt der Menschen und beeinflussen diese maßgeblich. Der Reichweite der Einsatzbereiche von Robotern scheint keine Grenze gesetzt zu sein. Es scheint als wenn sie viele Aufgaben, die von Menschen verrichtet werden, besser erledigen könnten. Wenn wir davon ausgehen müssen, dass sich in den nächsten Jahrzehnten Roboter immer weiterverbreiten werden, erscheinen die dystopischen Zukunftsversionen in denen Menschen von Maschinen als Sklaven gehalten oder nahezu ausgerottet werden auf einmal sehr viel drängender. Aber was ist wirklich dran an diesen Vorstellungen? Sind Roboter kurz davor sich die Menschheit untertan zu machen? Im Moment beschränken sich solche Szenarien noch auf Science-Fiction und das wird vermutlich auch noch für gewisse Zeit so bleiben. Dennoch werden Roboter immer raffinierter und vielseitiger einsetzbar. Wenn die U-Bahn in London oder Tokio fährt, sitzt kein Mensch mehr am Steuer. Das gleiche geschieht, wenn im Flugzeug der Autopilot eingeschaltet wird. Bald werden vermutlich sogar unsere Autos nicht mehr von uns gesteuert werden müssen, sondern sie fahren von alleine.

Ursula Drees© Arduino und Breadboard

Nun drängt sich die Frage nach der Kontrolle bzw. der Verantwortlichkeit auf. Denn was passiert, wenn sich ein selbstfahrendes Auto entscheiden müsste zwischen dem Tod seiner Insassen und dem Tod von Unbeteiligten? Befürworter der Eigenständigkeit von Robotern halten ihre Wahrnehmungsfähigkeit und die Fähigkeit mit ihrer Umwelt in Interaktion zu treten für ausreichend, um Roboter in der Kategorie der intelligenten Wesen einzuordnen (Keil 1998: 108-109). Das hätte zur Folge, dass Roboter durchaus zur Verantwortung gezogen werden könnten für ihre Taten. Gegner dieser Position bestreiten, dass ein Roboter freie Entscheidungen treffen kann. Dafür wäre Willensfreiheit nötig, aber alle „Faktoren, die es […] unmöglich machen, begründet seinen Willen zu bilden, tangieren die Willensfreiheit“ _und davon gäbe es beim Roboter genug (Keil 2013: 5). Auch diese Position wird in Frage gestellt, da manche behaupten, dass die Willensfreiheit nicht der ausschlaggebende Faktor sei. Es gehe vielmehr darum, wie autonom und ethisch sensibel ein Roboter ist. Bei voller Ausprägung dieser beiden Eigenschaften, werden Roboter als „trustworthy moral agents“ _bezeichnet (Colin Allen, Wendell Wallach 2010: 26). Die Frage ist also, ob Roboter in der Lage sind moralisch zu handeln oder nicht. Ich werde die Position vertreten, dass Roboter nicht moralisch handeln können, da sie nichts weiter als besonders vielseitige Maschinen sind und insofern gar keine Handlung vorliegt. Um dies darzulegen versuche ich über die Begriffe von Verantwortung und Absicht zu zeigen, dass die Selbstständigkeit und die Möglichkeit aus einer Reihe von Alternativen zu wählen uns an die Illusion eines autonomen Akteurs glauben lassen, der eigenständige Entscheidungen fällen kann. Das ist allerdings ein Trugschluss, denn Roboter treffen keine Entscheidungen, sondern führen lediglich die Entscheidungen aus, die Menschen bei ihrer Konstruktion getroffen haben. 

Ursula Drees© Arduino und Breadboard

Roboter entscheiden sich nicht dafür Autos zusammen zu setzen, sondern sie werden von Menschen so konstruiert und programmiert, dass sie genau das tun. Anhänger Frankfurts könnten hier einwenden, dass, nur weil sie keine Alternative haben, sie nicht trotzdem genau das tun wollen. Genau da liegt der Knackpunkt, denn Roboter wollen nicht. Genauso wenig wie der Toaster toasten, der Mixer mixen und der Taschenrechner rechnen will, will ein Roboter Autos zusammensetzen. Beim Toaster, Mixer und Taschenrechner würden die meisten mir vermutlich zustimmen. Beim Roboter würden mir aber vermutlich auch einige widersprechen. Woran liegt das? Wo liegt der Unterschied zwischen Roboter und Toaster? Weder der Toaster noch der Roboter können sich fortpflanzen. Weder der 2 Toaster noch der Roboter können eine andere Aufgabe erfüllen als die für die sie gebaut wurden. Weder Toaster noch Roboter können sich entscheiden welche Aufgabe sie erfüllen und welche nicht. 

Wir schreiben dem Toaster keine böse Absicht zu, wenn das Toast verbrennt, weil der Mensch für die Hitzeeinstellung selber verantwortlich ist. Schreiben wir dem Roboter böse Absicht zu, wenn er wie vorgesehen funktioniert und dabei jemand zu Schaden kommt? Dem Saubermach-Roboter schreiben wir wohl keine böse Absicht zu, wenn er uns beim Gehen aus dem Gleichgewicht bringt, weil er genau in dem Moment seine Putzroutine durchführt. Was wäre, wenn der Saubermach-Roboter nun Sensoren und Programmierung besitzt, die ihn solche Situationen erkennen und vermeiden lassen? Was wäre, wenn der Saubermach-Roboter trotzdem dem Menschen in die Quere kommt und ihn zu Fall bringt? Nun scheint der Fall anders zu sein als zuvor. Der Roboter hat die Vorgabe dem Menschen nicht in die Quere zu kommen und dennoch passierte genau das. Ist die Ursache dafür die Entscheidung des Roboters, seine Vorgaben zu missachten, oder liegt einfach ein Fehler im System der Maschine vor? Auch hier würden mir vermutlich die meisten zustimmen, wenn ich sage, dass ein Fehler im System die wahrscheinlichere von den zwei genannten Optionen ist. 

Ursula Drees© working

Aber was ist, wenn dem Roboter vorgegeben wird, niemals seiner Umgebung zu schaden? Eines Tages kommt es zufällig zu einer Situation in der sich so viele Personen in direkter Nähe des Saubermach-Roboters aufhalten, die ihn nicht beachten und gleichzeitig alle dem Roboter in den Weg treten, dass dem Roboter nichts übrigbleibt als einer Person zu schaden. Diese Person landet mit einem gebrochenen Bein im Krankenhaus und verlangt nun eine Entschädigung. Ich bin mir sicher, dass auch in diesem Fall keine vernünftige Person auf die Idee kommen würde, ernsthaft den Roboter für die Geschehnisse verantwortlich zu machen. Denn es handelt sich um eine simple Ursache-Wirkung Beziehung. Die Ursache, dass der Roboter auf dem Boden in Bewegung war, hat bewirkt, dass ein Mensch zu Schaden kam. 

Wären Ursache und Wirkung die ausschlaggebenden Kriterien für eine Handlung hätten wir allerdings ein Problem. Denn dann wären auf einmal das Umkreisen der Sonne oder das Fallen von Tropfen allesamt Handlungen. Das ist per se noch nicht unlogisch, würde aber die Begriffe Handlung und Verantwortung entwerten bzw. ad absurdum führen, da nun alles was passiert eine Handlung wäre. Nicht mehr die Person, die unachtsam eine glimmende Zigarette auf den Boden wirft wäre für das entstehende Feuer verantwortlich, sondern die Zigarette selber oder aber die allererste Ursache, die es gab. Würde ich nun fragen, wer oder was gehandelt hat, würde ich schlussendlich bis zum Urknall kommen und ab dann warten müssen, dass im Bereich der Physik deutliche Fortschritte gemacht werden. 

Eine Handlung scheint also nicht durch Ursache und Wirkung definiert zu sein, sondern durch die Absicht. Die Erde hat keine Absicht, wenn sie sich um die Sonne dreht. Der Wassertropfen hat keine Absicht, wenn er zu Boden fällt. Der Toaster hat keine Absicht, wenn er Weißbrot kross macht. Warum schreiben wir dann dem Roboter eine Absicht zu? Ich denke es liegt daran, dass der Eindruck entsteht, Roboter würden Entscheidungen treffen. Allerdings trifft nicht der Roboter die Entscheidungen, sondern die Menschen, die ihn konstruiert haben trafen die Entscheidungen im Voraus. Würde allein die Möglichkeit zwischen verschiedenen Alternativen zu wählen, ohne dass jemand während des „Wahlmoments“ _Einfluss auf diesen Prozess nimmt, schon eine hinreichende Bedingung für autonomes Handeln sein – _und damit aus einer Maschine einen Akteur machen – _könnte ich jederzeit einen „Killerroboter“ auf die Menschen loslassen und wäre nicht verantwortlich. 

Die vom Menschen scheinbar unabhängige Funktionstüchtigkeit sowie die Möglichkeit aus verschiedenen Alternativen zu wählen suggerieren die Existenz eines autonomen Akteurs, der selber Entscheidungen treffen kann, wie es ihm beliebt. Das führt dazu, dass dem Roboter auf einmal Absicht und (moralische) Handlungsfähigkeit zugerechnet wird, obwohl nichts anderes passiert als bei einem 3 

Thermostat, das auf die Umgebungstemperatur reagiert. Ich denke die Wenigsten würden einem Thermostat, das die Temperatur ihrem Sollwert angleicht, irgendeine Absicht unterstellen. Zumindest halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass ein vernunftbegabter Mensch das Thermostat dafür zur Verantwortung ziehen würde, seinem Zweck zu entsprechen. 

Roboter sind weiterhin Maschinen, die ihrer Konstruktion entsprechend funktionieren und keine Absichten irgendeiner Art besitzen. Damit sind Roboter nicht in der Lage irgendwelche Handlungen geschweige denn moralische Handlungen auszuführen. 

Die Thematik von Robotern ist mittlerweile in so vielen Bereichen der Lebenswelt angekommen, dass selbst der Laie davon gehört bzw. selber Zugang dazu hat. Roboter nehmen schon heute maßgeblichen Einfluss auf das Leben vieler Menschen. Teilweise hat das eine positive Konnotation, wenn man darüber nachdenkt, dass Menschen nun weniger schwere Arbeiten verrichten müssen. Teilweise hat es aber auch eine deutlich negative Konnotation, weil viele Menschen ihre Arbeit verlieren und möglicherweise sogar ruiniert werden. Dieser Prozess wird sich vermutlich trotzdem weiter fortsetzen, da die Möglichkeiten und Annehmlichkeiten, die den Menschen dadurch entstehen zu verlockend sind. Deswegen sollte in diesem Essay der Frage nachgegangen werden, ob Roboter moralisch handeln können. Denn wenn die Menschen immer mehr und immer wichtigere Bereiche ihres Lebens in die Hände von Robotern geben, scheint es wünschenswert, dass die Roboter auch achtsam damit umgehen.

Ursula Drees©Fotografie

Ich habe auf den letzten Seiten die Meinung vertreten, dass wir Roboter nicht verantwortlich machen können, da sie keine autonomen Akteure, sondern Maschinen sind. Begründet habe ich diese Position damit, dass Menschen fälschlicherweise Roboter personifizieren, weil sie scheinbar frei Entscheidungen treffen. Die scheinbare Möglichkeit Entscheidungen zu treffen in Kombination mit der scheinbaren Selbstständigkeit verleiten zu dem Fehlschluss, dass Roboter autonome Akteure mit Handlungsfähigkeit wären. Handlungen sind aber mehr als eine Beziehung zwischen Ursache und Wirkung sondern erfordern Absicht. Allein die Auswahlmöglichkeit aus verschiedenen Alternativen macht keine absichtliche Entscheidung aus, sondern stellt lediglich den Einsatzbereich dar, den die Konstrukteure der Maschine einräumen. Deswegen sind Roboter nicht in der Lage moralisch zu handeln, da sie keine handlungsfähigen Akteure sind. 

Literaturverzeichnis: 

-Geert Keil „Was Roboter nicht können“ in: Der Mensch in der Perspektive der Kognitionswissenschaften, Kognitionswissenschaften, Frankfurt am Main 1998. 

– Geert Keil: „Willensfreiheit“, Berlin 2013. 

– Wendell Wallach, Colin Allen: „Moral Machines“, Oxford 2010. 

Zum Referenten:

Xaver Werhahn, geboren 1989 in Bremen, studiert Philosophie, Politikwissenschaft und Geschichte an der Universität Regensburg.  Individualität, Autonomie und fortschreitende Algorithmisierung der Lebenswelten stehen im Fokus seiner Forschung.